II: NEUERE GESCHICHTE

Dissertationsprojekt „Die freiwillige konfessionelle Kriegsverwundetenfürsorge in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert“

 

Die Arbeit nähert sich dem Thema Kriegsverwundetenfürsorge aus unterschiedlichen Perspektiven. Zuerst müssen quasi als struktureller Rahmen die administrativen Voraussetzungen von Seiten des Militärsanitätswesens der deutschen Staaten vorgestellt werden, um die Rolle und Bedeutung der freiwilligen Verwundetenpflege bewerten zu können. Von existentieller Bedeutung für die konfessionelle Krankenpflege ist die Entwicklung des katholischen Ordenswesens sowie das Entstehen der evangelischen Diakonissenmutterhäuser in der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie die interkonfessionelle Konkurrenz im noch weitgehend von religiösen Weltbildern geprägten 19. Jahrhundert. Ebenso sind die ersten weltlichen Initiativen zur Verbesserung des Militärsanitätswesens bzw. zum Einsatz freiwilliger Krankenpfleger von Florence Nightingale und Henry Dunant von Interesse. Die konkreten Arbeitsbedingungen für die freiwilligen Helfer sollen anhand der Einsätze in den deutschen Einigungskriegen von 1864 bis 1871 dargestellt werden. Dabei werden pflegegeschichtliche und Ausbildungsfragen behandelt und insbesondere die persönlichen Erfahrungen des Pflegepersonals erörtert. Die jüngste Ergebnisse der Genderforschung haben gezeigt, dass es auch beim Thema „Krieg und Frieden“ immer um Aushandlungsprozesse der Geschlechterordnung bzw. der jeweils gültigen Vorstellungen von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit", verbunden mit den dazugehörigen Handlungsoptionen geht. Daher sind die Einsätze der überwiegend weiblichen freiwilligen Krankenpfleger auch unter dem Aspekt der Geschlechtergeschichte zu untersuchen. Die Militarisierung Deutschlands insbesondere im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts griff selbstverständlich auch auf die Organe der freiwilligen Verwundetenpflege über und kann schon als administrative Vorbereitung des 1. Weltkrieges auf dem Gebiet des Militärsanitätswesens gedeutet werden.

 

Die maßgeblichen Quellen befinden sich im Archiv der Fliedner Kulturstiftung Kaiserswerth und in den Archiven weiterer evangelischer und katholischer Mutterhäuser. Dazu gehören der offizielle Schriftwechsel der Anstaltsleitungen mit staatlichen und militärischen Stellen ebenso wie die zahlreichen Berichte der Schwestern von ihrem Einsatz in den Lazaretten. Diese bisher kaum ausgewerteten Quellen sind um so bedeutsamer, als die staatliche Gegenüberlieferung im 2. Weltkrieg fast vollständig vernichtet wurde. Lediglich in einigen Landesarchiven finden sich vereinzelt Quellen zur Entstehungsgeschichte der freiwilligen Kriegsverwundetenfürsorge und zum Militärsanitätswesen.