KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Publizistische Qualität

Ausgangspunkt wissenschaftlicher Analysen zur Qualität publizistischer Produkte ist der normative Begriff der Öffentlichkeit, dem zufolge die medienvermittelte öffentliche Kommunikation einen „Faktor“ freier individueller und allgemeiner Meinungsbildung darstellt, die politischen Entscheidungen Legitimität und Rationalität verleihen soll. Dazu sind publizistische Leistungen nötig, die für Transparenz, kritische Validierung und Orientierung sorgen.

Wissenschaft kann klären, welche inhaltlichen Eigenschaften publizistische Angebote haben müssen, um diese Funktionen zu erfüllen, und unter welchen Voraussetzungen – bei welchen Medien, Themen, Akteurskonstellationen – diese Eigenschaften vorliegen. Fragestellungen für einschlägige Untersuchungen könnten beispielsweise sein:

  • In welchen inhaltlichen Eigenschaften unterscheidet sich die Darstellung eines gesellschaftlich relevanten Themas in verschiedenen Medien wie Qualitätszeitungen, Boulevardzeitungen, Fernsehnachrichtensendungen (öffentlich-rechtlicher oder privater Provenienz), Online-Informationsdiensten? Was bedeuten diese Unterschiede in Hinsicht auf die „Transparenz“ des Geschehens?
  • Wie lassen sich Maßstäbe publizistischer Qualität auf die Bild- und Filmberichterstattung übertragen? Sind Pluralität und Reflexivität in der Bildsprache denkbar? Wie ließen sich diese Merkmale visueller publizistischer Qualität erfassen? Wie müssen Text-Bild-Kopplungen beschaffen sein, die für Transparenz und Validierung sorgen?
  • Unter welchen Umständen kommt es zu einer Homogenisierung der öffentlichen Themendarstellung bis hin zu einer „vorherrschenden öffentlichen Meinung“? Welche Rolle spielen dabei Akteursallianzen, welche die wechselseitige Orientierung der Medien aneinander? Ist diese vorherrschende öffentliche Meinung das Produkt einer diskursiven Klärung, in die abweichende Positionen eingegangen sind, oder das Ergebnis der Marginalisierung solcher Positionen?
  • Finden sich im Mediensystem Formen der Metareflexion, die die mediale Darstellung eines Themas – Wahlkampf, Mindestlohn, Klimaschutz oder ein anderes – zur Debatte stellen? Wo findet eine solche Metareflexion statt? Was kann sie zur kritischen Validierung öffentlich zirkulierender Problemdeutungen im gesellschaftlichen Maßstab beitragen?
  • Welche Formen des Urteilens und der Meinungsbildung werden von Darstellungen unterschiedlicher Qualität – neutral beschreibend, kritisch diskutierend, anschaulich bildgestützt, emotionalisierend – evoziert? Lösen Bericht in der „BILD“ andere Vorstellungen und Urteilsweisen aus als solche in der „Rheinischen Post“, Berichte in der „Tagesschau“ andere als solche in „RTL aktuell“? Wie lassen sich Differenzen in den evozierten Vorstellungen charakterisieren? Auf welche inhaltlichen Eigenschaften gehen diese Differenzen zurück? Bei wem treten solche Unterschiede auf, von welchen Rezipienteneigenschaften hängt also der Einfluss der Qualitätsdifferenzen ab?

Theoretische Grundlagen: Theorie der Öffentlichkeit, Inhaltsforschung, Analyse visueller Kommunikation, medienpsychologische Rezeptionsforschung.

Methodische Vorgehensweisen: Inhaltsanalyse, Argumentationsanalyse, Experiment.

 

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