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Aharon Appelfeld / Stefan Siebers (Übers.)
Für alle Sünden
Rowohlt: Reinbek, Januar 2014
ca. 200 Seiten, Taschenbuch
Am Ende des Krieges ist Theo auf der Suche nach der verlorenen Normalität. Er macht sich auf den Weg zurück in die Heimat, die es doch längst nicht mehr gibt. Vor allem der Gedanke an die Mutter lässt ihn nicht los, eine schöne, sensible Frau, die sich, schon bevor die Schrecken begannen, wie in einer Vorahnung in sich selbst zurückzog, mit ihrem Sohn lange Ausflüge unternahm, Ausbrüchen gleich Zuflucht in der Natur, in Zügen, Kirchen und vor allem in der Musik Bachs suchte. Die Wanderung führt Theo im Kreis und immer wieder zu sich selbst zurück. Nach und nach aber gelingt es ihm, die eigene Versteinerung aufzubrechen und den Weg in eine lebbare Zukunft zu finden.
Dror Moreh / Ulrike Harnisch, Helene Seidler, Stefan Siebers (Übers.) The Gatekeepers. Aus dem Inneren des israelischen Geheimdienstes
Kiepenheuer & Witsch: Köln November 2013
"Seit Rabin tot ist, sieht Israels Zukunft düster aus", sagt Carmi Gilon, Schin- Beth-Chef von 1994 bis 1996. Zum ersten Mal überhaupt geben frühere Leiter des israelischen Geheimdiensts Auskunft über ihr eigenes Handeln und werfen damit ein neues Licht auf die israelische Besatzungspolitik. Alle sechs noch lebenden Ex-Chefs des Schin Beth waren jetzt zu Interviews bereit und haben schonungslos offen und selbstkritisch über Folterungen, gezielte Tötungen und Bombenangriffe gesprochen, die sie seit 1967 im Dienste ihrer Regierung anordneten. In der Rückschau fragen sie nach der moralischen Legitimation der Aktionen, und ihr Urteil ist vernichtend: Die sechs Männer, allesamt Patrioten, bescheinigen allen israelischen Premierministern seit 1967 (außer Jizchak Rabin) eine völlig verfehlte Palästinapolitik. – "Die wichtigste Dokumentation des Jahres", urteilte die New York Times über das Buch, das kein Abdruck der im gleichnamigen Film veröffentlichten Interviewteile darstellt, sondern weit darüber hinausgeht und dem Leser eine Fülle von brisanten Informationen über Israel und den Nahen Osten bietet.
Stefan Siebers
Der Irak in Israel
Vom zionistischen Staat zur transkulturellen Gesellschaft
Jüdische Religion, Geschichte und Kultur (JRGK), Band 13
Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen 2010 (erscheint im November)
ca. 138 Seiten, kartoniert
Inhalt: Anhand der Bücher von Sami Michael und Eli Amir untersucht Stefan Siebers, inwieweit das westlich-zionistische Konzept von der jüdischen Nation mit klar definierten Grenzen aufgegangen ist. Ist der »Judenstaat« der uneinnehmbare Leuchtturm des Okzidents im Nahen Osten? Der Autor lädt uns ein, die Erzählungen und Romane der hebräischen Schriftsteller neu zu lesen. Mit zahlreichen Beispielen belegt er, dass bald nach der Gründung Israels 1948 ein tiefgreifender Prozess der Transkulturation einsetzte, der sich in der modernhebräischen Literatur nicht nur niederschlägt, sondern von dieser auch befördert wird. Über alle Grenzen hinweg ist Israel mit dem Orient längst verwoben. Aus den Randzonen zwischen Tag und Traum, zwischen Kulturland und Ödnis ist fast unmerklich der Orientale ins Bewusstsein der israelischen Leser getreten. Zunächst war er noch der unheimliche Fremde, begehrenswert und erschreckend zugleich. Doch inzwischen erhebt er seine Stimme gleichberechtigt und selbstbewusst in der polyphonen Kultur des Landes. Israel ist dabei, sich aus der Isolation zu befreien. Zu Brückenbauern wurden die jüdischen Autoren, die selbst aus dem Orient stammen. Stefan Siebers lenkt unser Augenmerk auf die Romanciers und Erzähler aus dem Irak, deren Werke von Zerrissenheit und dem Willen zum Neuanfang zeugen. Mit ihnen vollzieht er den Weg Israels zu einer modernen, zum steten Wandel bereiten und somit im wahrsten Sinne »transkulturellen« Gesellschaft nach.
Summary: Stefan Siebers examines the works of famous Oriental Hebrew writers and shows us how Israel has developed from being a Western foreign body in the Near East to becoming an open, transcultural society.
Edna Mazya / Stefan Siebers (Übers.)
Über mich sprechen wir ein andermal Roman
Kiepenheuer & Witsch: Köln 2010 (erscheint im Mai)
432 Seiten, Taschenbuch
Drei selbstbewusste, willensstarke Frauen auf der Suche nach dem Glück. Eine deutsch-jüdische Familie, drei Frauengenerationen und ihr Kampf um Unabhängigkeit und Lebensglück – mit hinreißendem Humor und einem vortrefflichen Gespür vor allem für die komischen Seiten der Verzweiflung schreibt Edna Mazya in ihrem Roman über drei selbstbewusste Frauen, die die Schwächen ihrer Mütter zwar verachten, deren Fehler aber trotzdem wiederholen. Nomi, Verlegerin aus Leidenschaft in Tel Aviv, reist nach Wien zu ihrem Freund Kirin, einem bekannten Theaterregisseur, um sich über die Beziehung zu ihm Klarheit zu verschaffen. In Wien begegnet sie überall den Spuren ihrer Familie, denn hier wuchs ihre Großmutter Ruth Stein auf, deren Tagebücher immer noch ungelesen auf Nomis Speicher in Tel Aviv liegen. Sie lässt sie sich schicken und begibt sich auf eine Reise in die eigene Familiengeschichte, von der sie sich bisher unberührt glaubte: Ihre Großmutter Ruth, eine ebenso glamouröse wie exzentrische Frau, hatte Ehemann und Tochter vernachlässigt, um sich der rauschhaften Beziehung zu Robert, ihrer großen Liebe, hingeben zu können. Als die Beziehung scheitert und die Pogrome in den Dreißigerjahren in Deutschland zunehmen, muss die Familie nach Palästina fliehen. Ruth kommt das nicht ungelegen, denn es ist ihre einzige Hoffnung, Robert jemals wiederzusehen. Sie stellt jedoch schnell fest, dass sie in Palästina immer eine Fremde bleiben wird, und als ihre Tochter Anuschka, die Mutter Nomis, sich in eine fatale Liebesbeziehung mit Folgen für alle stürzt, droht ihr Leben beinahe auseinanderzubrechen. Ein Buch über drei selbstbewusste, willensstarke Frauen auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück.
Außerdem zahlreiche Übersetzungen hebräischer Literatur (A. Appelfeld, J. Schabtai, S. Liebrecht, J. Hoffmann, E. Amir, Kl. Zisapel, P. Sadeh u.a.).