Gewalt und Theatralität
Internationales wissenschaftliches Symposium am 15.-17. April 2010
Ort: CENTRAL in der Alten Paketpost, Worringer Straße 140, 40213 Düsseldorf

Veranstalter:
Prof. Dr. Reinhold Görling (Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität) und Prof. Dr. Roger Lüdeke (Institut für Anglistik und Amerikanistik der Heinrich-Heine-Universität) in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Düsseldorf
Tagungsprogramm :
DONNERSTAG, 15.4.2010
18:00
Eröffnung
Manfred Weber, Geschäftsführender Direktor des Düsseldorfer Schauspielhauses
Prof. Dr. Ulrich von Alemann, Prorektor der Heinrich-Heine-Universität
Prof. Dr. Hans T. Siepe, Dekan der Philosophischen Fakultät
19:00
Abendvortrag:
Prof. Dr. Jon McKenzie (Madison, WI): Homo Sacer Data Bodies: Dataveillance and Global Performativity
Jon McKenzie, Associate Professor of English, University of Wisconsin — Giogio Agamben’s notion of homo sacer has provided a historical model for understanding how contemporary persons can be stripped of legal rights and thus exposed as bare life. This paper analyzes how state information technologies and surveillance systems help to generate, extend, and manage this bare life in the name of “actionable intelligence.”
20:30
Empfang
FREITAG, 16.4.2010
Theatralität der Gewalt
9:00
Prof. Dr. Reinhold Görling (Düsseldorf): „Violence in the Negative“: Aspekte einer Nekro-Politik
Reinhold Görling, Institut für Medien und Kultur, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf — Gewalt ist von Theatralität geprägt, sie findet in Szenen statt, in denen es Täter, Opfer, Zuschauer gibt, Drohgebärden, Finten, Entstellungen. Auch wenn wir etwas nicht sehen, was wir eigentlich sehen können, wenn wir etwas, das eigentlich vor unseren Augen geschieht, verleugnen, findet ein theatraler Vorgang statt. Die amerikanische Theaterwissenschaftlerin Diana Taylor spricht von percepticide, also Wahrnehmungstötung. Man muss ja das, was man nicht mehr sehen will, schon gesehen haben.
10:00
Prof. Dr. Simone Dietz (Düsseldorf): Der unbeteiligte Dritte. Die Unverzichtbarkeit des Zuschauers für Gewaltinszenierungen
Simone Dietz, Institut für Philosophie, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf — Die Inszenierung realer Gewaltvollzüge zielt mit der Darstellung von Gewalt gleichzeitig auf Symbolisierung und auf Zerstörung. Der Zuschauer ist dabei nur scheinbar unbeteiligt, er wird auf doppelte Weise in das Geschehen verstrickt: als sekundäres Opfer des Täters und als sekundärer Täter gegenüber dem Opfer. Ein Ausweg aus dieser Verstrickung liegt für den Zuschauer in der Umbesetzung von Symbolen als zentralen Elementen der Gewaltinszenierung.
11:30
Prof. Dr. Robert Stockhammer (München): Theatralität der Gewalt und Gewalt des Theaters. Zur Sicherung des Unterschieds zwischen zwei Genitivverbindungen 'am Beispiel' von Groupovs Stück über den Genozid in in Ruanda
Robert Stockhammer, Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Ludwig-Maximilians-Universität, München — Die belgisch-ruandische Theatergruppe Groupov (Marie-France Collard u.v.a.) hat mit ihrem Theaterstück "Rwanda 94. Une tentative de réparation symbolique envers les morts, à l'usage des vivants" (eine Version: Paris: Éditions Théatrales, 2002) eine Form der Auseinandersetzung mit dem Genozid in Ruanda entwickelt, die einerseits in der Tradition des dokumentarischen Theaters steht, andererseits die Konventionen, mit denen üblicherweise dessen dokumentarischer Charakter gesichert wird, gezielt verletzt. Die Gruppe hat daher fortlaufend auf die Wirkungen von Aufführungen ihres Stücks reflektiert und sogar für Vorsichtsmaßnahmen gesorgt: So standen bei der Aufführung in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, anlässlich des zehnjährigen Gedenktags des Genozids (2004), im Zuschauerraum Sanitäter bereit, um im Fall von durch die Inszenierung ausgelösten Retraumatisierungen Erste Hilfe zu leisten. Der unter der Regie von Marie-France Collard entstandene Film "Rwanda. A travers nous, l'humanité..." (2006), der eine Dokumentation von Ausschnitten dieser Aufführung mit Interviews von Überlebenden kombiniert, lässt sich als Versuch beschreiben, die ungesicherte Grenze zwischen einer theatralen Darstellung der Gewalt und einem potentiell selbst gewaltsamen Theater ihrerseits (als im Medium des Films gesicherte?) zu thematisieren
12:30
Prof. Dr. Dieter Mersch (Potsdam): Subtile Gewalt. Performativität und Irreversibilität.
