Können Sie herausfinden, um wen es sich handelt?
Die hier gesuchte Schriftstellerin entstammte einer wohlhabenden intellektuellen Familie und war verwandt und bekannt mit den Geistesgrößen des viktorianischen Zeitalters. Eine psychisch belastende Kindheit hatte zur Folge, dass sie ihr Leben lang immer wieder von seelischen Zusammenbrüchen erschüttert wurde.
Ihre schriftstellerische Karriere begann relativ spät, am Ende der 20er Jahre war sie jedoch eine berühmte Autorin und wurde zur Kultfigur der neuen Frauenbewegung. Der Unterschied zwischen Mann und Frau war das offen dargelegte oder verborgene Thema ihrer Vorträge und Bücher. In ihrem berühmten, biographisch geprägten Roman, der viel später verfilmt wurde, überwand sie diese Geschlechterdifferenz durch die Erschaffung eines multiplen Ich.
Ihr Werk, das aus Romanen, Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen besteht, experimentiert mit neuen Darstellungstechniken und wendet sich dem modernen Leben in seiner wandelbaren Widersprüchlichkeit zu. Sie empfand die Wirklichkeit des Lebens stets als etwas "höchst Unstetes, höchst Unverlässliches".
Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie einen Verlag, der neben modernistischer Literatur wie die Kurzprosa der befreundeten Katherine Mansfield auch die Werke Freuds auf Englisch herausbrachte.
Schreiben war für sie lebensnotwendig. Als sie ihre Verzweiflung auch durch die Sprache nicht mehr bannen konnte, tötete sie sich im Alter von 59 Jahren.
Wie ist der Name dieser bedeutenden Schriftstellerin, Kritikerin und feministischen Denkerin der Moderne?
(Text: Kerstin Glasow)
"Had I lived the life that the state planned for me from the beginning I would have lived and died in somebody else's kitchen, on somebody else's land, and never written a word."
Als Chloe A. Wofford erblickt sie im Amerika der Depressionszeit das Licht der Welt. Weiblich, schwarz und als ein Arbeiterkind droht ihr das gleiche Schicksal wie vielen afroamerikanischen Frauen, die sich als Dienst- und Kindermädchen in weißen Haushalten verdingen.
Doch die Eltern lehren ihre vier Kinder, stolz auf Herkunft und Hautfarbe zu sein. Sie pflegen die alten Traditionen der Überlieferung von Geistergeschichten, Ghospels und Predigten, die später Chloes dichterische Arbeit nachhaltig beeinflussen werden, indem sie historische und übernatürliche Aspekte zu ihrem "magischen Realismus'' verwebt. Zwischen der Liebe zum Tanz und zur Literatur hin- und hergerissen, entscheidet sie sich schließlich für die akademische Laufbahn der Literaturwissenschaft, lehrt an verschiedenen Hochschulen, heiratet einen jamaikanischen Architekten und wird Mutter zweier Söhne. Doch die Beziehung engt sie ein und wird schließlich 1964 geschieden.
Während dieser schwierigen Lebensphase, sie ist bereits über dreißig, beginnt sie mit dem Schreiben - ein Akt der Befreiung.
In diese Zeit fällt auch die Emanzipationsbewegung der schwarzen Amerikaner. Gewaltlose Protestmärsche und Demonstrationen, angeführt von Martin Luther King jr., bewegen das Land und lassen viele von einem gleichberechtigten Status träumen. Doch den friedfertigen Bemühungen wird mit Hass und brutaler Gewalt entgegnet. Attentate auf Dr. King, Malcom X, Robert Kennedy sowie auf unzählige Bürgerrechtler und schwarze Gemeinden sabotieren jede Hoffnung.
Die Erfahrungen jener Tage fließen in Chloes drittes Werk ein, nachdem ihr Debütroman, der 1969 erscheint, für einen Erstling außergewöhnlich gute Kritiken erhalten hat. Sie arbeitet nun in einem angesehenen Verlagshaus und veröffentlicht viele bekannte afroamerikanische Persönlichkeiten, darunter Muhammed Ali, Andrew Young und Angela Davis. 1987 erscheint schließlich ihr renommiertestes Werk, für das sie den Pulitzerpreis sowie eine weitere zentrale Auszeichnung erhält.
Über den - auch kommerziellen - Erfolg, ist sie selbst am meisten erstaunt: "I thougt this has got to be the least read of all the books I'd written because it is about something that the characters don't want to remember, I don't want to remember, black people don't want to remember, white people don't want to remember. I mean, it's national amnesia."
Das Buch, das mit Amerikas bekanntester Talkshow-Moderatorin verfilmt wird, basiert auf der historischen Figur der Margaret Garner, eine Sklavin, die 1851 mit ihren Kindern in den Norden flieht, schließlich aber von ihrem ‚Besitzer' aufgespürt wird und beschließt, lieber ihre Kinder zu töten, als sie noch einmal der Leibeigenschaft preiszugeben. Chloes Image als "Gewissen Amerikas" wird gefestigt. Den hohen Anspruch, den weiße und schwarze Amerikaner mittlerweile an sie erheben, formuliert sie selbst einmal so:
"Tell us what it is to be a woman so that we may know what it is to be a man. What moves at the margin. What it is to have no home in this place. To be set adrift from the one you knew. What it is to live at the edge of towns that cannot bear your company."
