Edition "Vergessene Schriftstellerinnen"
Herausgegeben von Henriette Herwig
Band 1: Georg Munk (Paula Judith Buber): Muckensturm. Ein Jahr im Leben einer kleinen Stadt. [1953]. Hrsg. und komm. v. Henriette Herwig und Johannes Waßmer, mit einem Nachwort von Judith Buber Agassi. Berlin/ Münster: LIT, 2008.
Band 2: Georg Munk (Paula Judith Buber): Irregang. Hrsg. v. Henriette Herwig und Johannes Waßmer. Berlin/ Münster: LIT, 2009.
Band 1: Georg Munk (Paula Judith Buber): Muckensturm. Ein Jahr im Leben einer kleinen Stadt

Muckensturm ist ein Zeitroman und ein Polit-Krimi. Er schildert die schleichende Nazifizierung einer deutschen Kleinstadt nach dem Sieg der NSDAP 1933. Geschrieben im Jerusalemer Exil zwischen 1938 und 1940 auf der Basis von Tagebuchnotizen.
Hintergrund sind Erlebnisse Paula Bubers in Heppenheim an der Bergstraße, dem Wohnort der Familie Buber in den Jahren vor der erzwungenen Auswanderung. Mit feinem Gespür für die Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse schildert sie in der Form des Kleinstadt-Romans eine Fülle von lokalen Begebenheiten und Einzelschicksalen unter der beginnenden NS-Diktatur. Der Name der Stadt ist eine Anspielung auf das antisemitische Hetzblatt der Nationalsozialisten „Der Stürmer“. Für diesen Roman findet sie zunächst keinen Verlag – auch in Amerika nicht, wo Thomas Mann sich auf die Bitte Martin Bubers hin um einen Exil-Verlag bemüht.
Die Handlung beginnt mit dem Reichstagsbrand. In der Provinzstadt „Muckensturm“ erfährt man davon durch das Radio. Eine Veränderung des Ortsklimas setzt ein. Braune Fahnen, wo gestern noch rote hingen, ein Hakenkreuz aus Hülsenfrüchten als Schaufensterschmuck, ein im Kreuzstich gesticktes Führerbild, Schulkinder in braunen Uniformen, die Verwandlung des „Gasthofs zum Sternen“ in einen NS-Versammlungsort bei Tag, ein Bordell bei Nacht, Entwicklungen, die anfangs Heiterkeit erzeugen, erweisen sich bald als Vorboten der nahenden Katastrophe. Eine mysteriöse Sprengstoffexplosion aufgrund nächtlicher Waffenverschiebungen, erste, noch ergebnislose Hausdurchsuchungen bei Kommunisten und Juden, der Boykott der jüdischen Geschäfte, Schwierigkeiten mit dem „Arier“-Nachweis auch bei Christen, der plötzliche Tod einer Prostituierten im „Sternen“, Verhaftungen und Verhöre, Unfälle und Gewaltverbrechen zeugen vom Ende der Demokratie.
Band 2: Georg Munk (Paula Judith Buber): Irregang

Irregang (1916) erzählt die Lebensgeschichte einer jungen Florentinerin. Im Kloster erzogen, wird sie früh verführt, verlassen und verstoßen. Als Nobelprostituierte geht sie von Hand zu Hand, bis ein florentinischer Marchese sie als Geliebte aufnimmt. Nach seinem Tod folgt sie seinem Freund, einem deutschen Gelehrten, als Ehefrau nach München. Dabei ersetzt sie immer nur ein Gefängnis durch das andere: die Dachkammer des Bordells durch das adelige Landhaus, dieses durch das bürgerliche Heim, das für sie keines ist. Die soziale Rehabilitation der "Gefallenen" durch Heirat erweist sich als ihr eigentlicher "Irregang".
