II: NEUERE GESCHICHTE

Christoph Roolf, M.A.

Christoph Roolf, M.A.

Postanschrift
Heinrich-Heine-Universität
Historisches Seminar II
Lehrstuhl für Neuere Geschichte
Universitätsstraße 1
D-40225 Düsseldorf

Erreichbarkeit

Email: Christoph Roolf, M.A.

 

 

 

Vita

  • geb. 1972 in Hameln
  • Abitur am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Hilden 1991
  • Studium der Fächer Neuere Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf von Oktober 1992 bis Juli 1999
  • Magisterarbeit zum Thema „Die Deportationen belgischer Arbeiter nach Deutschland 1916/17“
  • 1991 bis 1998 Tätigkeit als freier Journalist bei der Tageszeitung "Rheinische Post" (Lokalredaktionen) während des Studiums
  • Gründer und Mitveranstalter der Absolventeninitiative „Düsseldorfer Geschichtsabsolventenkongreß“ 1999 und 2000 (siehe http://www-public.rz.uni-duesseldorf.de/~roolf und http://www-public.rz.uni-duesseldorf.de/~gerharth)
  • Von Juni 2000 bis Herbst 2002 Erarbeitung einer Monographie über das Thema Zwangsarbeit in Neuss während des Zweiten Weltkrieges (erschienen 2005) im Auftrag der Stadt Neuss
  • Dann Dissertation an der Düsseldorfer Universität zum Thema "Deutsche Besatzungspolitik in Belgien 1914 bis 1918" (nun vor der Fertigstellung) (Betreuer: Prof. Dr. Gerd Krumeich, Historisches Seminar II), zwischen 2002 und 2004 als "Fellow of the Düsseldorf Entrepreneurs Foundation"
  • Seit 2005 als freiberuflicher Historiker (u.a. für den Kreisverband Düsseldorf der Arbeiterwohlfahrt und die Hugo-Preuß-Gesellschaft) und Lektor/Korrektor (u.a. für die Humboldt-Universität Berlin, die Université du Luxembourg, die Technische Universität Wien und die Hugo-Preuß-Gesellschaft) tätig.



Auszeichnungen

Citoyen d'Honneur der Stadt Bernissart in Belgien (Provinz Hainaut), verliehen am 18. Februar 2006 in Bernissart durch den Bürgermeister der Stadt, Freddy Wattiez

Prädikat "most downloaded" - Artikel des Jahrgangs 27/2004 der Zeitschrift "Berichte zur Wissenschaftsgeschichte. Organ der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte" (für den Aufsatz "Dinosaurier-Skelette als Kriegsziel", S. 5-26)

Mitgliedschaften

Arbeitskreis Geschichte der Geowissenschaften der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (seit 2010)

Arbeitskreis Militärgeschichte (seit 2001)

 


Liste der Publikationen



Dissertationsvorhaben: Deutsche Besatzungspolitik in Belgien im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918)

Mit dem Dissertationsprojekt wird ein Thema bearbeitet, das von der historischen Forschung weitgehend vernachlässigt worden ist. Deutsche Besatzungspolitik im Ersten Weltkrieg wird gemeinhin wahrgenommen als ein Randphänomen der Geschichte des Ersten Weltkrieges. Trotz der vorgelegten, wertvollen Arbeiten im Gefolge der „Fischer-Kontroverse“ (bis in die 80er Jahre) und im Zuge der mentalitäts- und kulturgeschichtlichen Weltkriegsforschung (seit den 90er Jahren) ist festzuhalten, daß bis zur Gegenwart keine Gesamtdarstellung des Themas vorgelegt worden ist. Dies gilt erstens besonders für die Institutionen und Organisation der deutschen Besatzungsherrschaft, die systematisch bislang nicht untersucht worden ist; und zweitens wissen wir noch erstaunlich wenig über das Besatzungspersonal und damit das Innenleben der deutschen Besatzungspolitik.

Bis 1918 wurden in großen Teilen West- und Osteuropas nach der militärischen Besetzung deutsche Zivil- und Militärverwaltungen etabliert. Am frühesten und längsten besetzt war dabei mit über vier Jahren Belgien, so daß der Planung und Praxis der deutschen Besatzungsbehörden hier ein besonders großer Spielraum zukam und ihre Auswirkungen dort besonders ergiebig zu studieren sind. Das deutsche Vorgehen in Belgien ist dazu als Modell für die Konzeption und Praxis künftiger Besatzungspolitik anzusehen. Dies sind die Gründe, warum der Erste Weltkrieg auch als ein Krieg der Besatzungspolitiker erkannt und historiographisch untersucht werden sollte. Aus diesem Kontext ergibt sich die Zielsetzung des Dissertationsprojektes, in systematischer Absicht die Geschichte der deutschen Besatzungspolitik in Belgien zu schreiben. Es ist das wissenschaftliche Anliegen der Dissertation, mit einer Kombination von methodischen Zugängen der Politik-, Sozial-, Mentalitäts- und Wissenschaftsgeschichte das Ziel der Arbeit zu erreichen.

