INSTITUT FÜR MODERNES JAPAN

Büchertisch

Hier finden Sie aktuelle Publikationen von Institutsmitgliedern oder unter deren Beteiligung. Studierende des Fachs können Publikationen im Sekretariat vergünstigt erwerben!

Japan-Pop boomt: Auf der ganzen Welt konsumieren junge Menschen Manga, verkleiden sich wie japanische Fantasy-Helden und hören die Musik von androgynen „Visual-Kei“- Bands. Für die junge Generation in Japan ist die Populärkultur ein Mittel, ihre Lebenswelt zu reflektieren und ihr Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen. Medien wie Anime, Fernsehse- rien oder Computerspiel sagen viel über die Verfassung der japanischen Gesellschaft aus und sind deshalb zum Gegenstand ernsthafter Forschung geworden.

Elf Studierende unseres Fachs zeigen in diesem Band mit ihren Analysen, wie brisante gesellschaftliche Themen in der Populärkultur reflektiert werden: Multi- kulturalismus, Identitätsbildung, Homosexualität, häusliche Gewalt, das Leben in sozialer Isolation (hikikomori). Dabei offenbart sich ein subversives Potential, das im Denken und Fühlen junger Japaner/innen ‚revolutionäre’ Veränderungen bewirken könnte. Die elf Aufsätze in diesem Buch geben aufschlussreiche Einblicke in die heutige japanische Gesellschaft – nicht nur für Fans der japanischen Populärkultur.

Die Publikation "Nationalisierte Mütterlichkeit als Phänomen der Moderne" von Julia Siep beschäftigt sich mit der Frage nach der Funktionalisierung von Mütterlichkeit zur Verwirklichung nationalistischer Ziele in drei exemplarisch ausgewählten Ländern, nämlich Japan, Deutschland und Italien in den 1930er Jahren.

Anhand drei exemplarisch ausgewählter Frauenzeitschriften werden die Argumentationsstrategien analysiert, die es ermöglichten, Mütterlichkeit im Kontext extrem nationalistischer Regimes als nationale und kulturelle Besonderheit zu legitimieren. Bei den untersuchten Zeitschriften handelt es sich um die Katei (Japan), die N.S. Frauen-Warte (Deutschland) und Il Giornale della Donna (Italien).

Diese kulturwissenschaftlich angelegte Arbeit trägt insgesamt dazu bei, Konstruktionsmechanismen bestimmter Genderstrukturen und deren Verbindung mit den Kategorien Nation/Nationalismus und Kultur in der Vorkriegszeit herauszuarbeiten, die auch prägend für die Jahre nach 1945 waren und deren Auswirkungen noch bis heute zu spüren sind.

Lange schwarze Haare, weiße Kleider, schlaff herabhängende Arme – die weiblichen Geister des japanischen Horrorfilms sind zu Prototypen des Unheimlichen avanciert, die weltweit kopiert werden. Doch woher stammen diese Wesen und was treibt sie an?

Elisabeth Scherer verfolgt in Spuk der Frauenseele die Spur der Totengeister (yûrei) in der japanischen Kulturgeschichte und stößt dabei auf eine Fülle von Vorbildern u.a. aus Volkserzählungen, Kabuki-Stücken und Ukiyo-e. In der Analyse japanischer Geisterfilme zeigt sich ein dichtes Geflecht aus Überlieferungen und neueren Angstmotiven – wie etwa dem Verlust familiärer Strukturen, Gender-Konflikten und urbaner Vereinsamung.

Diesmal liegt eine Übersetzung auf unserem Büchertisch. Ina Hein hat "Bedtime Eyes" von Amy Yamada übersetzt. Auf Deutsch heißt das Buch nun "Nächte mit Spoon" und ist im Ammann Verlag erschienen. Amy Yamada erzählt eine Liebesgeschichte:

Spoon ist launisch, jähzornig und eifersüchtig. Kim ist frei, verwegen und hat für die Moral der japanischen Nachkriegsgesellschaft nichts als Verachtung übrig. Die kleine Nachtclubsängerin liebt den afroamerikanischen Soldaten – nicht ihn, sondern alles an ihm. Ihrem ersten animalischen Verlangen folgen bald Träume von einer gemeinsamen Zukunft mit Spoon und die Angst, ihn und damit alles zu verlieren. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die amerikanische Militärpolizei den Deserteur finden wird …

Annette Schad-Seifert ist Mitherausgeberin eines neuen Handbuchs, dass sich mit dem demographischen Wandel in Japan befasst. Grundlegende Informationen und Statistiken finden sich ebenso wie Analysen der kulturellen und ökonomischen Konsequenzen dieser Veränderungen. Nahezu alle Facetten des demographischen Wandels werden also zum ersten Mal in einem Band zusammengefasst auf Englisch vorgestellt.

