INSTITUT FÜR SOZIALWISSENSCHAFTEN

Dr. Michael Rose

Michael Rose ist seit Mai 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent) der Bergischen Universität Wuppertal und seit August 2016 wissenschaftlicher Koordinator des Zentrums.

E-Mail:

michael.rose@uni-duesseldorf.de

Büro:

Raum 8

Tel:

0202 747 564 22

Sprechzeiten:

Mittwochs nach Vereinbarung

Adresse:

TransZent, Döppersberg 19 (3. Etage), 42103 Wuppertal

Web:

www.transzent.de

Curriculum Vitae: de|en

Dissertation

Die Dissertation ist als Monographie unter dem Titel "Zukünftige Generationen in der heutigen Demokratie - Theorie und Praxis der Proxy-Repräsentation" bei Springer VS erschienen. ISBN: 978-3-658-18845-0.

Buch im Springer Shop | Buch auf SpringerLink zum Download

Zusammenfassung der Dissertationsschrift mit dem Originaltitel: Die politische Vertretung zukünftiger Generationen in der Demokratie - Theorie und Praxis der Proxy-Repräsentation

Zukünftige Generationen werden von den Folgen heutiger Politik betroffen sein, sind aber in der Regel von den institutionalisierten Formen demokratischer Willensbildung ausgeschlossen. Aus Sicht des demokratietheoretisch wirkmächtigen Betroffenheitsprinzips, demzufolge alle, die von politischen Entscheidungen betroffen sind oder sein werden, in diesen repräsentiert werden sollen, erscheint dies als problematisch. Die in der Literatur daher vielfach erhobene Forderung, zukünftige Generationen heute politisch zu repräsentieren, führt die moderne Demokratie geradewegs in eine Aporie. Dies liegt zum einen an der sog. demokratischen Gegenwartspräferenz, die, angetrieben durch den Wahlzyklus, den Fokus der Politik auf kurzfristig vorzeigbaren Nutzen für die Wähler lenkt und die genuinen Interessen noch nicht existierender zukünftiger Generationen weitgehend ignoriert. Zum anderen liegt die Ursache hierfür in den Standardkonzepten politischer Repräsentation, die mit ihren Kategorien wie ‚Wahlen‘, ‚Autorisierung‘ und ‚Verantwortlichhalten‘ kontemporär nicht existierende Konstituenten wie zukünftige Generationen nicht erfassen können. Zukünftige Generationen können heute nicht politisch partizipieren.

Nichtsdestotrotz existieren ab den 1990er Jahren zahlreiche Institutionen, die die Interessen zukünftiger Generationen in den demokratischen politischen Entscheidungsprozess einbringen. Als Beispiele wären hier der Zukünftige-Generationen-Kommissar für Wales, die parlamentarische Kommission für zukünftige Generationen in Israel, der Ombudsmann für zukünftige Generationen in Ungarn und einige Nachhaltigkeitsinstitutionen zu nennen. Ihre Existenz überrascht und ist ein erklärungsbedürftiges Puzzle, da die Akteure des politisch-administrativen Systems (PAS) nach der These der demokratischen Gegenwartspräferenz keinen Anreiz haben, die Institutionalisierung solcher potenziell die Gegenwartspräferenz reduzierenden Institutionen zu unterstützen. Kates (2015) geht sogar davon aus, dass solche Institutionalisierungen nur dann möglich sind, wenn vorher über eine Modifikation der Rahmenbedingungen derselben die Gegenwartspräferenz des demokratischen Anreizsystems deutlich reduziert wurde.

Die Aporie, das Puzzle sowie der Befund, dass die politische Repräsentation zukünftiger Generationen zwar bisher in der Philosophie, kaum aber in der Politikwissenschaft erforscht wurde, motivieren die Fragestellung der Arbeit: Wie können zukünftige Generationen in der heutigen Demokratie politisch repräsentiert und wie kann die Aporie der Demokratie bezüglich zukünftiger Generationen reduziert werden? Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden zunächst die Ausgangspunkte der Aporie genauer untersucht. Anschließend wird, aufbauend auf Rehfelds (2006) allgemeiner Repräsentationstheorie, das Konzept der Proxy-Repräsentation entwickelt. Der Begriff lehnt sich an den statistischen Proxy-Begriff an und hebt die Eigenschaft der Konstituenten der Proxy-Repräsentation hervor, selbst nicht mess- bzw. ansprechbar und zugänglich zu sein. Proxys sind als Vertreter zukünftiger Generationen dann alle Institutionen, die Proxy-Repräsentation betreiben, also deren Interessen in den politischen Entscheidungsprozess einbringen. Mithilfe der im Zuge der Konzeptbildung entwickelten Kriterien wird das Feld nach Institutionen durchsucht, die sich als Proxys verstehen lassen. Die 29 so identifizierten Proxys werden in Kurzfallstudien mithilfe von Dokumentenanalysen analysiert und nach der Höhe ihres Wirkungspotenzials in eine deduktiv entwickelte Typologie eingeordnet. Es stellt sich heraus, dass nur sechs der 29 Proxys über ein (eher, sehr) hohes Wirkungspotenzial verfügen. Um das Puzzle ihrer Institutionalisierung näherungsweise auflösen zu können, werden mithilfe einer modifizierten Fuzzy Set Qualitative Comparative Analysis (fs/QCA) die Rahmenbedingungen der Proxys mit hohem Wirkungspotenzial untersucht. Die Figur der demokratischen Selbstbindung sowie verschiedene modifizierte theoretische Ansätze der vergleichenden Policy-Analyse dienen hierfür vor dem Hintergrund der demokratischen Gegenwartspräferenz als theoretische Anker. Der überraschende Befund der fs/QCA ist, dass hinsichtlich der Rahmenbedingungen keine systematischen Kausalitätsmuster identifiziert werden können und keine systematischen Unterschiede zur Institutionalisierung von Proxys mit niedrigem Wirkungspotenzial vorliegen. Kates These wird daher in Zweifel gezogen: Die Institutionalisierung von Proxys, die potenziell die demokratische Gegenwartspräferenz zugunsten zukünftiger Generationen und zuungunsten der Handlungsfreiheit heutiger Politiker reduzieren könnten, ist auch unter ungünstigen, gegenwartspräferenzinduzierenden Rahmenbedingungen möglich. Insgesamt liefert die Arbeit zahlreiche theoretische und empirische Erkenntnisse zu der Frage, wie die Aporie bearbeitet und zukünftige Generationen heute politisch repräsentiert werden können.

