GRADUIERTENKOLLEG 'MATERIALITÄT UND PRODUKTION' (GRK 1678)

Gastwissenschaftler im Wintersemester 2012

Dr. Urs Urban

Urs Urban hat Romanistik, Germanistik und Pädagogik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität Wien studiert.

Wintersemester 2012/2013
Gastwissenschaftler im Graduiertenkolleg "Materialität und Produktion"
2012 - 2013
maître de langue an der Université de Strasbourg
2008 - 2012
DAAD-Lektor an der Université de Strasbourg
2006 - 2008
Referendariat für das Lehramt (Gymnasium) in Düsseldorf und Ratingen
2005
Abschluss der Promotion an der Universität Trier (Betreuung: K. Hölz und V. Borsò)
2003 - 2006
Mitarbeiter am Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
2001 - 2003
DFG-Stipendiat im Graduiertenkolleg „Geschlechterkonstruktion und Interkultur-alität“ der Universität Trier
2000 - 2006
Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Romanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
1999 - 2000
Deutschassistent am Lycée de la Communication in Metz


Forschungsschwerpunkte und Veröffentlichungen in den Bereichen:

kulturwissenschaftliche Raumtheorie, Jean Genet, zeitgenössische französische und frankophone Literatur, literarische Anthropologie, das Mittelmeer als Kultur- und Kommunikationsraum, Literatur und Sport, Theatralität, Ökonomie und Subjektivität im spanischen und französischen Roman der Frühen Neuzeit, der ökonomische Mensch in Literatur und Film (zuletzt über Christian Petzold und die Brüder Dardennes: trajectoires.revues.org/index340.html), Texte zur Theorie der Arbeit


Forschungsprojekt im Graduiertenkolleg:
Das unternehmerische Selbst: Performative Kompetenz als Grundlage ökonomisch erfolgreichen Handelns im spanischen und französischen Roman der Frühen Neuzeit. Eine diskurshistorische Untersuchung des Zusammen- hangs von Theatralität, Ökonomie und Subjektivität in der ‚niederen‘ Roman- literatur vom Lazarillo de Tormes bis zum Gil Blas
In dem geplanten Forschungsvorhaben geht es um die Frage nach dem literarischen Wissen über die Selbsttechniken des ökonomischen Menschen, das in ‚vor der Literatur‘ (also vor der Herausbildung eines literarischen Feldes oder Literatursystems) entstandenen Texten aufgehoben ist. Die Genealogie des homo oeconomicus – so die These – reicht zurück bis zu jenem ‚fruchtbaren Augenblick‘, in dem im Zusammenspiel von theatralem und wirtschaftlichem Handeln ein Prototyp des bürgerlichen Subjekts auf den Plan tritt und im medialen Dispositiv – also etwa auf der Bühne oder, hier entscheidender, im Text – sichtbar wird. Bereits in der spanischen Literatur der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lässt sich eine solche Konstellation beobachten: Im Pikaroroman treten Subjekt, Theatralität und Ökonomie in paradigmatisch neuer Weise zusammen. Hier wird das Versprechen der providentiellen oikonomia ausgehöhlt und unterlaufen von einer neuen Gesellschaftslogik, die Tausch und Täuschung und also Markt und Spektakel miteinander korreliert. Der Lazarillo de Tormes steht mithin am Anfang einer Geschichte der literarischen Modellierung des ökonomischen Menschen, die sich nach einer relativ kurzen Konjunktur im spanischen Roman in den französischen Roman des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts verschiebt, um auf diesem Weg jenes bürgerliche Subjekt hervorzubringen, das dann (erst) im deutschen Bildungsroman vollends zu sich kommt. Ziel der Untersuchung ist es, die literarische Genealogie dieses Subjekts unter ständiger Berücksichtigung seiner Profilierung in ‚ökonomietheoretischen‘ Diskurs- zusammenhängen zu rekonstruieren.


Publikationen:
Monografien
Der Raum des Anderen und Andere Räume. Zur Topologie des Werkes von Jean Genet. Würzburg 2007 (Dissertation)

Herausgeberschaft
mit Jens Grimstein und Timo Skrandies: Texte zur Theorie der Arbeit. Stuttgart (Reclam) 2012

mit Charlotte Krauss: Storytelling. Tübingen (Narr) 2012 (= Len-demains X/2012)

mit Beatrice Schuchardt: Handel, Handlung, Verhandlung. Theater und Ökonomie in Spanien von der Frühen Neuzeit bis zum Beginn der Moderne. Bielefeld (Transcript) (1. Quartal) 2013

mit Charlotte Krauss: Das wiedergefundene Epos. Inhalte, Formen und Funktionen epischen Erzählens vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Berlin (LIT) (Januar) 2013

mit Charlotte Krauss und Nadine Rentel: Storytelling in der Romania. Bielefeld (Transcript) (1. Quartal) 2013

seit 2012 Reihe – mit Charlotte Krauss und Thomas Mohnike: Globalizing Fiction. Transdisciplinary Perspectives on Arts and Letters as Objects of Cultural Practice (LIT-Verlag Berlin)

