Lehr- und Forschungsprojekt finanziert aus den Mitteln des Lehrförderungsfonds der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
(Sommersemester 2012 – Wintersemester 2012/2013)
Projektleitung
Prof. Reinhold Görling
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Maximilian Linsenmeier, Sven Seibel
Das auf zwei Semester angelegte Lehr- und Forschungsprojekt widmet sich aktuellen Entgrenzungstendenzen und Übertragungsprozessen zwischen den Künsten. Neben der Entwicklung methodischer und inhaltlicher Forschungsansätze, die an bestehende Diskurse der Kunstwissenschaften anschließen, möchte das Projekt neue Verbindungen und Kooperationen zwischen dem Institut für Medien- und Kulturwissenschaften und verschiedenen Akteuren des künstlerischen Feldes anstoßen.
Voraussetzungen
Die Künste befinden sich seit jeher in einem steten Prozess des Austausches und der wechselseitigen Transformation. Nicht neu ist daher die Beobachtung einer zunehmenden Überschreitung, Auflösung und Neuformierung ihrer traditionellen Grenzen und Gattungen. Diese Tendenz stellt jedoch weiterhin verschiedenste Disziplinen - u.a. die jeweiligen assoziierten Kunstwissenschaften – mit ihren Methoden, Theorien und Instrumentarien vor neue Herausforderungen. Wie aktuelle Tendenzen in Kunst und Wissenschaft jedoch ebenfalls verdeutlichen, sind nicht allein die Methoden neu zu justieren, sondern ebenso das Verständnis von Theorie und Praxis.
Von diesen aktuellen Überlegungen der Kunst-, Theater- und Medienwissenschaft ausgehend, fokussiert das Projekt die Untersuchung von performativen Räumen an den Übergängen von Ausstellungs- und Aufführungskontexten in den Bildenden Künsten und zeitgenössischen Theater- und Tanzproduktionen.
Forschungsansatz
Theatrale Settings sind nicht mehr alleine an die Institution Theater und ihre Bühnen gebunden, sondern figurieren narrative und szenische Konstellationen in unterschiedlichsten Kontexten und Formen – so unter anderem in Ausstellungszusammenhängen und Videoinstallationen. Bildräume, kinematographische Verfahren, multimediale Anordnungen und installative Praktiken (trans-)formieren das raumzeitliche Ensemble des Aufführungsraumes der Bühne. Hierbei handelt es sich um Entwicklungen, die sich allerdings nicht – so eine These des Projektes – alleine durch die Diagnose einer allgemeinen Tendenz der Mediatisierung oder Digitalisierung traditioneller künstlerischer Formen erklären lassen. Weniger der Einsatz digitaler Medienformationen und Technologien steht daher im Vordergrund des Projektes als die Frage nach dem Zusammenspiel materieller Artefakte und medialer Praktiken bei der Hervorbringung komplexer räumlicher Gefüge. Zweifellos instabil - und doch stets erfahrbar - sind daher auch die ästhetischen Operationen und Verfahren, die im Kontext performativer Räume ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.
Die im Projekttitel angesprochenen Begriffe der performativen Räume und der Partizipation fungieren für das Lehr- und Forschungsprojekt als bedeutungsoffene Konzepte, die theoretische Anschlussstellen und Verknüpfungen zwischen heterogenen ästhetischen Phänomenen und Gegenständen ermöglichen sollen. Als offene Konzepte gewinnen sie ihre theoretische und praktische Kontur im Bezug auf die künstlerischen Operationen, Prozeduren und Strategien, die Forschungsgegenstand des Projektes sein werden.
Als Arbeitshypothese ist festzuhalten, dass performative Räume nicht in rein aktualen Gegebenheiten aufzusuchen sind, sondern sich vielmehr als Ensembles und Kollektive von Körpern, Dingen, Bildern, Bewegungen, Affekten und Relationen in Emergenz-Prozessen bilden und einen Verhandlungsort zwischen Produziertem und Prozess darstellen.
In diesem Rahmen ist auch der Begriff der Partizipation einer Neubestimmung zu unterziehen. Die meisten Modelle von Partizipation beziehen sich auf ein Handlungssubjekt, das in einem Spannungsfeld zwischen Aktivität und Passivität situiert wird. Die Kuratorin und Kunsttheoretikerin Irit Rogoff öffnet diese Vorstellung mit folgender Fragestellung auf eine erweiterte Konzeption von Partizipation: „What if we substitute for the notion of the audience the notion of the implicated?“ Wenn Partizipation mehr ist als der Einbezug des Publikums in die Zusammenhänge von Ausstellungen und Aufführungen, wie wäre der Begriff des „Implizierten“ für eine Rekonzeptualisierung von Partizipation zu begreifen?
Zudem wäre zu fragen, ob es hierfür sinnvoll ist, künstlerische Artefakte und Praktiken als experimentelle Anordnungen (Hans-Jörg Rheinberger) zu konzeptualisieren, in denen bestimmte Konstellationen, Akteure und Realitäten (u.a. von Subjekt und Objekt, Wissen und Nichtwissen, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Wahrnehmung und Affekt, Aktivität und Passivität) erst entstehen?
Forschendes Lehren
Von der Beobachtung dieser aktuellen Tendenzen in den Künsten ausgehend, bietet das Projekt Performative Räume zudem den Rahmen für die Erprobung neuer Forschungs- und Lehrformen: Die Erarbeitung übergreifender interdisziplinärer Fragestellungen ist daher ebenso Anliegen wie eine theoretische und methodische Perspektivierung auf zeitgenössische künstlerische Praxisfelder. Die teilnehmenden Student_innen erhalten des Weiteren die Möglichkeit, in Workshops und Vortragsreihen aktuelle wissenschaftliche und künstlerische Forschungsansätze und Arbeitsweisen kennenzulernen und aktiv an der Entwicklung neuer Dialogformen zwischen Wissenschaft und Kunst mitzuwirken.