KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Publizistische Konflikte

Konflikte zwischen Interessengruppen – wie Unternehmen und Arbeitgeberverbänden einerseits und Gewerkschaften andererseits – sowie zwischen politischen Organisationen oder Parteien werden öffentlich ausgetragen. Die Konfliktparteien ringen dabei mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit auch darum, durch die Darstellung ihrer Positionen Zustimmung und Unterstützung zu mobilisieren. Medien greifen daher mit ihrer Porträtierung des Konflikts aufgrund professioneller Regeln (wie der Nachrichtenfaktoren) sowie entsprechend politischer Präferenzen der Redaktionen in das Konfliktgeschehen ein.

Klärenswert ist, welche Rolle die Medien für die Dynamik des Konfliktgeschehens spielen. Welche Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg in mediatisierten Konflikten? Das ist für die Durchsetzungschance von Akteuren relevant. Darüber hinaus ist für das Funktionieren des politischen Systems von Bedeutung, inwieweit bzw. unter welchen Bedingungen der medienvermittelte Konfliktverlauf  zu einer Rationalisierung der Kompromissfindung beiträgt.

In Form von Fallstudien können Fragen folgender Art bearbeitet werden:

  • Welcher Akteur hat sich in einem publizistisch ausgetragenen Konflikt durchgesetzt? Welche Rolle haben dabei seine Handlungsressourcen, die Mobilisierung von Alliierten, das Bündnis mit Medienakteuren, die Moralisierbarkeit seines Anliegens, der diskursive Kontext gespielt?
  • Unter welchen Bedingungen kann sich ein machtferner Akteur gegen einen machtvollen Akteur durchsetzen?
  • Welchen Einfluss hat die Durchsetzung in einer publizistischen Auseinandersetzung auf die Entscheidungen des politischen Systems?
  • Was unterscheidet die erfolgreiche Kampagne eines machtvollen politischen Akteurs von einer erfolglosen Kampagne desselben Akteurs?
  • Wie verändert sich das Argumentationsrepertoire im Verlaufe einer öffentlichen Auseinandersetzung? Welche Akteure bringen welche Argumente ins Spiel? Welchem Muster folgt das öffentliche Argumentieren? Was zeichnet die Argumente aus, die sich am Ende durchsetzen – Sachautorität, moralische Autorität, Mehrheitsfähigkeit oder was sonst? Folgt der Wechsel im Argumentationsrepertoire diskursiven oder persuasiven Mustern? Unter welchen Bedingungen führt die öffentliche Debatte zur Rationalisierung der vorherrschenden Meinung?

Theoretische Grundlagen: Theorie der Öffentlichkeit, Policy-Forschung, Theorie publizistischer Konflikte.

Methoden: Framing-Forschung, Argumentationsanalyse, Diskursanalyse.

 

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