Forschungsinteressen

Nachhaltigkeitspolitik, vergleichende Politikforschung, demokratische Innovationen, Demokratietheorie, Politische Theorie, Transdisziplinarität, Transformative Wissenschaft, Nachhaltigkeits- und Wohlfahrtsindikatoren

Werdegang

seit 2016

Wissenschaftlicher Koordinator des Zentrums für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent) an der Bergischen Universität Wuppertal

seit 2015

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent, Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Maria Behrens, Politikwissenschaft II)

BMBF-Projekt 'Wohlstands-Transformation Wuppertal'

2012-2015

Stipendiat am Graduiertenkolleg "Linkage in Democracy. Politische Repräsentation in heterogenen Gesellschaften" (LinkDe) des Instituts für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

2005-2012

Studium der Diplom-Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Diplomarbeit: "Nachhaltigkeitsindikatoren in Deutschland: Institutionalisierung und Funktionen auf Länderebene"

2009

Praktikum im Arbeitsbereich Frieden und Nachhaltige Entwicklung der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. Heidelberg (FEST), Institut für Interdisziplinäre Forschung

Konferenzbeiträge

2017

Determinants of Researchers' Roles in Real-World Transitions: A Comparative Analysis of Urban Real-World Laboratories. Presentation, 8th International Conference on Sustainability Transitions (IST), June 18th - 21st, Göteborg.

 

Democratic Myopia and Future Generations: On Institutional Innovations, their Impact Potential, and the Challenges of their Institutionalization. Presentation, Conference on Institutional Reforms in Ageing Societies, June 8th - 9th, Budapest.

 

2016

Constitutions, Democratic Self-Determination and the Institutional Empowerment of Future Generations: Mitigating an Aporia. Paper presentation, Forum Generationengerechtigkeit und Verfassungen, inkl. Verleihung des Generationenpreises, 11. Demografie-Kongress, 8. November, Berlin.

 

Mitigating Democratic Myopia as a Means to Mitigate Climate Change: On Institutional Innovations, their Impact Potential, and the Challenges of their Institutionalization. Presentation, ECPR General Conference 2016, September 7th - 10th, Prague.

 

Transforming Well-Being in Wuppertal: Conditions and Constraints. Presentation with Katrin Maibaum, Conference in Transformative Research and Development in Urban and Regional Environments, September 1st - 3rd, Brixen.

 

2015

All-Affected, Non-Identity and the Political Representation of Future Generations. Paper presentation, Intergenerational Justice Conference, World Trade Institute, October 9th, Bern.

 

Time-Induced Political Inequality: Why Future Generations Need Proxy Representation. Paper presentation, Annual BAGSS Conference 2015 on Inequalities, September 29th - 30th, Bamberg.

 

Demokratie und Wahlrecht. Vorträge beim Forum Alpbach | Re:think Austria 2015 - Generationengerechtigkeit, 11.-13. Juni, Haibach.

 

2013

'Proxy-Repräsentation' als demokratische Innovation: Wie zukünftige Generationen politisch repräsentiert werden können. Vortrag auf der 3-Länder-Tagung Politikwissenschaft "Politik der Vielfalt", 19.-21. September, Innsbruck.

Representing Future Generations Today. Poster presentation, ECPR Summer School on Methods and Techniques, July 29th - August 10th, Ljubljana.

The Politics of Sustainability Indicators in Rhineland-Palatinate: A Case Study. Paper presentation, 8th International Conference in Interpretive Policy Analysis, 3-5 July, Vienna.

Lehre

Politik der Nachhaltigkeit, Vertiefungsseminar im BA Sowi (HHU) im SoSe 2017

Nachhaltigkeitspolitik im internationalen Mehrebenensystem, Seminar (Hauptkurs, Bachelor) im WiSe 16/17 an der Bergischen Universität Wuppertal, gemeinsam mit Katharina Schleicher

Politik der Nachhaltigkeit, Vertiefungsseminar im BA Sowi (HHU) im WiSe 16/17

Politik der Nachhaltigkeit, Aufbauseminar im BA Sowi (HHU) im SoSe 14

Information in English

For information in English, recent activities and some papers please visit http://uni-wuppertal.academia.edu/michaelrose