ABTEILUNG FÜR WIRTSCHAFTSGESCHICHTE

Das Fach: Dialogfähig und Praxisorientiert

 
GRUNDSÄTZLICHE FRAGEN UND PROBLEME

Themen wie Globalisierung und Arbeitslosigkeit, Wachstum und Sozialstaat, Konzerne und Korruption beherrschen heute die Medien. Das sind die Themen der Wirtschaftsgeschichte. Wer sich für die grundsätzlichen Probleme und Fragen unserer heutigen Gesellschaft und deren historische Wurzeln interessiert, ist bei der Abteilung für Wirtschaftsgeschichte gut aufgehoben. Die Probleme, die früher nur im Wirtschaftsteil der Zeitungen zu finden waren, sind heute immer mehr auf die erste Seite gerückt. Es handelt sich dabei um Fragestellungen, die für uns alle direkt oder indirekt, heute oder morgen relevant sein werden. Denn die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte behandelt die Aktivitäten, die den größten Anteil der Lebenszeit der meisten Menschen einnimmt – nämlich die Arbeit, den Konsum, das Sparen und das Investieren. Wir beschäftigen uns also auch mit der fundamentalen Frage: Wie entstand das wirtschaftliche Wachstum, das in den letzten zweihundert Jahren einem Teil der Menschheit ein ungeheures Maß an Wohlstand gebracht hat, und das die Welt in allen Aspekten mehr verändert hat als die kühnsten Phantasten sich je vorstellen konnten. Die Umkehrfrage ist genauso wichtig: Weswegen haben große Teile der Menschheit eigentlich erst relativ spät oder nur sehr wenig von dieser Entwicklung profitiert?

LÄNGS- und QUERSCHNITTE

Fragen wie diese lassen sich nur nach vielen gründlichen Analysen der wirtschaftlichen und historischen Entwicklung der Weltwirtschaft beantworten. Dabei müssen nicht nur die unterschiedlichen Voraussetzungen der Regionen hinsichtlich Bevölkerung und Naturressourcen betrachtet werden, sondern auch die jeweiligen Institutionen in Wirtschaft und Gesellschaft. Es stellt sich auch die Frage, wie z.B. diese Institutionen den Prozess des Wachstums bzw. den der Stagnation beeinflussen. Dabei analysieren wir nicht nur die Rolle von Regierungen, Unternehmen oder Gewerkschaften, sondern auch kulturelle und rechtliche Faktoren. Eine vergleichende Wirtschaftsgeschichte zeigt einerseits vielfältige Unterschiede auf, macht aber auch deutlich, wie die Institutionen eines freien Marktes oder eines funktionierenden Rechtssystems zu ähnlichen wachstumsfördernden Entwicklungen in zeitlich, geographisch und kulturell sehr unterschiedlichen Gesellschaften führen.

INTERDISZIPLINÄR und FOKUSSIERT

Solche komplexen Zusammenhänge können nur interdisziplinär analysiert werden. Deshalb ist die Wirtschaftsgeschichte von ihrem Wesen her so angelegt, dass sie historische und wirtschaftswissenschaftliche Methoden gemeinsam einsetzt und diese öfters durchaus auch mit weiteren sozialwissenschaftlichen Ansätzen verbindet. Studierende, die sich diese Methodenvielfalt aneignen, können nicht nur komplexe historische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme verstehen, sondern diese analytischen Fähigkeiten in vielfältiger Weise auch in anderen Bereichen und für andere Aufgabenstellungen einsetzen.
Die Wirtschaftsgeschichte leistet nicht nur einen Beitrag zur Erklärung der Weltgeschichte der letzten 200 Jahre, sondern trägt auch zu einem besseren Verständnis der heutigen Wirtschaft und Gesellschaft bei. Sie hat aus diesem Grund gewisse Teildisziplinen entwickelt, die sich auf zentrale Institutionen oder Prozesse der industriellen Gesellschaft konzentrieren, wie z.B. die Unternehmensgeschichte, die Bankengeschichte, die Konjunkturgeschichte oder die Geschichte der Weltwirtschaft und Globalisierung.

DER „ Mikrokosmos der Wirtschaft “: UNTERNEHMENSGESCHICHTE

Die Unternehmensgeschichte bildet in der Abteilung für Wirtschaftsgeschichte einen besonderen Schwerpunkt, weil sich am unternehmerischen Beispiel nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische, soziale und kulturelle Phänomene anschaulich abbilden lassen. Gewinnorientierte Unternehmen gelten als ökonomischer Motor der Geschichte. Politische Systeme und ihre Akteure befinden sich in einer elementaren Abhängigkeit von ihren Leistungen und Arbeitsplätzen. Unternehmen stehen in einem ständigen Austausch mit den sie umgebenden Märkten und politischen Systemen. Als Basiseinheiten moderner arbeitsteilig organisierter Gesellschaften stellen sie zugleich soziale Interaktionsfelder dar. Die meisten Menschen stehen als Mitarbeiter oder Konsument tagtäglich mit Unternehmen in Berührung. Sie verbringen in ihnen einen Großteil ihrer Lebensarbeitszeit und sind als Konsumenten auf ihre Güter und Dienstleistungen angewiesen. Nicht nur als Produzenten, Arbeitgeber und Steuerzahler gehören Unternehmen zu den zentralen Bausteine der modernen Welt. Deshalb gebührt ihnen ein besonderes Augenmerk in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre.