Vorbemerkungen
VORBEMERKUNG
Im Wintersemester 1987/88 wurde an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ein neuer, europaweit einzigartiger Studiengang eröffnet: der Diplomstudiengang Literaturübersetzen, der im Wintersemester 2008/09 in einen Masterstudiengang überführt wurde. Der Eröffnung war eine rund fünfjährige Planungs- und Konzeptionsphase vorausgegangen, in der nicht nur die Studieninhalte festgelegt wurden, sondern auch breit angelegte Umfragen bei Verlagen erfolgten, um den jährlichen Bedarf an neuen Literaturübersetzern abschätzen zu können. Dementsprechend wird, nicht zuletzt durch Zulassungsbeschränkungen und Eignungstests in allen drei Fächern , die Anzahl der Studierenden und damit der Absolventen sehr bewusst klein gehalten: Seit den ersten Diplomen im Dezember 1992 wurden durchschnittlich 12 Diplome im Jahr vergeben, und voraussichtlich werden auch die Masterabschlüsse diese Zahl nicht übersteigen.
Von der Gruppe der Absolventen, die wir zu 95 % erfasst haben, entschieden sich bisher jeweils rund ein Drittel für die ungesicherte (und nicht eben reichlich entlohnte) Tätigkeit des freiberuflichen Literaturübersetzers (bzw. der Literaturübersetzerin, denn über 90 % der Studierenden wie der Absolventen sind weiblichen Geschlechts).
Rund die Hälfte der Diplomanden – und dies ist sicher ein Indiz für die Qualität der Ausbildung – sind in Festanstellungen tätig: in Verlagslektoraten, Werbeagenturen, Import-/Exportabteilungen diverser Wirtschaftsunternehmen, in wissenschaftlichen oder administrativen Abteilungen in- oder ausländischer Universitäten, in Bibliotheken, im Buchhandel u.ä. Alle übrigen Absolvent(inn)en sind – mit nur einer Ausnahme – entweder erfolgreich freiberuflich tätig (viele davon im Medienbereich: Journalismus, Hörfunk, Fernsehen, Außenlektoraten für das Verlagswesen) oder sie arbeiten (mal mehr, mal minder studienfremd) in der Software-, Elektronik- oder E-Commerce-Branche – bis hin zu Head-Hunting-Firmen oder einem Unternehmen für Sicherheitstechnik. Ein dritter, erst in den letzten Jahren neu beschrittener Berufsweg ist der der Lehrtätigkeit: Zunehmend arbeiten die Absolventen (nach Referendariat oder als Quereinsteiger) auch im Bereich der Schüler- und Erwachsenenbildung (etwa an Volkshochschulen sowie Haupt-/Realschulen oder in der Gymnasialstufe I).
Nicht wenige der Absolvent(inn)en begannen ihre berufliche Laufbahn als Literatur- und/oder Sachbuchübersetzer/in und entschieden sich später für eine andere (weit besser honorierte) freiberufliche Tätigkeit oder eine entsprechende Festanstellung. So erklärt sich, dass in der folgenden Liste die Aufzählung der übersetzten Titel unter dem jeweiligen Namen oft unvermittelt abbricht. Unter den Namen von anderen sind nur wenige (manchmal in unregelmäßigen Abständen erschienene) Übersetzungen verzeichnet. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Übersetzer/innen, die neben dem Übersetzen einer weiteren Tätigkeit nachgehen und nur in Zeiten der Minderbelastung Übersetzungen anfertigen können.
Recht deutlich zeigt die nachfolgende Auflistung auch Folgendes: In der Landschaft der deutschen Literaturverlage bestand und besteht ein Bedarf an guten Übersetzern – und der Studiengang Literaturübersetzen hat bewiesen, dass seine sowohl wissenschaftliche als auch in hohem Maße praxisorientierte Ausbildung den Einstieg in diesen Beruf, der ein hohes Maß an sprachlicher Sensibilität und Kreativität erfordert, ermöglicht oder zumindest erleichtert. Nicht wenige Verlage sind von der Qualität unserer Absolvent(inn)en überzeugt (siehe dazu die Verlagsliste) und wir hoffen, dass wir – trotz der gegenwärtigen "globalen Krise" und den damit einhergehenden Umstrukturierungen und Wandlungen im Buch- und Verlagswesen, die sich natürlich nicht zuletzt auf die Übersetzer auswirken – auch zukünftig Literaturübersetzer ausbilden, die die unentbehrliche Mittlertätigkeit, ohne die es keine Weltliteratur geben könnte, kompetent und verantwortlich ausüben.
Univ.-Prof. Dr. Monika Gomille - Univ.-Prof. Dr. Hans T. Siepe - Dr. Mona Wodsak