Dieter Mersch, Institut für Medienwissenschaft, Universität Potsdam — Diskurse über Gewalt sind mit moralischem Affekt durchsetzt. Sie folgen meist einem Phantasma ihrer Vermeidung. Der Vortrag geht stattdessen der Unvermeidbarkeit der Gewalt schon auf der elementarsten Ebene der Kommunikation nach. ‚Subtile Gewalt’ meint jene Gewaltförmigkeit, die dem Performativen – als primordinale Bedingung des Handelns – selbst schon eingeschrieben ist. Insbesondere sollen jene Umschlagspunkte performativer Situationen beschrieben werden, die die vermeintlich ‚besten Absichten’ entwenden und aus einer Geste der Bescheidenheit eine Anmaßung, dem Ausdruck von Wahrheit eine Brutalität, dem Akt einer Zuvorkommenheit eine Erniedrigung oder dem Schweigen eine Form von Übergriff machen. Ihnen eignet eine besondere Form der Irreversibilität. Üblicherweise Kontextbedingungen zugeschrieben, beruft man sich allerdings auf ‚Kontexte’ bevorzugt dort, wo etwas unklar oder unbestimmt bleibt und sich die Bezüge verwischen. Dagegen soll das, was als ‚Szene des Performativen’ charakterisiert werden soll, mehr Licht ins Dunkel des Kontextes bringen und einige Bedingungen erhellen, die die genuine Gewaltförmigkeit der conditio humana ausmachen. Allein im Bereich des Menschlichen antreffbar, ist Gewalt intrinsisch mit der Dimension des Performativen verwoben, was zur Folge hat, dass jede Artikulation oder symbolische Form, jedweder Akt der Kommunikation oder jede Bestimmung, die die Menschlichkeit des Menschen bezeichnet, als latent gewaltförmig ausweisen müssen.
Spektakel und Theatralität
14:30
Prof. Dr. Bettine Menke (Erfurt): Trauerspiel: Theatralität und Spiel
Bettine Menke, Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Erfurt
15:30
Prof. Dr. Bernhard Teuber (München): Der andalusische Dramatiker in Nietzsches Schule der Gewalt. Zur Genealogie von Lorcas tragischer Trilogie
Bernhard Teuber, Institut für Romanische Philologie, Ludwig-Maximilian-Universität, München — Der Beitrag widmet sich der sogenannten Trilogie des andalusischen Dichters Federico García Lorca (1898–1936): Bluthochzeit (1933), Yerma (1934), das meint ‚Die Unfruchtbare‘, und schließlich Das Haus der Bernarda Alba (Uraufführung postum 1945). Die Dramaturgie aller drei Spiele steuert zielstrebig auf einen Ausbruch exzessiver Gewalt zu, an dessen Ende eine sinnlose Tötungshandlung steht. Will man die hier zu Grunde liegende Ökonomie der Gewalt besser verstehen, gilt es, Lorcas Verhältnis zu Nietzsche in den Blick zu nehmen, insbesondere zur Geburt der Tragödie. Auch Lorca arbeitet an einer Poetik der modernen Tragödie, die er im Dialog mit Nietzsche entwickelt und die er in den genannten Spielen auf eigenwillige Art zu verwirklichen sucht. Während Nietzsche die Zerreißung des Individuums zum Thema des Tragischen macht, stattet Lorca diese Zerreißung deutlich mit sakrifiziellen Zügen aus und gestaltet sie als finale mise à mort eines souveränen Subjekts, wobei Opferung und Selbstopferung kaum mehr zu unterscheiden sind.
