In der Literatur gibt es streng genommen nur zwei große Themenkomplexe, in denen alle anderen Themen aufgehoben sind, den Tod und die Liebe. Von der Faszination des Todes und der Liebe eingenommen wird der junge Protagonist Hans Castorp beim Besuch seines kranken Vetters Joachim Ziemßen in einem Lungensanatorium im Hochgebirge, das er erst nach sieben Jahren und nur erzwungenermaßen, den politischen Umständen als Einbruch der Realität (d.i. dem Beginn des ersten Weltkriegs) geschuldet, wieder verlässt. Der Zauberberg erzählt seine Geschichte und zwar als Geschichte des nur mittelmäßig begabten Ingenieurs, der sich zunehmend der ihm bislang weitgehend unbekannten und zutiefst menschlichen Welt sinnlich-körperlicher Genüsse und ihrer magischen Anziehungskraft träumerisch überlässt.
Thomas Mann plante gemäß seiner Selbstaussage in den Anfängen der Entstehung des Zauberbergs „eine Geschichte mit pädagogisch-politischen Grundabsichten, worin ein junger Mensch sich mit der verführerischsten Macht, dem Tode, auseinanderzusetzen hat und auf komisch-schauerliche Art durch die geistigen Gegensätze von Humanität und Romantik, Fortschritt und Reaktion, Gesundheit und Krankheit geführt wird, aber mehr orientierend und der Wissenschaft halber, als entscheidend. Der Geist des Ganzen ist humoristisch-nihilistisch, und eher schwankt die Tendenz nach der Seite der Sympathie mit dem Tode.“ (BrA, 29) Wenn er im Roman selbst sowie in seinen späteren Kommentaren die Aussage „Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken.“ als zentrale Aussage herausstellt, steht diese Selbstdeutung allerdings nicht nur im Widerspruch zu seiner Anfangsplanung, sondern, wie wir sehen werden, auch zu seinem Roman, dem Zauberberg, selbst. Offensichtlich ist also Vorsicht geboten, wenn man dazu ansetzt, Thomas Manns Selbstdeutungen zu vertrauen; das gilt auch für seinen Anspruch, den Zauberberg als klassischen Bildungsromans in der Nachfolge von Goethes Wilhelm Meister zu sehen.
Es gibt also viel Zündstoff und Diskussionspotential! Voraussetzung dafür ist allerdings die genaue Textkenntnis, d.h. bereits mit dem Beginn der vorlesungsfreien Zeit sollten Sie sich regelmäßig der Lektüre des doch sehr umfangreichen, aber fesselnden und wohl erotischsten und humoristischsten Werks Thomas Manns zuwenden und sich den Umfang bis zum Semesterbeginn angemessen aufteilen, bei 8 Wochen ca. 20 Seiten pro Tag! Bitte lesen Sie mit Bleistift, d.h. machen Sie Anmerkungen, streichen Sie sich Textstellen an etc.!
Lessing gilt als einer der wichtigsten Autoren der deutschen Aufklärungsliteratur. Seine Dichtungen werden wegweisend (er begründet z.B. das bürgerliche Trauerspiel) und in der literaturtheoretischen Debatte der Aufklärung setzt er wesentliche Akzente und nimmt Stellung zur zeitgenössischen Philosophie. Lessings Zugang zur Theorie führt immer über das konkrete Beispiel, den konkreten Gegenstand, an den er auch seine Originalität gebunden sieht: „Ich würde so arm, so kalt, so kurzsichtig sein, wenn ich nicht einigermaßen gelernt hätte, fremde Schätze bescheiden zu borgen, an fremdem Feuer mich zu wärmen, und durch die Gläser der Kunst mein Auge zu stärken.“ (Bd. IV, 694f.) Lessings induktives Vorgehen ist dabei durchaus vernunftgeleitet, lässt aber auch unsystematische und assoziative Gedankengänge zu und grenzt sich so bewusst vom spröden dozierend-belehrenden Stil rein theoretischer Abhandlungen ab.
