INSTITUT FÜR MEDIEN- UND KULTURWISSENSCHAFT

framing.art.
Rahmungsstrategien in Tanz und Medienkultur 

Eine Tagung im Rahmen von TEMPS D‘IMAGES

Das tanzhaus nrw veranstaltete vom 07. bis zum 17. Januar 2010 zum fünften Mal das europäische Tanzfestival TEMPS D’IMAGES. Initiiert durch den Kulturkanal ARTE und das französische Kulturzentrum La Ferme du Buisson, verbindet das Festival insgesamt 10 europäische und einen kanadischen Partner. Mit jährlich wechselnden Themenschwerpunkten rückt TEMPS D‘IMAGES den zeitgenössischen Tanz in den Kontext einer medial geprägten Gegenwart und widmet sich so neuen Kunstformen an der Schnittstelle von Tanz, Theater, Film und Medienkunst.

Wie in den Jahren zuvor, wurde auch diesmal im Rahmen von TEMPS D’IMAGES und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine- Universität Düsseldorf eine interdisziplinäre Tagung ausgerichtet. Es wurde sowohl theoretisch als auch praktisch über das komplexe und vielgestaltige Verhältnis von zeitgenössischem Tanz und transdisziplinärer Kunstentwicklung reflektiert. Im Zentrum stand dabei der Austausch von wissenschaftlichen und künstlerischen Positionen in Form von Vorträgen, Diskussionen, Künstlerlaboren und Lecture Performances.

Unter dem Titel framing.art. widmete sich die diesjährige Tagung am 15. Januar 2010 dem Themenschwerpunkt der Rahmungen und Rahmungsstrategien in den Künsten. Als Referenten waren Annette Gilbert, Susanne Foellmer und Timo Skrandies eingeladen. Im Sinne des interdisziplinären Charakters der Tagung wurden die wissenschaftlichen Beiträge durch Lecture Performances von Isabelle Drexler und Yvonne Hardt ergänzt, die beide sowohl als Tanzwissenschaftlerinnen als auch als Künstlerinnen arbeiten. Des Weiteren wurde für den gesamten Festivalzeitraum von Studierenden des Masterstudiengangs Medienkulturanalyse (Institut für Medien- und Kulturwissenschaft) ein „Diskursbüro“ eingerichtet. In Interaktion mit den Besuchern und Künstlern wurden die Stücke und Thematiken des Festivals sowohl theoretisch als auch praktisch reflektiert. Im Rahmen der Tagung berichteten die Studierenden in Form eines Laborberichts über die Entwicklungen des „Diskursbüros“.


Referenten und Performer

Jun.-Prof. PD Dr. Timo Skrandies ist seit 2002 als Juniorprofessor am Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig. Seit Oktober 2009 arbeitet er als Research Fellow an dem Forschungsprojekt „Globalized Work and Strategies of its Representation in Media“ an der Universität Trondheim (Norwegen). Beleuchtet wird hier der Zusammenhang von Arbeit, Ästhetik, Medien und Subjektivität in Geschichte und Gegenwart. Mit einem einleitenden Vortrag über mögliche Formen der Rahmung in Kunst und Medienkultur wird er den thematischen Rahmen der Tagung abstecken.  

Dr. Annette Gilbert ist seit 2007 als akademische Rätin am Lehrstuhl für Komparatistik Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg tätig. Seit 2009 arbeitet sie an dem Forschungsprojekt „In & Out & Between. Die Rahmung in den Künsten des 20. Jahrhunderts“ am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin. Das kunstübergreifende und interdisziplinäre Projekt beschäftigt sich mit dem Rahmen als wichtigen, unverzichtbaren Modus der Präsentation und Konstitution eines Kunstwerkes. Gemeint sind dabei keineswegs nur die etablierten und materialisierten Rahmen, sondern auch und vor allem die immateriellen Rahmen und deren Unkonventionalität oder Unfassbarkeit in den zeitgenössischen Künsten. Ziel ist sowohl eine medienspezifische Konturierung als auch eine transmediale Sichtung von Rahmungsstrategien.

Dr. Susanne Foellmer studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen und ist seit 2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Theorie und den ästhetischen Strategien von Tanz und dessen Verbindung zu anderen Künsten, insbesondere zu Film, Performance und Visual Art. 2009 erschien ihr Buch „Am Rand der Körper. Inventuren des Unabgeschlossenen im zeitgenössischen Tanz“ in der Reihe „Tanz Scripte“ des transcript Verlags. In einem umfassenden Blick über zeitgenössischen Tanz wird in diesem Buch das Unabgeschlossene als eine zentrale ästhetische Praxis herausgearbeitet. Daran anknüpfend wird Susanne Foellmer in ihrem Tagungsbeitrag „Framing inside out. Rahmenüberschreitungen in Tanz, bildender Kunst und Performance“ über ästhetische Rahmungen und Rahmungsstrategien im zeitgenössischen Tanz referieren.

Isabelle Drexler ist ausgebildete Tänzerin und studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Derzeit arbeitet sie bei Prof. Dr. Gabriele Brandstetter (FU Berlin) an ihrer Dissertation über Tanzfotografie. Forschungsschwerpunkt bilden Rahmungsstrategien im paradoxalen Verhältnis von festgehaltenem Bild und ständiger Auflösung im Bewegungsprozess der choreografischen Struktur. In ihrer Lecture Performance „Vom Fleisch zum Stein“ rekurriert sie auf Strategien der Rahmung in der (Tanz)Fotografie.

Prof. Dr. Yvonne Hardt ist seit Sommer 2009 Professorin für angewandte Tanzwissenschaft und Choreografie am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz in Köln und baut derzeit den MA Studiengang für Angewandte Tanzwissenschaft auf. In ihrer Arbeit verbindet Yvonne Hardt wissenschaftliche Forschung, künstlerische Praxis und interdisziplinäre Reflexionen. In ihrer Lecture Performance „Thinking About Tracing” kontextualisiert sie performativ die Rahmungen von Tanzwissenschaft sowie einer Tanzaufführung, indem sie fiktive historische Elemente einführt und den Interpretationsrahmen von dokumentarischen Quellen und historischen Spuren hinterfragt.

 

Weitere Informationen zum Festival  TEMPS D‘IMAGES sind auf der Homepage des tanzhaus nrw zu finden (hier)