Soldatenbilder 1914–1945
Kontinuität und Wandel des Soldatenbildes in der öffentlichen Darstellung in Deutschland
Die Studierenden des Projektseminars "Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg - Ausstellung" laden alle Interessierten sehr herzlich zur feierlichen Eröffnung ihrer Ausstellung "Soldatenbilder 1914-1945. Kontinuität und Wandel in der öffentlichen Darstellung des Soldaten in Deutschland" ein:
Der Geschäftsführer des Historischen Seminars der Heinrich-Heine-Universität - Prof. Dr. Achim Landwehr - wird die Ausstellung am Mittwoch, den 4. März um 14.00 Uhr im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek mit einem Grußwort eröffnen. Im Anschluß werden die Studierenden ihr Ausstellungskonzept und ihre Exponate kurz präsentieren.

- (von l.) Nils Löffelbein, Milan Grigull, Steffen Hochbach, Judith Sticker, Lena Küçük, Uta Gremm, Patrick Mebus, Anke Hoffstadt, Bojan Radoja, Albina Geniberg, Christian Sperling, Joana Bollen; es fehlt Meike Mertens.
Die Ausstellung Soldatenbilder 1914–1945 will sichtbar machen, welche Traditionen und Transformationen die Entwicklung des deutschen Soldatenbildes in der Zeit von 1914 bis 1945 aufweist.
Gleichsam als thematischer Impulsgeber wie als zeitlicher Startschuss für die dreiwöchige Ausstellung (4. bis 24. März) fungiert die Internationale Tagung „Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg“, die vom 5. bis zum 7. März 2009 in der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Düsseldorf stattfindet.
Inspiriert durch den inhaltlichen Dreisprung des Symposiums – 1. Mentale Mobilmachung, 2. Tradition und Transformation, 3. Totalisierung der Gewalt – widmet sich die ULB-Schau einem ausgewählten Teilaspekt der Tagung: dem Soldatenbild.
Fünf Arbeitsgruppen widmeten sich der Konzeption einer anschaulichen Darstellung der Soldatenbild-Entwicklung: von der Pickelhaube der Kaiserzeit zum Stahlhelm im Dritten Reich. Voneinander zu trennen und zugleich miteinander zu verbinden waren Soldatenbilder des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.
Hier die Abfolge der Ausstellungssektionen – im Laufweg gegen den Uhrzeigersinn.
► Der Ausstellungspart „Vorbilder für die Heimat – Helden und Märtyrer“ zeigt zunächst ein Kontinuum: das von 1914 bis 1945 fortwährende Ideal des heldenhaften Vaterlands-beschützers. Exemplarisch für die kontinuierliche Propaganda von Heldentum sind die Plakate „Hüter des Glückes“ (1918) und „NSDAP sichert die Volksgemeinschaft (1933).
Ein Wandel vollzieht sich hingegen bei den Heldenattributen: Vom ehrenvollen Krieger des Ersten Weltkriegs hebt sich dann der heroische Märtyrer der NS-Zeit als Heldentypus deutlich ab. Visualisiert wird diese unterschiedliche Heroisierung durch zwei Collagen: einerseits durch Manfred von Richthofen und Otto Weddingen als heldenhafte Figuren des Ersten Weltkriegs, und andererseits durch den SA-Mann Horst Wessel sowie den in Düsseldorf hingerichteten Freikorps-Angehörigen Albert Leo Schlageter als Märtyrerfigur des Nationalsozialismus.
► Worin unterschied sich der Soldat des Ersten Weltkriegs von dem des Zweiten Weltkriegs? Wo führte die Rückbesinnung auf Altbewährtes zu Ähnlichkeiten? Der Ausstellungspart
„Die Entwicklung des Soldatenbildes von Krieg zu Krieg“ war geboren. Anhand zweier Plakate, auf denen ein Soldat des Ersten und des Zweiten Weltkriegs zu Spenden aufrufen, stellen sich interessante Darstellungsparallelen ebenso wie offensichtliche Gegensätze heraus.