Ausgehend von der Theaterreform Gottscheds und Lessings Positionierung im Literaturstreit zwischen Gottsched und den Schweizern (Bodmer und Breitinger) lesen wir exemplarisch Ausschnitte aus den Abhandlungen der Theatralischen Bibliothek (1754-59), seiner Hamburgischen Dramaturgie (1767-69) und den Briefen über das Trauerspiel (1755-56) an Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai, um uns dann vor diesem Hintergrund seinen Dramen zuzuwenden. Wir beginnen mit einem Beispiel der frühen philosophischen Komödie Die Juden, behandeln sein im 18. Jahrhundert als Sensation gefeiertes tragisches Erstlingswerk und überhaupt erstes bürgerliches Trauerspiel Miss Sara Sampson, sein Lustspiel Minna von Barnhelm sowie die berühmten dramatischen Werke Emilia Galotti und Nathan der Weise.
In wenigen Wochen schreibt der weit über 70jährige Fontane 1895 das Kernstück seines letzten Romans, seines „kleinen politischen Romans“ (Fontane), den er dann in weiteren eineinhalb Jahren mit neuem Material anreichert und, detailliert auf das Zeitgeschehen in Kunst und Politik reagierend, neue Akzente setzt. Der Stechlin erscheint zunächst als Vorabdruck im Herbst 1897, als Buchausgabe dann schon posthum, wenige Wochen nach seinem Tod (20.09.1898); doch die zeitgenössische Würdigung als europäischer Roman, wie für Fontanes Effi Briest, bleibt aus. Erst ein Jahrhundert später erkennt man ihm, nicht zuletzt durch die Würdigung und Wertschätzung durch Thomas Mann, den Rang eines der wichtigsten modernen Romane in deutscher Sprache zu.
Angefangen von einem ‚close reading‘ des Stechlin vertiefen wir an diesem Textbeispiel ausgewählte Theorien und Methoden der Literaturwissenschaft und hinterfragen kritisch Sinn und Nutzen der verschiedenen Herangehensweisen. Wir beginnen mit einem kurzen literaturgeschichtlichen Exkurs in die klassische Hermeneutik und der Erarbeitung der zentralen Begriffe der Erzähltheorie; die Schwerpunkte des Seminars liegen auf den methodischen Ansätzen des Strukturalismus, der Diskursanalyse und der Gender Studies.
Kleist Publikation seiner Erzählungen erfolgt zunächst in zwei Schaffensphasen, dem Abdruck von Jeronimo und Josephe (späterer Titel: Das Erdbeben in Chili) im Morgenblatt für gebildete Stände sowie von Auszügen aus Die Marquise von O.... und Michael Kohlhaas in Kleists eigener Zeitschrift Phöbus (1807/8), und einer zweiten, produktiveren Phase (1810/11) in seinen Berliner Abendblättern (Das Bettelweib von Locarno und Die heilige Cäcilie) sowie in der Zeitschrift Der Freimüthige (Die Verlobung in St. Domingo). In den Berliner Abendblättern veröffentlichte Kleist auch etliche Anekdoten, meist anonym oder unter Pseudonymen. In der zweibändigen Buchpublikation Erzählungen (1810/11) sind neben den genannten, zum Teil stark überarbeiteten und erweiterten Texten Der Findling und Der Zweikampf als Erstveröffentlichungen enthalten. Bei anderen kurzen Texten ist die Gattungszuordnung schwierig: Wegen des theoretischen Reflexionsgehalts werden drei formal sehr heterogene Texte häufig allgemein unter einer Rubrik ‚Kleine Schriften‘ verortet : Über die allmählige Verfertigung der Gedanken beim Reden (zu Kleists Lebzeiten unveröffentlicht) und die in den Berliner Abendblättern publizierten Texte Über das Marionettentheater und Unwahrscheinliche Wahrhaftigkeiten.
Uns erwartet hier inhaltlich wie formal eine bunte Fülle an Praktiken des Schreibens und an nur schwer kategorisierbaren Textsorten, eine Herausforderung, die sich besonders durch die Vielschichtigkeit der Deutungsebenen lohnt, auch für diejenigen, die sich noch nicht mit Kleist auseinandergesetzt haben.
