KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

DFG-Forschergruppe "Politische Kommunikation in der Online-Welt"

Fasziniert schauen wir auf spektakuläre Ereignisse, bei denen das Internet eine treibende politische Kraft entfaltet: wie sich die Opposition in Tunesien und Ägypten über soziale Netzwerke organisiert, wie Wikileaks zur Brücke zwischen whistleblowern und Massenmedien wird oder wie das Internet in der „Causa Guttenberg“ erst die Aufdeckung des Plagiats ermöglicht und dann die Entrüstung in der Wissenschaft zu einem Sturm werden lässt.

Alle diese Fälle sind Meilensteine in der Veränderung der politischen Kommunikation, die mit der Diffusion des Internets einhergehen. Das Internet hat in seinem Siegeszug nicht nur die wirtschaftliche und soziale Kommunikation verändert, sondern auch die politische Kommunikation. Diese Veränderung der politischen Kommunikation durch das Internet und die politisch relevanten Folgen dieser Veränderung sind das Thema der Forschergruppe „Politische Kommunikation in der Online-Welt“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird. Nach einer fast dreijährigen Vorbereitungsphase hat sie im April 2011 ihre Arbeit aufgenommen.


Profil der Forschergruppe:

Die Forschergruppe ist ein Verbund aus deutschen und schweizerischen Kommunikationswissenschaftlerinnen und Kommunikationswissenschaftlern und geht der Frage nach, wie sich die öffentliche Kommunikation zwischen Bürgern, politischen Organisationen und Medien durch die inzwischen allgegenwärtigen Online-Medien verändert. Online-Medien, das sind z.B. Online-Zeitungen, Suchmaschinen, Videoportale, Social Networks und Blogs. Daran schließt die Frage an, welche politischen Folgen dieser Wandel der politischen Kommunikation hat – etwa auf die politischen Präferenzen von Wählerinnen und Wählern oder die Strukturen politischer Organisationen. Wie politisch relevant ist es, dass weniger Fernsehen und mehr YouTube geschaut wird? Hat es politische Folgen, wenn der Regierungssprecher mehr twittert und weniger faxt? Verändert sich die Umweltpolitik, wenn NGO´s mit ihren Themen und Sichtweisen im Netz präsent sind?

Die Forschergruppe hat zum Ziel, Fragen dieser Art empirisch zu untersuchen, dafür neue Analysemethoden zu erproben und aus den Teilantworten eine generelle Theorie zum Verhältnis von Politik und Kommunikation zu entwickeln. Die Forschergruppe umfasst sieben Teilprojekte. Jedes untersucht die generelle Fragestellung unter einer speziellen Perspektive.

Sie hat drei Jahre Zeit für ihre Untersuchungen – dann wird ihre Arbeit begutachtet und über eine Verlängerung entschieden.

Düsseldorfer Teilprojekte:

Wahrnehmung des Einflusses von Online-Medien. Projektleiter: Gerhard Vowe und Marco Dohle

In dem Teilprojekt wird der Frage nachgegangen, welcher politische Einfluss welchen Online-Medien von wem unterstellt wird, auf welche Ursachen dies zurückzuführen ist und welche Konsequenzen sich für politische Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen ergeben. Ziel ist, einen Beitrag zur Theorie der subjektiven Seite des Wandels der politischen Kommunikation zu leisten, und zwar dadurch, dass ermittelt wird, welche politische Bedeutung den Online-Medien im Vergleich zu traditionellen Medien zugeschrieben wird und welche politischen Folgen diese Zuschreibung hat. Die theoretische Basis bilden Ansätze zu indirekten Medienwirkungen (Influence-of-Presumed-Media-Influence und Third-Person-Effect).

Blognutzung, Projektleiterin: Christiane Eilders

Im Teilprojekt wird untersucht, welchen Einfluss die Blognutzung auf die Wahrnehmung öffentlicher Meinung hat und welche Konsequenzen diese Wahrnehmungen auf das Verhalten der Nutzer im öffentlichen Diskurs haben. In welchem Maße führt eine durch Weblogs geprägte Mediennutzung zu Urteilsunsicherheiten und Fehlurteilen über öffentliche Meinung? Weitere Informationen zu diesem Teilprojekt finden Sie auf der Website des Lehrstuhls von Frau Eilders.

Weiterführende Informationen:

Website der Forschergruppe: www.fgpk.de

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Gerhard Vowe, Sprecher der Forschergruppe

Philipp Henn, Koordinator der Forschergruppe