Aktuelle Forschungsprojekte
Hier erhalten Sie einen Überblick über die aktuellen Forschungsprojekte an unserem Institut. Wenn Sie auf die Titel klicken, erhalten Sie weitere Informationen.
„Neue Differenzen und Diversität im gegenwärtigen Japan: Die Kontroverse um Gender, Kultur und soziale Schicht (1995–2010)“
M. Mae, A. Schad-Seifert, I. Hein, S. Klasen, N. Kottmann, S. Osawa, E. Scherer, J. Siep
"Partnerschaftliche Gewalt in Japan und Deutschland: Kulturvergleichende Untersuchung zu Setting, Prävalent, Intervention und öffentlicher Wahrnehmung"
S. Ritz-Timme, B. Gahr, D. Matejovski, M. Mae
"Japanische Populärkultur und Gender. Mainstream-Produkte als "Spiegel" und "Motor" des gesellschaftlichen Wandels der Genderkonstruktion."
M. Mae, J. Siep, S. Klasen, E. Scherer
„Neue Differenzen und Diversität im gegenwärtigen Japan: Die Kontroverse um Gender, Kultur und soziale Schicht (1995-2010)“
M. Mae, A. Schad-Seifert, I. Hein, S. Klasen, N. Kottmann, S. Osawa, E. Scherer, J. Siep
Während die Interpretation Japans als eine national-kulturell und sozial homogene Gesellschaft lange den öffentlichen Diskurs bestimmte, wird diese Homogenität nun infolge gesellschaftlicher Veränderungen in Frage gestellt. Seit Mitte der 1990er Jahre ist in Japan eine zunehmende Individualisierung zu beobachten; Identität wird nicht mehr nur kollektiv (wie z.B. national), sondern auch durch zahlreiche andere individuelle Faktoren bestimmt. War ein ‚Anderssein’ in der japanischen Gesellschaft lange stigmatisiert, so wird es heute, im Kontext der Pluralisierung von Lebensmodellen, auch im Sinne einer positiv verstandenen Diversität gedeutet.
Gleichzeitig prägt aber auch eine „Backlash-Bewegung“ den Diskurs mit, die sich gegen diese neuen Trends der Anerkennung von Diversität und Individualität richtet. Deren Vertreter wollen Menschen, die als ‚anders‘ unterschieden werden, von der uneingeschränkten Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen, Möglichkeiten der kulturellen Selbstrepräsentation sowie beruflichen, ökonomischen und sozialen Aufstiegsmöglichkeiten etc. ausschließen.
Diese Prozesse sind der Hintergrund für die seit den 1990er Jahren kontrovers geführten Diskussionen um das „Rahmengesetz zur Schaffung einer Gesellschaft, an der sich Männer und Frauen gleichermaßen beteiligen“ („Partizipationsgesetz“) und um die sogenannte „Polarisierungsgesellschaft“ (kakusa shakai).
In unserem Forschungsprojekt geht es darum zu analysieren, wie sich im gegenwärtigen Japan im öffentlichen Diskurs um das Partizipationsgesetz und die Polarisierungsgesellschaft ein neuer Umgang mit kulturellen, sozialen und geschlechtlichen Differenzen bzw. die mögliche Akzeptanz einer wachsenden Diversität zeigt. Das Projekt untersucht aus der Perspektive der „Intersektionalität“, wie diese Differenzen in ihren wechselseitigen Durchkreuzungen und Abhängigkeiten interpretiert werden.
Das geplante Projekt wird sich auf zwei Diskursebenen konzentrieren: Zunächst werden die politisch-wissenschaftlichen Diskurse zur (Aufhebung von) Geschlechterdifferenz, kultureller Differenz und Schichtunterschieden analysiert. In einem zweiten Schritt wird dann eine Untersuchung der Repräsentationen geschlechtlicher, kultureller und sozialer Differenzen in populärkulturellen Medien erfolgen. Kultur- und sozialwissenschaftliche Ansätze werden damit im Projekt zusammengeführt.
