III: ALTE GESCHICHTE

Univ.-Prof. i.R. Dr. Anthony R. Birley

Nachruf auf Herrn Prof. em. Dr. Dietmar Kienast

Prof. em. Dr. Dietmar Kienast (Foto privat)

Die Philosophische Fakultät, das Institut für Geschichtswissenschaften und der Lehrstuhl für Alte Geschichte trauern um Dietmar Kienast, der von 1972 bis zu seiner Emeritierung 1990 Inhaber des Düsseldorfer Lehrstuhls für Alte Geschichte war. Zuvor hatte er von 1965 bis 1972 den althistorischen Lehrstuhl in Marburg inne. 

Dietmar Kienast ist am 13. Februar im Alter von 86 Jahren in Olching verstorben. Er gehörte zu den herausragendsten und prägendsten Althistorikern seiner Generation. Seine zahlreichen Bücher sind weiterhin maßgebliche Referenzwerke der Alten Geschichte. Ihr klarer, nüchterner Stil und ihre luzide Auffassung des Wesentlichen werden ihnen auf Dauer ihren Platz in der Wissenschaft sichern.

Seine 1953 bei Hans Schäfer angefertigte Heidelberger Dissertation stellt die beste und weiterhin gültige Monographie über den die römische Politik des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts prägenden Marcus Porcius Cato dar. Mit seiner 1963 vorgelegten Frankfurter Habilitationsschrift "Untersuchungen zu den Kriegsflotten der römischen Kaiserzeit" stellte sich Kienast als führender Experte der römischen Kaiserzeit vor, der er mehrere Werke gewidmet hat, die allesamt mittlerweile Standardwerke sind. Seine zuletzt in vierter Auflage erschienene Arbeit Augustus. Prinzeps und Monarch bietet die beste Bestandsaufnahme und kritische Durchleuchtung des Grundthemas der Herrschaft des ersten römischen Kaisers, der einerseits eine monarchische Machtfülle innehatte, andererseits aber seine Rolle als erster Mann im römischen Staat durch eine keineswegs ausschließlich als Fassade zu beurteilende Respektierung republikanischer Formen zu legitimieren suchte. Seine in mehrfacher Auflage erschienene Römische Kaisertabelle ist ein unentbehrliches Nachschlagewerk für die alltägliche Arbeit mit Problemen der römischen Kaisergeschichte. Nur der Fachmann erahnt, dass die nüchterne Auflistung von Daten Ergebnis einer eindringlichen, große Materialmengen bewältigenden Syntheseleistung ist. Neben diesen Arbeiten zur römischen Geschichte hat Kienast gehaltvolle Arbeiten zur griechischen Geschichte, insbesondere der archaischen Zeit, vorgelegt, zuletzt in einem eigenen Beitrag in einem Sammelband zu Herodot, mit dem ihn die Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik in München und der Lehrstuhl für Alte Geschichte in Düsseldorf zu seinem 80. Geburtstag geehrt hatten.

Während der langen Zeit seines Wirkens in Düsseldorf hat Dietmar Kienast zahlreiche akademische Schüler gewinnen können. Er hat dem Lehrstuhl durch den Aufbau einer Münzsammlung (mit Gipsen kleinasiatischer Münzen) und durch seine alle Themen der Alten Geschichte erfassenden Wirksamkeit in Forschung und Lehre ein weit über Düsseldorf hinaus ausstrahlendes Profil gegeben.

 

Ehemalige Lehrstuhlinhaber