► Der Darstellung des positiven Soldatenbildes 1914–1945 soll in der Ausstellung – wenn auch nur als Fingerzeig am Rande – „Das ‚andere’ Gesicht“ des Krieges und des Soldaten entgegen gesetzt werden: denn Kunst und Politik produzieren auch starke Anti-Kriegsbilder; zumindest bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Als Gegenbilder zu den martialischen Exponaten werden hier Motive von Otto Dix, Gert Wollheim oder Ernst Friedrich gezeigt. Nicht von ungefähr wurde Dix’ Kunst im NS als „Entartete Kunst“ diffamiert; jegliche Gegendarstellung zur NS-Propaganda verschwand aus der Öffentlichkeit. Und gerade dieses Fehlen eines 'anderen' Soldatenbildes im NS stützt die These der gesellschaftlichen Militarisierung.
► Überhaupt nahmen kriegerische Stereotype und Symbole in der nationalsozialistischen Propaganda und Selbstinszenierung eine signifikante, tragende Rolle ein. Keineswegs auf die Armee beschränkt, wurde das Kriegerische von der Front in die Heimat übertragen; die Allgegenwart des Kriegerbildes trug dazu bei, Deutschland in eine Gesellschaft von „NS-Kriegern“ zu verwandeln. Ersichtlich wird diese durch zwei Plakate: zum Einen das Bild einer 'arischen Familie', zum Anderen ein Aufmarsch gesichtsloser Arbeiter. Denn die Militarisierung erfasste Alt und Jung, Männer und Frauen, Arbeiter und Akademiker.
► Die Allgegenwart des Kriegerischen und die militärische Durchdringung der Gesellschaft sollen auch zeitgenössische Werbeplakate und -anzeigen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts illustrieren: Präsentiert wird diese Reklame an einer Litfasssäule, die in der Raummitte als Blickfang und als „Insel“ fungiert.
► Eine Definition des Begriffs „Propaganda“ stiftet abschließend ein besseres Verständnis für die Wirkmächtigkeit der Soldatenbilder, die Kriegsbefürworter und -gegner veröffentlicht (propagiert!) haben.
Das Projektseminar „Ausstellung – Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg“ Ein Werkstattbericht
Mitte Oktober begann mit dem Start des Wintersemesters 2008/09 die Grundlagenarbeit zur Ausstellung Soldatenbilder 1914–1945. Im gegebenen Fall, dass elf Studierende der Geschichte mit dem scheinbaren Doppelhandicap 1. noch keine thematischen Experten und 2. im Ausstellungshandwerk unerfahren zu sein, zur Konzeption einer wissenschaftlichen und attraktiven Ausstellung antraten, bildete eine thematische und museologische Einarbeitung den Ausgangspunkt der Projektarbeit.
In viermonatiger Arbeit entstand schließlich eine Ausstellung, die den Themenkomplex „Soldatenbilder 1914–1945“ vor allem visuell zu vermitteln sucht: um ein Publikum zu fesseln, das die ULB zum Großteil nicht mit der Intention eines Ausstellungsbesuchs betritt. Erläuterungen in Textform sind deshalb knapp gehalten und dienen 'nur' als Verständnis-grundlage, die die Bildaussage(n) hervorhebt bzw. unterstreicht. Auf weitere Deutungs-vorgaben zum Bildmaterial verzichtet die Ausstellung bewusst.
Für ihre freundliche Unterstützung des Ausstellungsprojektes DANKT der studentische Elfer-Rat (Joana Bollen, Albina Geniberg, Uta Gremm, Milan Grigull, Steffen Hochbach, Lena Küçük, Patrick Mebus, Meike Mertens, Bojan Radoja, Christian Sperling, Judith Sticker):
seinen geduldigen Vorsitzenden Anke Hoffstadt (M.A.) und Nils Löffelbein (M.A.); Prof. Dr. Gerd Krumeich (Historisches Seminar II der HHUD, Lehrstuhlinhaber); Kurator Dr. Alexander Klar (Emil-Schumacher-Museum Hagen); Carola Spies und der ULBD, Frau Silke Buchkremer der Veranstaltungkoordination der HHU Düsseldorf; Herrn Markus Scheffold von der Firma DG Verpackung GmbH Düsseldorf; Dr. Benedikt Mauer und dem Stadtarchiv Düsseldorf; der Graphischen Sammlung des museum kunst palast (mkp) Düsseldorf; Frau Irina Renz, Frau Renate Uhlmann und Professor Gerhard Hirschfeld von der Bibliothek für Zeitgeschichte (BfZ) Stuttgart; dem Bundesarchiv Berlin.
Text: Lena Küçük
