II: NEUERE GESCHICHTE

„Dimension und Auswirkungen der alliierten ‚Feindpropaganda’ im und nach dem Ersten Weltkrieg“

 

 

Im Ersten Weltkrieg lagen die deutschen Soldaten an der Westfront nicht nur im Trommelfeuer der Geschütze, sondern sie wurden auch mit einem Sperrfeuer von Propaganda in Form von Flugblättern und anderen Flugschriften eingedeckt. Diese Waffen der psychologischen Kriegsführung kamen im Ersten Weltkrieg, besonders im Jahr 1918, zum ersten Mal in massivster Form zum Einsatz. Sie waren Teil des „Krieges der Worte“ der zu einem der Merkmale wurde, die den Ersten Weltkrieg als ersten wirklich industrialisierten Krieg kennzeichnen. Denn nicht nur das Massensterben in den Materialschlachten war von noch nicht da gewesener Dimension, sondern auch die Versuche der gezielten Demoralisierung des Gegners an der Front und in der Heimat.

 

Die Frontpropaganda der Alliierten wurde von den deutschen Befehlshabern als sehr bedrohlich angesehen, allerdings gelang es ihnen nicht, wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen. Nach dem Krieg wurde dann die so genannte „Feindpropaganda“ in vielen Veröffentlichungen immer wieder thematisiert und mit dem „Verrat“ der Sozialdemokraten verbunden. Die damit einhergehende Unterstellung, der „Dolchstoß“, sei vor allem durch die britische Propaganda gefördert worden, ist ein selten beachteter Aspekt der „Dolchstoßlegende“ und soll in dem Dissertationsprojekt einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Das Ausmaß und die Organisation der feindlichen Beeinflussungsversuche im Ersten Weltkrieg werden dabei ebenso untersucht, wie die Abwehrversuche des deutschen Militärs. Der Schwerpunkt der Untersuchung soll aber auf der Rezeption der Propaganda im Deutschland der Weimarer Republik und des Dritten Reiches liegen. Es wird gezeigt werden, wie man in Deutschland die Wirkung der feindlichen Flugblätter im und nach dem Krieg interpretierte. Diesen Interpretationen folgte dann eine Instrumentalisierung der alliierten Flugblattpropaganda, mit der versucht wurde, die Sozialdemokratie und die ehemaligen (und zukünftigen) Kriegsgegner zu diskreditieren. So wurde schließlich Propaganda mit der „Feindpropaganda“ betrieben.