Johann Christoph Gottsched (1700-66) schrieb mit seinem Versuch einer Critischen Dichtkunst das seinerzeit maßgebliche und grundlegende Werk zur Poetik. Als praeceptor germaniae (‚literarischer Gesetzgeber‘) kam Gottsched mit seiner Poetik (die der Wahrscheinlichkeit verpflichtet ist und in der Rezeption auf eine klassische Regelpoetik beschränkt wurde) zunehmend aus der Mode, nicht zuletzt durch die Auseinandersetzung mit den Schweizern Bodmer und Breitinger, die für eine Öffnung zugunsten des Wunderbaren plädierten.
Marie Louise Gottsched, geb. Kumulus, (1713-62), deren englischsprachige Bibliothek die ihres Mannes an Umfang deutlich überstieg, arbeitete maßgeblich an den Übersetzungen für die von Gottsched herausgegebenen Moralischen Wochenschriften nach englischem Vorbild (Spectator, Guardian) mit sowie an Gottscheds Mustersammlung dramatischer Texte Die deutsche Schaubühne. Bei Gottscheds Critischer Dichtkunst ansetzend beleuchten wir näher und praktisch (unter Verwendung zentraler Begriffe und Verfahren der Dramenanalyse) und exemplarisch (an Gottscheds Sterbendem Cato sowie den Dramen der Gottschedin, angefangen mit der Pietisterey im Fischbeinrocke) Funktionen und Wirkweise der Stücke in ihrem historischen Kontext der Frühaufklärung (international und interdisziplinär) unter besonderer Berücksichtigung der Gender-Thematik.
Wintersemester 2012/13
Wir zeichnen ein Stück weit den Weg von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit nach, eingebettet in den historischen Kontext und in einer lose umrissenen Zeitspanne vom Hohen Mittelalter bis hin zum Barock. Er führt von einer oral- und Gedächtnis-geprägten Kultur hin zur Schriftkultur. Diese Entwicklung soll an literarischen Beispielen, die Schriftlichkeit thematisieren (so z.B. dem Nibelungenlied, Wolframs Parzival, in dem Schriftlichkeit explizit vom Erzähler thematisiert wird oder implizit in Grimmelshausens Simplicissimus) nachgezeichnet werden. Im Zentrum steht dabei auch die Etablierung des Deutschen als Literatursprache, die spätere Vereinheitlichung der deutschen Sprache sowie die Öffnung von Schriftkultur für ein breiteres Publikum. Diese Öffnung wird nicht zuletzt durch die neue veränderte materielle Seite gelenkt, insbesondere durch die Möglichkeit des Buchdrucks ab dem 15. Jahrhundert, die eine stark beschleunigte Verbreitung von Literatur und erhöhte Zugänglichkeit bewirkt und das gesamte literarische Leben einschneidend verändert. Diese Veränderungen schlagen sich auch auf Seiten der Produktivität nieder, die sich im einfallsreichen und komplexen Spiel mit Rahmungen und mit einer großen Vielfalt an (auch nicht-literarischen) Textsorten, vor allem dann in den ersten beiden Dritteln des 18. Jahrhunderts widerspiegelt.
Ausgehend von Aristoteles‘ Poetik sollen zentrale Kategorien, Begriffe und Verfahren der Dramenanalyse näher beleuchtet und praktisch an den Dramen Heinrich von Kleists erprobt bzw. eingeübt werden. Funktionen und Wirkweise der Dramen werden gemeinsam diskutiert.
Ausgehend von Aristoteles‘ Poetik und Gottscheds Critischer Dichtkunst sollen zentrale Kategorien, Begriffe und Verfahren der Dramenanalyse näher beleuchtet und praktisch an den Dramen Johann Christoph Gottscheds und L(o)uise Adelgunde Victorie Gottscheds, geb. Kumulus erprobt bzw. eingeübt werden. Funktionen und Wirkweise der Dramen werden gemeinsam diskutiert – Textbasis: Sterbender Cato und Die Pietisterey im Fischbein-Rocke, Reclam.
