11.30 Uhr | Beginn des Workshop |
12.00 Uhr | 1. Vortrag // Adam Czirak (FU Berlin): „Der ‚Blick’ als Beschreibungskategorie des Intersubjektiven in den performativen Künsten der Gegenwart“ |
13.00 Uhr | 2. Vortrag // Gerko Egert (FU Berlin): „Berührungsbeziehungen. Assemblagen von Tanz und Wissenschaft” |
14.00 Uhr | Mittagspause |
15.00 Uhr | 3. Vortrag // Ranja Gaafar (HfG Karlsruhe): „Specters – Mediale Erfahrungsräume und die Performativität filmischer Bilder in der kinematographischen Installation“ |
16.00 Uhr | Diskussion |
17.00 Uhr | Ende des Workshops |
//// Adam Czirak (FU Berlin)
Der ‚Blick’ als Beschreibungskategorie des Intersubjektiven in den performativen Künsten der Gegenwart
Die Aktivität des Blickens und ihr Einfluss auf die ästhetische Erfahrung erlangen in einer Zeit der weitgehend von Bildern geprägten Identitäts- und Kulturkonstitution sowie der von Reflexionen des Bildmediums geformten Wissenschaftsdiskursen eine sowohl quantitativ als auch qualitativ augenfällige Gewichtung. Doch zeitgenössische Theateraufführungen gestatten nicht nur eine Auseinandersetzung mit den dominanten visuellen Darstellungseffekten und Wahrnehmungstechniken der Gegenwart. Sie konfigurieren vielmehr auch Szenen des Sehens und Gesehenwerdens zwischen Akteuren und Zuschauern und erlauben somit eine analytische Beschäftigung mit Blickwechseln, die darauf abzielen, körperliche und emotionale Dispositionen, räumliche Perspektiven sowie macht-, gender- und repräsentationspolitische Subjektpositionen interpersonell und kontingent auszuhandeln.
Im Vortrag sollen anhand zeitgenössischer Aufführungsbeispiele und im Rekurs auf prominente Subjektkonzepte aus dem 20. Jahrhundert (Lacan und Althusser bzw. Foucault und Butler) reziproke Blickwechsel untersucht und der Blickbegriff als eine einschlägige Analysekategorie der intersubjektiven Wahrnehmung konturiert werden. Dabei soll es um jene Normen der Subjektkonstituierung gehen, die nicht nur durch sprachlich bzw. stimmlich verfasste Akte der Anrufung mobilisiert werden können, sondern auch in der Interpellation qua Blicke erfahrbar sind. Es werden Momente des Angeblicktseins erkundet, welche durch die vorübergehende ‚Bildwerdung’ der gesehenen Person emotionale und körperliche Reaktionen auslösen. Diese erzielen nämlich nicht nur eine visuelle Objektivierung des Angeblickten (Sartre), sondern gehen immer auch mit Prozessen der Subjektivierung (Posieren, Maskerade bzw. Selbstinszenierung) einher.
//// Gerko Egert (FU Berlin)
Berührungsbeziehungen. Assemblagen zwischen Tanz und Wissenschaft
Mette Ingvartsens Stück Why We Love Action (2006) beginnt mit einer Vielzahl von Berührungen: Körper schlagen einander, treten einander, stoßen einander fort, halten einander fest. Kampfszenen sind zu erkennen, erschrecken uns, erfreuen uns, affizieren uns. Sie schaffen Beziehungen: Nicht nur zwischen den Tänzer_innen, auch zwischen Bühne und Publikum und darüber hinaus: Why We Love Action wird zu einem Netzwerk, das nicht nur den Moment der Aufführung, sondern ebenso die Proben, die Recherchen, das Training, die Texte, das Lesen und das Schreiben umfasst. The making of the making of: eine Assemblage von Tanz und Wissenschaft.
In meinem Vortrag möchte ich der Frage nachgehen, wie sich Performances wie Ingvartsen Why We Love Action/the making of the making of oder die Arbeiten des japanischen Kollektivs Contact Gonzo verändern, wenn wir sie als ein Netzwerk vielzähliger Akteure und ihrer Berührungen betrachten. Welche Prozesse werden dadurch Teil unserer Analysen und wie verändert dies bestehende Begriffe wie „Probe“, „Aufführung“ oder „Aufzeichnung“? Welche Neukonfigurationen beutet dies auch für das Verhältnis zwischen Tanz und Wissenschaft, Theorie und Praxis?
//// Rania Gafaar (HfG Karslruhe)
Specters – Mediale Erfahrungsräume und die Performativität filmischer Bilder in der kinematographischen Installation
Mit dem Erscheinen der kinematographischen Installation im Raum entsteht ein post-mediales neues bildtheoretisches Untersuchungsfeld, in dessen Kontext sich diese Ausführungen bewegen. Durch die stetige Transformation des Lichtbildes von seiner dispositiven maschinengebundenen – und vorwiegend interpretierten – projektiven Anordnung in einem technopoetischen Raum entsteht ein neuer filmischer – exilierter, figur- und medienübergreifender – Subjekttypus im Bild bzw. vielleicht sogar des Bildes, der die Materialität des Bildes hinsichtlich der Erfahrung des Anderen neu definiert und die Spuren letzterer in der Wahrnehmung der Medialität des Bewegtbildes sucht. Der (erfahrungsimprägnierte) Körper und das Material des Films – zwei Elemente mit identitätsstiftenden Oberflächen – bilden die Schwerpunkte einer Untersuchung der Evidenz des Sinnlichen in den filmischen Arbeiten des Film – und Medienkünstlers Isaac Julien hinsichtlich der Frage nach der Performativität des Bildes.