17:00
Prof. Dr. Roger Lüdeke (Düsseldorf): Spektakulärer Archaismus und gebrochenes Spektakulum.
Zum Polit-Theater von Sarah Kane und Mark Ravenhill
Roger Lüdeke, Modern English Literature, Institut für Anglistik, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf — Zahlreiche Gegenwartsdramen koppeln ihre gesellschaftspolitischen Modellbildungen an die szenische Ausstellung spektakulärer Gewalt. Dadurch lassen sie sich an Konzepte zeitgenössischer Philosophen anschließen, die unhintergehbare Momente von Willkür und Gewalt in prinzipiell jeder Instituierung von soziopolitischen Ordnungen freilegen (vgl. nur die Arbeiten von Derrida, Rancière und Agamben).
Über diese naheliegende Analogie hinausgehend soll die kontrastive Lektüre von Sarah Kanes „Blasted“ und Mark Ravenhills „Shopping and Fucking“ jedoch zeigen, welche Skala an spezifischen Freiheits- und Reflexionsgewinnen einer theaterbezogenen Repräsentation dieser Korrelation von Politischem und Gewalt zur Verfügung stehen. Insbesondere von den hierbei zu diskutierenden Verfahren szenischer Reduktion und szenischer Spiegelung verspreche ich mir weiterführende Einsichten in die zur Debatte stehende Frage nach der „Theatralität von Gewalt“ et vice versa.
18:00
Prof. Dr. Andreas Mahler (Graz): Suspension der Gewalt. Lears Schlüsse
Andreas Mahler, Institut für Anglistik, Universität Graz — Shakespeares König Lear beginnt mit einem missglückten happy end und endet in der heillosen Katastrophe. Instituierte Gewalt wird zunächst übertragen, dann verschoben und letzten Endes aufgehoben. Der Beitrag verfolgt die verzweifelten Versuche neuer Instituierung bis hin zu ihrer Arretierung in der offenen Ratlosigkeit ihrer Akteure.
Theaterabend
19.00
Einführug
19:30 - 21.30
Shoot/Get Treasure/Repeat von Mark Ravenhill
Inszenierung Jan Klata,
Düsseldorfer Schauspielhaus
Im Anschluß:
Diskussion mit den Ensemble und dem Dramaturgen Christoph Lepschy
SAMSTAG, 17.4.2010
Fiktionalität und Spiel der Gewalt
9:00
Sebastian Schmidt (Edinburgh): War alles nur Schau. Die Inszenierung von Warschaus Stadtlandschaft
Sebastian Schmidt-Tomczak — Lewis Mumfords Verständnis der Stadt als Theater bietet sich an als Ausgangspunkt für das Nachzeichnen von Prozessen der Aneignung urbanen Raums. Allerdings zeichnet Mumfords Metapher ein Bild, das beherrscht ist von überwiegend positiven Konnotationen urbaner ‘Dramatik’; Selbst in Momenten von Konflikt und Konfrontation überlebt der unterschwellige Glaube an ein Happy End, wird die zivilisationsfördernde Wirkung einer kreativen und produktiven Reibung in den Vordergrund gestellt. Die sehr realen und mitunter traumatischen Konsequenzen für die Schauspieler und anderen Beteiligten an diesem Theater werden so leicht ausgeklammert. Das urbane Gewebe ist durchzogen von theatralischen Prozessen, deren Ausführung ohne ein gewisses Maß an Gewalt nicht möglich ist - vom rein verbalen Nachbarschaftsstreit bis zur radikalen Zerstörung mit militärischen Mitteln. Daher soll Dramatik hier als in jedweder Aneignung und Repräsentation urbanen Raums präsentes Verfahren gesehen werden, unabhängig der Qualität zwischenmenschlicher Konsequenzen. In der architektonischen Umgebung der Stadt kommt keine Konstruktion ohne Abriss aus, vollzieht sich keine Inszenierung ohne Gewalt.