Sommersemester 2012
Wir vertiefen ausgewählte Theorien und Methoden der Literaturwissenschaft, wenden diese auf Kleists Prinz Friedrich von Homburg und Michael Kohlhaas an und hinterfragen kritisch Sinn und Nutzen der verschiedenen Herangehensweisen. Angefangen von einem ‚close reading‘ und einem literaturgeschichtlichen Blick auf die klassische Hermeneutik werden die Schwerpunkte des Seminars auf den methodischen Ansätzen des Strukturalismus, der Intertextualität und der Gender Studies liegen.
Textgrundlage des Seminars sind die beiden Reclam-Ausgaben sowie die entsprechenden Erläuterungen und Dokumente. Vorausgesetzt werden die Textkenntnis der beiden Werke (bereits zu Beginn des Seminars), die Lektüre der Erläuterungen und Dokumente sowie die vorbereitende Lektüre anderer im Semesterapparat eingestellter und dort abrufbarer Theorie- und Sekundärtexte entsprechend des Seminarplans/-verlaufs zu den einzelnen Sitzungen und eine aktive Teilnahme.
Wir vertiefen ausgewählte Theorien und Methoden der Literaturwissenschaft, wenden diese auf Thomas Manns Mario und der Zauberer (ggfs. und nach Wunsch auch auf andere Werke TMs) an und hinterfragen kritisch Sinn und Nutzen der verschiedenen Herangehensweisen. Angefangen von einem ‚close reading‘ und einem literaturgeschichtlichen Blick auf die klassische Hermeneutik werden die Schwerpunkte des Seminars auf den methodischen Ansätzen des Strukturalismus,der Intertextualität sowie der Gender Studies liegen.
Textgrundlage des Seminars ist die Fischer-Taschenbuch-Ausgabe sowie die entsprechenden Erläuterungen und Dokumente von Reclam. Vorausgesetzt wird die Textkenntnis (bereits zu Beginn des Seminars), die Lektüre der Erläuterungen und Dokumente sowie die vorbereitende Lektüre anderer im Semesterapparat eingestellter und dort abrufbarer Theorie- und Sekundärtexte entsprechend des Seminarplans/-verlaufs zu den einzelnen Sitzungen und eine aktive Teilnahme.
Wintersemester 2011/12
An Beispielen aus dem Werk Franz Kafkas vertiefen ausgewählte Methoden der Literaturwissenschaft und wenden diese an. Angefangen von textimmanenten Verfahren wie der klassischen Hermeneutik und des ‚close reading‘ werden die Schwerpunkte des Seminars auf den methodischen Ansätzen der Intertextualität, der Psychoanalyse und der Gender Studies liegen. Ausgewählte Prosa Kafkas, insbesondere das Urteil, bildet die Textgrundlage des Seminars. Die Textkenntnis der beiden Reclam-Bände Das Urteil und andere Prosa (bereits zu Beginn des Seminars) sowie Kafkas >Urteil< und die Literaturtheorie (beide zur Anschaffung empfohlen) sowie anderer im Semesterapparat eingestellter und dort abrufbarer Theorie- und Sekundärtexte (vorbereitende Lektüre entsprechend des Seminarplans und -verlaufs zu den einzelnen Sitzungen) und eine aktive Teilnahme am Seminar werden vorausgesetzt.
Sommersemster 2011
An Beispielen aus dem Werk Hermann Hesses wenden wir ausgewählte Methoden der Literaturwissenschaft praktisch an. Vertieft werden zunächst textimmanente Verfahren wie die klassische Hermeneutik und das ‚close reading‘. Schwerpunkte bilden dann die methodischen Ansätze der Psychoanalyse und der Intertextualität. Die Textkenntnis der Primärliteratur Demian und Der Steppenwolf wird bereits zu Beginn des Seminars vorausgesetzt!
Wintersemester 2010/11
Ziel des Seminars ist es, theoretische Kenntnisse ausgewählter Methoden der Literaturwissenschaft zu vertiefen. Die praktische Anwendung erfolgt an Beispielen aus dem Werk Theodor Fontanes. Schwerpunkte bilden die methodischen Ansätze der klassischen Hermeneutik, der Psychoanalyse und der Intertextualität. Anhand einer intensiven Textlektüre werden die Anwendung der Methoden und entsprechende Fertigkeiten eingeübt.