Mehr Informationen zum Inhalt und zu einzelnen Autoren finden sich auf der Homepage des DIJ.

Ina Hein beschäftigt sich mit Versuchen der (Neu-)Konstruktion von Geschlechterbeziehungen in der japanischen Gegenwartsliteratur. Das Geschlechterverhältnis wird in einem unabgeschlossenen Konstruktionsprozess immer wieder neu verhandelt. Es befindet sich also dauerhaft „under construction". Im Bereich der Literatur sind es meist die Schriftstellerinnen, die sich damit aktiv auseinandersetzen und in ihren Werken auffallend oft gegen den herrschenden Geschlechterdiskurs schreiben. In Hein widmet sich den Strategien, die vier sehr unterschiedliche japanische Bestsellerautorinnen – Mori Yôko, Ochiai Keiko, Yamada Eimi und Yoshimoto Banana - in den 1970er und 80er Jahren verfolgen. Die Dissertation, die dem Buch zugrunde liegt, wurde mit dem Förderpreis der Universität Trier ausgezeichnet.


Christian Tagsold hat die japanische Mannschaft bei der Fußball-WM 2006  als Dolmetscher und Bindeglied zum Organisationskomitee begleitet. In Spiel-Feld analysiert er, wie die Spieler und Fans das Ereignis erleben und mit Sinn belegen. Welche Rolle spielen dabei der Raum und die stark regulierten Zugänge zum Ereignis, welche Sprache und Übersetzung? Aus der Mitte des Geschehens werden diese Fragen ethnographisch manchmal überraschend aufgelöst.

Mehr Informationen zum Buch finden sich auch hier.

Im aktuellen Japanjahrbuch des Deutschen Instituts für Japanstudien zum Thema "Familienangelegenheiten" finden sich zwei Aufsätze von Institutsmitgliedern. Michiko Mae und Julia Schmitz gehen gemeinsam dem Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit in Deutschland und Japan bis 1945 auf den Grund. Annette Schad-Seifert fragt, ob der Abschied von der japanischen Mittelstandsgesellschaft zur Auflösung des Familienhaushalts oder zur Pluralisierung der Lebensformen führen wird.

Mehr über das Jahrbuch findet sich auf der Homepage des DIJ.


Gender Dynamics and Globalisation, herausgegeben von Claudia Derichs und Susanne Kreitz-Sandberg, fasst die Ergebnisse der VSJF-Jahrestagung 2004 zusammen. Auch Michiko Mae und Annette Schad-Seifert sind in diesem Band mit Aufsätzen vertreten.

Mehr über den Band kann man hier erfahren.




Lange Zeit vergriffen hat "Die Erfindung Japans" von Shingo Shimada jetzt nicht nur eine Neuauflage erlebt, sondern ist damit auch als Taschenbuch erhältlich geworden. Im Zentrum der Studie stehen die kulturelle Konstruktion nationaler Identität in Japan und die kulturellen Wechselwirkungen zwischen Japan und Europa, von denen dieser Prozess beeinflusst war.

 

 

Michiko Mae und Britta Saal haben "Ein Studienbuch zum Verhältnis von Kultur und Geschlecht" herausgegeben.Wenn in der heutigen Situation einer zunehmenden Globalisierung die Frage nach der "eigenen" Kultur in Abgrenzung zum kulturellen "Anderen" gestellt wird, kommt immer auch die Genderfrage zum Vorschein, weil die jeweilige Geschlechterordnung als eine Stütze der "eigenen" Kultur verstanden wird. Und wenn diese Geschlechterordnung in Frage gestellt wird, erscheint auch die kulturelle Identität als bedroht. Diese Verwobenheit scheint ein kulturübergreifendes Phänomen zu sein. Expertinnen aus verschiedenen Disziplinen wie Literatur- und Kulturwissenschaften, Soziologie, Sozialanthropologie und Religionswissenschaft untersuchen die unterschiedlichen sozialen und kulturellen Bedingungen der Genderverhältnisse in acht Kulturkreisen.

Eine Rezension zum Buch findet sich hier.


Im Sommer 2006 erschien "Alternde Gesellschaften" von Shingo Shimada und Christian Tagsold. Die Alterung der Gesellschaft zwingt zur erneuten Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Sozialstaates. Können die drängenden Probleme der demographischen Entwicklung noch mit dem Verweis auf Solidarität gelöst werden oder muss man Wohlfahrt neu konzeptionalisieren? Bisher wurde diese Frage allein mit Blick auf die Lage in Deutschland und den westlichen Staaten mitähnlichem kulturellen Hintergrund diskutiert. Doch ein Vergleich mit Japan zeigt gänzlich andere Wege und Möglichkeiten auf. Am Beispiel der Pflegeversicherungen in beiden Ländern werden Ansätze und Strukturen verglichen und so verfestigte Wahrnehmungsmuster aufgebrochen.

Das Buch bei Perlentaucher.