10:00
Prof. Dr. Astrid Deuber-Mankowsky (Bochum): Masse und Volk: zeitgenössische Begriffsverschiebungen. Am Beispiel von Dogville (2003) und The Wire (2002-2008)
Astrid Deuber-Mankowsky, Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität, Bochum — Während das frühe Kino Massenkunst war und das Volk allgegenwärtig, fehlt, wie Deleuze in seinen Kinobüchern ausführt, im modernen Film die Masse ebenso wie das Volk. Nun hat Lars von Trier mit Dogville einen Film gedreht, der die Kritik an der US-amerikanischen Außenpolitik mit der Frage des Verhältnisses von Volk und Gewalt und Kino verbindet. Fast gleichzeitig produzierte David Simon die Fernsehserie The Wire, die, in einem breit angelegten Epos die Gewalt auf den Straßen von Baltimore in einer Mikroanalyse der Beziehungen von Polizei, Kriminalität, politischem Establishment und Öffentlichkeit analysiert. Beide Experimente sollen vor dem Hintergrund von Deleuze’ Ausführungen zum Verhältnis von Masse, Volk, Kino und Gewalt und der These diskutiert werden, nach der das „nicht mehr, bzw. noch nicht existierende Volk“ den modernen politischen Film definiere.
11:00
Dr. Stephan Trinkaus (Düsseldorf): The Use of an Object. Gewalt und Relationalität
Stephan Trinkaus, Institut für Medien und Kultur, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf — „Wenn der Säugling für seine Reifungsprozesse Zeit hat, dann entwickelt er die Fähigkeit zu zerstören, zu hassen, zu treten und zu schreien, statt die Welt magisch zu vernichten.“(Winnicott). Für Winnicott ist Zerstörung die Grundlage des Selbsterlebens: wenn ich zerstöre, fühle ich mich in der Welt real, werde ich zu einem Teil von ihr. Demnach geht es bei der Zerstörung um die Hervorbringung von Relationalität, einer bewohnbaren, erfahrbaren Relationalität, die es dem Subjekt erlaubt, für sich und mit anderen zu sein. Zerstörung ist damit aber etwas anderes als Vernichtung: Zerstörung ist Teil des Spiels, aus dem die Welt, in der wir leben, hervorgeht, Vernichtung deren Ende. Was bedeutet das für die Gewalt? Macht es Sinn, zwischen einer zerstörenden, Relationalität ermöglichenden und einer sie vernichtenden Gewalt zu unterscheiden? Und wie verhält sich diese Unterscheidung – wenn sie denn möglich sein sollte – zu anderen: bspw. zwischen Kampf und Krieg (Deleuze) oder mythischer und göttlicher Gewalt (Benjamin)? „The struggle against violence,“ schreibt Judith Butler am Ende ihres Buchs über die Frames of War, „accepts that violence is one’s own possibility.“
12:00
20.November von Lars Norén
Inszenierung Sahar Amini, mit Lisa Arnold
Düsseldorfer Schauspielhaus
15:00
Dr. Hyunseon Lee (London): Vom Schwertkampf zum Martial Arts Film: Inszenierungen von Nation und Spektakel
Hyunseon Lee, Institute of Germanic and Romance Studies, School of Advanced Study, University of London — Der Martial Arts Film lebt von den Aktionsbildern, deren Prototyp – nach Gille Deleuze – in Akira Kurosawas Sieben Samurai (1954) zu finden ist. Zu den prominentesten Inhaltsfiguren im Martial Arts Genre zählt der Schwertkampf, dessen filmische Präsenz sich nicht nur auf den japanischen Film erstreckt, sondern bereits bis zum alten Shanghai-Cinema der 1920er Jahre zurückreicht.
Der einst lokal verwurzelte Schwertkampf(film) avanciert nun zu Beginn des 21. Jahrhunderts zum transnationalen Cinema, dessen Produktion, Zirkulation oder Distribution über Hollywood und den globalen Markt laufen, doch dessen Rezeption ohne das Lokale, insbesondere das Nationale, nicht gut auskommt. Die Dynamiken des (G)Lokalen zeigen sich auch im Bereich der Ästhetik: Der Martial Arts Film nimmt einerseits transkulturelle Formen an und unterliegt damit den stereotypen Spielregeln seines Genres, andererseits sind die Inszenierungen von Gewalt durch west-östliche Interkulturalität oder auch komplexe Intertextualität wie Intermedialität geprägt. Auch hier ist das traditionelle lokale Element unverzichtbar.