"Partnerschaftliche Gewalt in Japan und Deutschland: Kulturvergleichende Untersuchung zu Setting, Prävalent, Intervention und öffentlicher Wahrnehmung"
S. Ritz-Timme, B. Gahr, D. Matejovski, M. Mae
Das gemeinsam geplante Projekt mit dem Institut für Rechtsmedizin der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf untersucht partnerschaftliche Gewalt (domestic violence) in einem deutsch-japanischen Vergleich. Nach einer Bestandsaufnahme, die das Vorkommen partnerschaftlicher Gewalt in Deutschland und Japan vergleichend untersuchte, wird die Bestandsaufnahme auf bereits bestehende Präventions- und Interventionsmaßnahmen ausgeweitet. Dabei sind auch vor allem die rechtlichen Grundlagen für die Untersuchtung in einer Art Rechtsvergleich zu untersuchen. Ein umfassender kulturwissenschaftlicher Teil wird in der Betrachtung des Verständnisses und der öffentlichen Wahrnehmung partnerschaftlicher Gewalt gesehen.
Laufend wird die öffentliche Diskussion in Japan und die Veränderungen der Rechtsgrundlage verfolgt. Ein weiterer wichtiger Teil ist die Analyse fiktionaler Medienproduktionen (Fernsehserien und Kinofilme), deren Auseinandersetzung mit dem Thema partnerschaftliche Gewalt für die Gesamtgesellschaft meinungsbildend sein kann. Dabei fällt bei einer ersten Analyse bereits die unterschiedliche Auseinandersetzung der fiktionalen Protagonisten mit dem Problem häusliche Gewalt auf. Die Fragen, denen in der Analyse nachgegangen werden muss, sind, wie die Gewalt selbst inszeniert ist und die Gesellschaft und das nahe Umfeld mit Täter und Opfer umgeht. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Darstellung der Konfliktlösung durch das nahe Umfeld oder institutionalisierte Hilfsagebote.
Ziel des Forschungsprojektes ist es, einen aus den Ergebnissen der einzelnen Forschungsebenen abgeleiteten Maßnahmenkatalog zu formulieren, um die Versorgung der Gewaltopfer durch einen kulturbasierten Ansatz bei Beratung und
Intervention zu verbessern.
"Japanische Populärkultur und Gender. Mainstream-Produkte als "Spiegel" und "Motor" des gesellschaftlichen Wandels der Genderkonstruktion."
M. Mae, J. Siep, S. Klasen, E. Scherer
Die japanische Populärkultur erfreut sich weltweit großer Beliebtheit, besonders unter jungen Menschen. In vielen populärkulturellen Produkten kann man dabei aufschlussreiche neue Ansätze für die sich wandelnden Geschlechterbilder und –modelle erkennen, die für eine wissenschaftliche Untersuchung sehr ergiebig und wichtig zu sein scheinen. Dieses noch kaum systematisch erforschte Gebiet ist das Thema des Projektvorhabens.
Tapfere Kämpferinnen, alleinerziehende Väter, Schulmädchen mit magischen Kräften – in der Welt der japanischen Populärkultur scheinen vielfältige Experimente in der Genderkonstruktion möglich zu sein. Das Experimentieren mit Geschlechterrollen hat sich zu einem regelrechten Merkmal von populärkulturellen Produkten wie Manga (japanische Comics), Anime (japanische Zeichentrickfilme) und terebi dorama (japanische TV-Serien) entwickelt. Die zunehmende Individualisierung von Lebensformen, die derzeit in der japanischen Gesellschaft zu beobachten ist, wird also auch in der Populärkultur aufgegriffen. Trotz der zunehmenden Kommerzialisierung dieser Populärkultur und der damit einhergehenden „Mainstreamisierung“ ist davon auszugehen, dass die Populärkultur ein starkes subversives Po-tential für den Wandel der Genderkonstruktion besitzt. Gerade in ihrer Ambivalenz, zwischen Progressivität und Konventionalität verortet zu sein, bietet die Populärkultur Raum für vielfältige Interpretationsansätze.
Die japanische Populärkultur motiviert die Rezipienten zur Schaffung eigener Ausdrucksformen – auch und ganz besonders im Bereich der Konstruktion geschlechtlicher Identitäten. Diese neuen geschlechtlichen Identitätskonstruktionen werden einerseits durch die Populär-kultur stark beeinflusst, werden gleichzeitig aber in den populärkulturellen Produkten auch besonders produktiv zum Ausdruck gebracht. Diese Produkte haben also die Doppelfunktion eines „Spiegels“ (gesellschaftlicher Strukturen und Entwicklungen) und eines „Motors“ (der gesellschaftlichen Wandel bewirken kann).