Zeitschriftenartikel
„Rosetta und Yella. Von der Unmöglichkeit der erzählerischen Resozialisierung des ökonomischen Menschen.“ In: tr@jectoires. Travaux des jeunes chercheurs du CIERA 2009 (trajectoires.revues.org/340)

„Das Handwerk des Tötens. Nachtrag zur literarischen Anthropologie des Genozids in Ruanda.“ In: Lendemains 137 (1/2010): 26-38

„Mexiko-Stadt: Doppelte Gründung und gesellschaftliche Diskontinuität.“ In: Arcadia 46/2 (2012): 318-334

mit Charlotte Krauss: „Storytelling. Einleitung.“ In: Lendemains X/2012 (in Vorbereitung)

„The Mediterranean as a geopolitical and geopoetic border region. Possible worlds beyond the frontier in fiction.“ In: Neohelicon 40/1 2013 (im Druck)

Artikel in Sammelbänden
„Topeaugraphien. Auf die Haut geschrieben.“ In: Christine Hanke/Regina Nössler (Hg.), Haut. Konkursbuch 41. Tübingen 2003: 27-41

„In der Kammer. Die Verortung der Homosexualität bei Proust.“ In: Ursula Link-Heer/Ursula Hennigfeld/Fernand Hörner (Hg.), Literarische Gendertheorie. Eros und Gesellschaft bei Proust und Colette. Bielefeld 2006: 167-176

„Der Raum. Theoretische Annäherung und Analyse des Erinnerungsraumes in einem Text von Jean Genet über Palästina.“ In: Gesine Müller/Susanne Stemmler (Hg.), Raum – Bewegung – Passage. Postkoloniale frankophone Literaturen. Tübingen 2009: 223-237

„Genet gêne. Lesarten einer literarischen Intervention im Raum des Politischen.“ In: Vittoria Borsò/Christiane Liermann/Patrick Merziger (Hg.), Die Macht des Populären. Politik und populäre Kultur im 20. Jahrhundert. Bielefeld 2010: 179-197

„Die Funktion des Epischen für die Bewältigung kollektiver Niederlagen in der deutschen und französischen Literatur des 19. Jahrhunderts.“ In: Charlotte Krauss/Thomas Mohnike (Hg.), Auf der Suche nach dem verlorenen Epos. Ein populäres Genre der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Berlin (LIT) 2011: 15-37

„Genet en Allemagne.“ In: Eden Viana Martin/Alexis Lussier (Hg.), Jean Genet. Lectures en héritage. Bandol 2011: 125-131

„Maaloul – un village invisible. Analyse de l’espace mnémonique dans un texte de Jean Genet sur la Palestine.“ In: Aurélie Choné (Hg.), Villes invisibles et écritures de la modernité. Paris (Editions Orizons) 2012: 135-145

„Schwule Nazis. Die Homosexualisierung des heroischen Körpers in Jean Genets Romanen Pompes funèbres und Un captif amoureux.“ In: Oliver Lubrich/Matthias Lorenz (Hg.), Jean Genet und Deutschland. Gifkendorf 2012 (August)

„Une brève incursion en territoire fasciste. Die literarische Vermessung Osteuropas in den Bienveillantes von Jonathan Littell.“ In: Ariane Lüthi/Charlotte Krauss (Hg.), La ›Semi-Asie‹ et la France. L’Est européen vécu et imaginé dans la littérature et l’histoire. Berlin 2012 (im Druck)

„Homo athleticus et homo sacer. Le corps sportif et la production biopolitique du sujet chez Georges Perec, Philippe Grimbert et dans un roman de Michel Tournier qui n’a jamais été écrit.“ In: Maciej Forycki (Hg.), Jeux et sports de le Renaissance à nos jours. Poznán 2013 (Januar)

„Tausch und Täuschung. Performative Kompetenz als Grundlage ökonomisch erfolgreichen Handelns im spanischen Pikaro-Roman.“ In: Beatrice Schuchardt/Urs Urban (Hg.), Handel, Handlung, Verhandlung. Theater und Ökonomie in Spanien von der Frühen Neuzeit bis zum Beginn der Moderne. Bielefeld 2013 (1. Quartal 2013)

mit Beatrice Schuchardt: „Handel, Handlung, Verhandlung – Theater und Ökonomie. Eine Einleitung.“ In: Beatrice Schuchardt/Urs Urban (Hg.), Handel, Handlung, Verhandlung. Theater und Ökonomie in Spanien von der Frühen Neuzeit bis zum Beginn der Moderne. Bielefeld 2013 (1. Quartal 2013)