Die Erfindung (bzw. Reflexion) der Nation ist insbesondere bei den ostasiatischen Autoren-Filme zu beobachten, deren Helden sich häufig im alten Japan oder China durchschlagen.
Anhand ausgewählter Filmbeispiele – u.a. Kurosawas Samurai-Filme, unter den chinesisch-sprachigen Filmen Ang Lees Crouching Tiger, Hidden Dragon (2000), Zhang Yimous Hero (2002) – werde ich im vorliegenden Beitrag auf folgende Fragen eingehen: Inwiefern sind die originelle Filmästhetik (und -rezeption) dieser Filmemacher nicht nur von lokaler Filmgeschichte, sondern auch von den Einflüssen transnationaler Filme und Filmströmungen geprägt? In welcher Form wird Spektakel inszeniert? Welche Rolle spielt hier die indigene Kultur? Vorläufig vertrete ich die These, dass die Schwertkämpfe hier nicht nur als ‚cultural performances’, sondern auch als das höchste Spektakel theatralisiert werden – und zwar im Zusammenhang mit dem Diskurs des ‚Nationalen’ –, so dass von einem ‚Kino der Attraktion’ gesprochen werden kann.
16:00
Dr. Rayd Khouloki (Hamburg): „Torture Porn“: Zur Inszenierung von Folter im zeitgenössischen Horrorkino
Rayd Khouloki, Filmwissenschaftler, Hamburg — „Torture Porn“: Zur Inszenierung von Folter im zeitgenössischen Horrorkino
Im populären Horrorkino der letzten zehn Jahre lässt sich eine Tendenz zur Thematisierung und expliziteren Darstellung von Folter feststellen. Der amerikanische Filmkritiker David Edelstein prägte für Filme, die er diesem Trend zuordnet, den Begriff „Torture Porn“. Erfolgreiche Produktionen wie Saw (2004) und Hostel (2006), bei denen Folter von zentraler Bedeutung für die Geschichte ist, stellen hierfür repräsentative Beispiele dar. In Saw ist es ein psychopathischer Killer, der sich ausgeklügelte Apparaturen und Situationen überlegt, aus denen sich seine Opfer befreien müssen, um zu überleben. In Hostel treibt eine kriminelle Freizeitindustrie ihr Unwesen, indem sie reisende Jugendliche, bevorzugt aus den USA, betäubt, entführt und zahlenden Kunden in einem Folterkeller zur Verfügung stellt.
Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, worin sich diese Filme von anderen Filmen des Genres unterscheiden und was ihre Faszination ausmacht. Aufschluss darüber sollen die Analysen einiger Folterdarstellungen aus beiden Filmen geben, die in Bezug auf ihre Inszenierung und ihre Funktionen im jeweiligen narrativen Kontext untersucht werden. Welche Täter-Opfer-Konstellationen werden durch die Handlung und die filmische Inszenierung konstruiert? Partizipiert der Zuschauer an der Position der Opfer, der Täter, oder verändern sich die Identifikationsangebote im Laufe der Filme? Darüber hinaus soll diskutiert werden, welche Bedürfnisse beim Zuschauer angesprochen werden könnten, die diese Filme so erfolgreich werden ließen.
20:00
Podiumsdiskussion:
TeilnehmerInnen: Mark Ravenhill, Hans Christoph Buch, Jon McKenzie, Ulrike Haß, Ruth Heynen, Reinhold Görling, Roger Lüdeke. Moderation: NN
anschließend: gesellschaftlicher Ausklang der Tagung
Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos, für die Aufführung am Freitag Abend muss allerdings ein Eintritt erhoben werden. Wir wären Ihnen allerdings dankbar, wenn Sie sich per Email anmelden könnten: kerstin_rosemannwebde

