Abgeschlossene Forschungsprojekte
Fußball als Kultur – Eine Ethnographie der Weltmeisterschaft 2006

- Auto des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft. Der Aufkleber sollte verhindern, dass Fans um Tickets willen das Fahrzeug aufbrechen.
PD Dr. Christian Tagsold
Fußball ist in der sozialwissenschaftlichen Forschung oft unter zwei Gesichtspunkten analysiert worden. Zum einen wurde nach den ökonischen Dimensionen des globalen Spiels gefragt. Zum anderen war es die mediale Inszenierung, die Aufmerksamkeiten auf sich gezogen hat.
Nachdem ich die Weltmeisterschaft 2006 aus einer zentralen Rolle heraus teilnehmend beobachten konnte, als Team Liason Officer der japanischen Nationalmannschaft, möchte ich die kulturelle Ebene wieder ins Spiel bringen. Denn die ökonomische Sicht hat oft dazu geführt, Fußball nur als eine Art Verschwörung zu betrachten, durch die Wenige viel verdienen. Dagegen wurde aus medialer Sicht oft vergessen, dass Fußball auch bei einem globalen Großereignis einen realen Ort einnimmt und es dort z.B. Produktions- und Machtbedingungen für die Medien gibt, die aufgezeigt werden sollten.
Kultur möchte im Sinne von Clifford Geertz als symbolisches Geflecht verstehen und dicht beschreiben. Dabei wird deutlich, dass eine Fußballweltmeisterschaft im 21. Jahrhundert nicht mehr so einfach als Ritual zur Schaffung nationaler oder anderer Identitäten verstanden werden kann. Aber wie können die Fans und alle anderen Beteiligten dann das große Ereignis sinnhaft deuten? Welche Rolle spielt der überaus flüchtige Raum dabei? Nach 90 Minuten leert sich das Stadion, auf das gerade noch die ganze Welt geschaut hat und wird wieder zur Betonschüssel. Welche Beziehung gehen Fans und Stars ein? Diese und ähnliche Fragen treiben das Projekt an.
Mit der Veröffentlich des Buches "Spiel-Feld. Ethnographie der Fußball-WM 2006" (Konstanz: UVK) konnte das Projekt Anfang 2008 erfolgreich abgeschlossen werden.