„Die Renaissance des Epic-Films nach dem 11. September 2001.“ In: Charlotte Krauss/Urs Urban (Hg.), Das wiedergefundene Epos. Inhalte, Formen und Funktionen epischen Erzählens vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Berlin 2013 (1. Quartal 2013)

mit Charlotte Krauss: „Die Aktualität des Epischen. Einleitung.“ In: Charlotte Krauss/Urs Urban (Hg.), Das wiedergefundene Epos. Inhalte, Formen und Funktionen epischen Erzählens vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Berlin 2013 (1. Quartal 2013)

„Integrative Erzählstrategien neoliberaler Politik und literarischer Gegendiskurs im zeitgenössischen Mexiko.“ In: Charlotte Krauss/Nadine Rentel/Urs Urban (Hg.), Storytelling in der Romania. Bielefeld 2013 (1. Quartal 2013)

mit Nadine Rentel und Charlotte Krauss: „Storytelling in der Romania. Einleitung.“ In: Charlotte Krauss/Nadine Rentel/Urs Urban (Hg.), Storytelling in der Romania. Bielefeld 2013 (1. Quartal 2013)

„Ceci n’est pas un juif. Déconstruction de l’imaginaire raciologique dans Les Bienveillantes de Jonathan Littell.“ In: Sarga Moussa/Serge Zenkine (Hg.), L’imaginaire raciologique en France et en Russie. Moskau 2013 (in Vorbereitung)

Lexikonartikel
„Aperspektivismus“, „Geopoetik“, „Kammer“, „Platzhalter“, „Standpunkt“, „spatial form“, „weiße Wand“ In: Stephan Günzel (Hg.), Lexikon der Raumphilosophie. Darmstadt (WBG) 2012 (Oktober)

„Jean Genet en Allemagne.“ In: Marie-Claude Hubert (Hg.), Dictionnaire Jean Genet. Paris (Champion) 2013 (in Vorbereitung)

Rezensionen
„Gregor Schuhen: Erotische Maskeraden. Sexualität und Geschlecht bei Marcel Proust.“ In: Romanische Forschungen (121) 4/2009: 563-565

„Jörg Dünne et al. (Hg.): Theatralität und Räumlichkeit. Raumordnungen und Raumpraktiken im theatralischen Mediendispositiv.“ In: www.theaterforschung.de/ rezension.php4?ID= 753

„Raúl Ruiz: Die wiedergefundene Zeit.“ In: Variations. Literaturzeitschrift der Uni- versität Zürich 19/2011: 276-278

„Achim Hölter et al. (Hg.): Metropolen im Maßstab. Der Stadtplan als Matrix des Erzählens in Literatur, Film und Kunst.“ In: Romanische Forschungen (124) 4/2012 (im Druck)

„Verena Dolle/Uta Helfrich (Hg.): Zum spatial turn in der Romanistik.“ In: Romanische Forschungen (124) 4/2012 (im Druck)

„Chantal Akerman: Die Gefangene.“ In: Variations. Literaturzeitschrift der Uni- versität Zürich 20/2012 (Oktober)

„Jörg Dünne: Die kartographische Imagination. Erinnern, Erzählen und Fingieren in der Frühen Neuzeit.“ In: Lendemains X/2013 (in Vorbereitung)

„Hanno Ehrlicher: Zwischen Karneval und Konversion. Pilger und Pícaros in der spanischen Literatur der Frühen Neuzeit.“ In: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte (in Vorbereitung)

Interviews
„La résistance est première: Penser contre les pouvoirs, contre les conformismes, contre les évidences. Entretien avec Didier Eribon.“ In: Lendemains 141 (1/2011): 109-127
(Wieder in Didier Eribon: Retours sur Retour à Reims. Paris (Cartouche) 2011: 39-94)

mit Charlotte Krauss: „Pourquoi la narration? Entretien avec Yves Citton.“ In: Lendemains X/2012 (in Vorbereitung)

Übersetzungen
Tiqqun: Theorie vom Bloom. Aus dem Französischen übersetzt von Urs Urban. Berlin (Diaphanes) 2004

Vittoria Borsò: „Baudelaire, Benjamin et la/les modernité(s).“ Aus dem Deutschen übersetzt von Urs Urban. In: L’année Baudelaire 8/2004: 149-172

Florence Goyet: „Über die Bedingungen der Möglichkeit eines ‚Neugründungs-epos‘.“ Aus dem Französischen übersetzt von Urs Urban. In: Charlotte Krauss/Urs Urban (Hg.), Das wiedergefundene Epos. Inhalte, Formen und Funktionen epischen Erzählens vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Berlin 2013 (Januar)

Christian Salmon: „Eine neue Erzähl(an)ordnung?“ Aus dem Französischen übersetzt von Urs Urban. In: Charlotte Krauss/Nadine Rentel/Urs Urban (Hg.), Storytelling in der Romania. Bielefeld 2013 (1. Quartal 2013)


Kontakt
Gebäude 23.32, Ebene 01, Raum 22
uurban(at)unistra.fr
Tel.: +49 (0) 211/81-13946
Fax: +49 (0) 211/81-10431