Die These, daß die deutsche Besatzungspolitik in Belgien im Ersten Weltkrieg vielfältigen und konkurrierenden Entstehungs- und Handlungsbedingungen unterworfen war, bestimmt die Vorgehensweise der Arbeit. Es bestand eben kein klar umrissener „Masterplan“ über Form und Ziele der Besatzungspolitik. Konkurrierende Zielsetzungen von kurz- und langfristiger Reichweite, zahlreiche Optionen bei der Mittelauswahl zur Durchsetzung dieser Ziele und der militärische Kriegsverlauf sowie die deutsche innen- und außenpolitische Entwicklung während des Ersten Weltkrieges bestimmten die deutsche Besatzungspolitik gegenüber einer hochdifferenzierten Industriegesellschaft und einer multinationalen Staatsnation. Wesentliche Bedeutung als Handlungsleitlinie hatten die parallel verfolgten und um Hegemonie streitenden Hauptziele deutscher Besatzungspolitik: Kurzfristig sollte aus dem besetzten Belgien das höchstmögliche Maß an Kontributionen, Rohstoffen, Maschinen, Nahrungsmitteln und Arbeitskräften für die deutsche militärische und wirtschaftliche Kriegsführung herausgeholt werden. Langfristig war Belgien die Rolle eines durch die deutschen Besatzungsbehörden staatlich, wirtschaftlich, gesellschaftlich und ethnisch umstrukturierten, gleichwohl politisch machtlosen Vasallenstaates in einem mitteleuropäischen Wirtschaftsraum unter deutscher Führung zugedacht.

Die Arbeit gliedert sich in thematische Abschnitte, innerhalb derer dann chronologisch vorgegangen wird und die mit Hilfe von drei methodischen Zugängen („Politik- und Strukturgeschichte“; „Besatzungspersonal und Mentalität“; „Kultur, Wissenschaft und die ‚Konstruktion’ von Besatzungspolitik“) erschlossen werden.

Durch die erstmalige Rekonstruktion der rund 800 Personen umfassenden Gruppe des deutschen Besatzungspersonals in Belgien konnten zahlreiche bisher unbeachtete Quellenbestände, besonders Nachlässe in deutschen Archiven, aufgefunden werden. Das Dissertationsprojekt stützt sich so auf eine breite Grundlage verschiedener und bisher nur unzureichend genutzter Quellenarten. Zu den einzelnen Quellenarten zählen zunächst die als Ersatzüberlieferung für die fast komplett zerstörten Akten der Besatzungsbehörden dienenden Akten der Reichsbehörden und der Einzelstaaten in den Bundesarchiv-Abteilungen in Berlin, Koblenz und Freiburg, im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin sowie in den Staatsarchiven in Berlin-Dahlem und München. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Quellenbeständen zu völlig unerforschten Politikfeldern (z.B. Besatzungspolitik auf regionaler und lokaler Ebene, Ernährungspolitik, Kulturgutraubpläne). Zusätzlich werden die erhaltenen Akten einzelner militärischer Dienststellen, die Restakten der Besatzungsbehörden und Bestände aus Staats-, Wissenschafts- und Stadtarchiven herangezogen. Sie bieten einen dichten und differenzierten Blick auf das Innenleben der deutschen Besatzungsherrschaft in Belgien, während die Akten der Reichsbehörden vor allem den äußeren Gang der Besatzungspolitik und ihre Organisations- und Institutionengeschichte abdecken. Eine ganz zentrale Quelle stellen dazu eine Fülle von Nachlässen vorwiegend von deutschen Besatzungsbeamten dar. Die dort überlieferten Privat- und Dienstkorrespondenzen, Protokolle, Tagebücher und Restakten bieten wichtige Blicke auf die in der älteren Forschung nur verschwommen zu erkennende Perspektive der Besatzungsbehörden in Belgien und auf das Besatzungshandeln in den Provinzen und Kreisen. Dazu liefern sie wichtige Erkenntnisse zum Besatzungsalltag und zu Mentalität und Kriegserlebnis der deutschen Besatzungsangehörigen. Als ergänzende Quellen stehen dazu Memoiren und biographische Lexika zur Verfügung. Für die Analyse der kulturellen Wahrnehmung Belgiens durch Publizistik und Wissenschaft werden neben Sekundärliteratur und den genannten Behördenakten und Nachlässen vor allem die zeitgenössische Belgien-Literatur und zahlreiche zeitgenössische Zeitschriften ausgewertet.

Aktuelle Publikationen

Les Iguanodons de Bernissart comme objectif de guerre
Les Iguanodons de Bernissart comme objectif de guerre, Bernissart (2006).
Zwangsarbeit in Neuss
Zwangsarbeit in Neuss im Zweiten Weltkrieg, Neuss (2005).