KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Kommunikative Milieus

Welche politischen Einstellungen Menschen haben, wie sie Politik wahrnehmen und beurteilen, ob und wie sie sich an Politik beteiligen, das hängt von einer Reihe von Faktoren ab: ihrer Lebenslage und ihren sozialen Erfahrungen, ihren Lebenszielen und Wertorientierungen, der Einbindung in soziale Netzwerke und der Rolle, die das Gespräch über Politik in diesen Beziehungen spielt, den Medien, die sie nutzen, und der Art, wie sie Medieninformationen verarbeiten.

Es bleibt manches darüber aufzuklären, wie diese verschiedenen Faktoren ineinander greifen. Fragestellungen können beispielsweise sein:

  • Welche Typen politischer Kommunikation und politischer Partizipation lassen sich unterscheiden? Wie hängen diese Typen zusammen? Wie sind sie sozial in der Vielfalt gesellschaftlicher Lebenslagen verortet?
  • Wie unterscheiden sich Bürger mit hoher formaler Bildung und hohem Berufsstatus, die unterschiedlichen Berufsfeldern angehören (Managementfunktionen versus soziale oder kulturelle Dienstleistungen) in ihren politischen Einstellungen, ihrer Politikwahrnehmung und ihrem politischen Handeln? Inwiefern lassen sich diese Unterschiede aus dem „Habitus“ erklären, der in der Logik ihrer Berufsfeldes liegt? Macht sich der unterschiedliche „Politikstil“ auch in Differenzen beim Gebrauch medialer Informationen über Politik geltend? Wie trägt der Mediengebrauch zum „Politikstil“ bei?
  • Auf welche Weise verarbeiten alte und junge Arbeitslose ihre Lage? Welche Konsequenzen haben diese Bewältigungsstrategien für ihre Vorstellungen von Politik und ihre Einstellungen zur Politik? Worauf stützen sich die Menschen bei ihrer Meinungsbildung? Welche Rolle spielen dabei die Medien? Welche werden gebraucht und auf welche Weise?
  • Unterscheiden sich Arbeitnehmer in der industriellen Massenfertigung von solchen in handwerklichen Berufen in ihren Erwartungen und Einstellungen gegenüber der Politik? Was begründet Differenzen und Gemeinsamkeiten? Wie informieren sie sich und wie und mit wem kommunizieren sie über Politik? Werden gleichartige Medien unterschiedlich „gelesen“? Worauf gehen diese Unterschiede zurück? Was trägt die mediale und die personale politische Kommunikation zur Differenz in der Wahrnehmung und Beurteilung von Politik bei?
  • Worin unterscheiden sich gewerkschaftlich aktive und nicht organisierte Arbeitnehmer in ihren Erwartungen an die Politik, ihren Einstellungen zu politischen Parteien und Institutionen und ihrer Bewertung der Politik? Gehen diese Unterschiede damit einher, dass auch das genutzte Repertoire an Medien sowie Häufigkeit und Art der Gespräche über Politik differieren? Wie greifen dabei mediale und personale politische Kommunikation ineinander?
  • Unterscheidet sich das Medienrepertoire von Arbeitnehmern in vergleichbarer beruflicher Position, die CDU, SPD oder die Linke wählen? Welchen Sinn macht dieser Unterschied? Gehen die betreffenden Personen unter Umständen mit denselben Quellen – Tagesschau, Regionalzeitung – auf unterschiedliche Art und Weise um? Entwickeln sie divergente „Lesarten“ für identische Mediendarstellungen? Worauf geht diese Differenz zurück?

Theoretische Grundlagen: Theorien politischer Kommunikation, politische Soziologie, Wählerforschung, Milieutheorie und Lebensstilforschung

Methodische Vorgehensweisen: Sekundäranalysen repräsentativer Datensätze, Leitfadeninterviews, Tagebucherhebungen.

 

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