(Text: Annette Nathanielsz)
Sie war eine bekannte Persönlichkeit der wilhelminischen Ära. 1843 geboren, von adliger Herkunft, erhielt sie eine standesgemäße, strenge Erziehung. In ihrem Elternhaus und an europäischen Höfen hatte sie Kontakt mit namhaften Wissenschaftlern und Künstlern. So erhielt sie in St. Petersburg Klavierstunden bei Clara Schumann und Anton Rubinstein. Nach ihrer Hochzeit 1856 folgte sie ihrem Mann, einem Hohenzollernprinzen, in das von ihm regierte Donaufürstentum. Die vielseitig begabte Prinzessin begann nach dem Tod ihres einzigen Kindes in der Dichtkunst Trost und Ablenkung zu finden.
Mittlerweile zur Königin des südosteuropäischen Landes gekrönt, entfaltete sie dichterische und musische Tätigkeiten, begeisterte sich für die Schönheiten und die Kultur ihres Landes. So waren ihre ersten Veröffentlichungen Übersetzungen landestypischer Literatur ins Deutsche. Die ersten selbstständigen Werke waren Versnovellen, die unter dem Titel Stürme erschienen. In Zusammenarbeit mit ihrer Hofdame veröffentlichte sie unter dem Pseudonym "Dito und Idem" Briefromane, eine Reihe von Novellen und Dramen. Die Dichterin sah sich als Vermittlerin zwischen den Völkern. Ihre 1882 erschienenen Aphorismen Les pensées d'une Reine trugen ihr den Preis der Academie Française ein.
Sie war eine unermüdliche und phantasievolle Dichterin und veröffentlichte rund 50 Werke der unterschiedlichsten Gattungen. Beeinflußt von den Romantikern war die schlichte Form des Volksliedes ihr ein Vorbild für die eigene "Butzenscheibenlyrik". Nicht zuletzt aufgrund ihrer Position war die gesuchte Schriftstellerin unkritisch gegenüber sich selbst und ihrer künstlerischen Leistung. Das Interesse, welches die Öffentlichkeit dem Phänomen der "Dichterkönigin" entgegenbrachte, verstand sie als Bestätigung ihrer künstlerischen Arbeit. Dabei war die Qualität ihrer Dichtungen mäßig und von epigonenhaftem Charakter. Die hohen Auflagen ihrer Bücher, ihre Übersetzungen in verschiedene Sprachen und die zahlreichen Ehrungen entsprangen wohl kaum einer Anerkennung als Künstlerin. Sie resultierten aus einem zeitbedingten Interesse breiter Bevölkerungskreise an der exzentrischen Königin als schillernde Vertreterin des Hochadels.
Ihr Scheitern als Künstlerin und Dichterin mindert jedoch nicht ihre Erfolge als kulturpolitische Vermittlerin zwischen den Völkern. Als Künstlerin dilettantisch und konventionell war sie als Königin in ihrem sozialen Engagement beispielhaft und in ihrem Rollenverständnis als Frau ihrer Zeit in mancher Hinsicht voraus.
1916 starb die von ihrem Volk hochverehrte Königin. Heute ist sie in Vergessenheit geraten, anders als ihre Freundin Elisabeth von Österreich (Sissi), die sich die gesuchte Dichterin als künstlerisches Vorbild nahm.
(Text: Karin Dreier)

Bei der gesuchten Person handelt es sich um die englische Schriftstellerin Virginia (Adeline) Woolf geb. Stephen, die am 25.1.1882 in London geboren wurde und sich am 28.3.1941 bei Lewes (East Sussex) in der Ouse ertränkte.
Ihre Kindheit war zwar geistig anregend, aber psychisch belastend durch den frühen Tod der Mutter, den fordernd-fördernden Unterricht durch den Vater, der ihr den Besuch von Schule und Universität verbot, vor allem aber durch den jahrelangen sexuellen Missbrauch durch ihre Halbbrüder.
Bei dem Roman, in dem Virginia Woolf die Geschlechterdifferenz überwindet und der die Parodie einer Biographie darstellt, handelt es sich um "Orlando" (1928). Orlando wird im Laufe seines jahrhundertelangen Lebens vom elisabethanischen Edelmann wundersam zur modernen jungen Frau, die ihr ich ständig wechselt. Weitere wichtige Werke der Autorin sind der Essay "A Room of One`s Own" (1929), der feministische Anliegen skizziert, sowie die Romane "Mrs Dalloway" (1925) und "To the Lighthouse" (1927).
Als Mitglied der "Bloomsbury Group" gehörte Virginia Woolf einer intellektuellen Elite mit einer antipatriotischen, antinationalistischen, kosmopolitischen und antiautoritären politischen Haltung an. Der 1917 von ihr und ihrem Mann Leonard Woolf, der bis zu seinem Tod ihr literarisches Erbe verwaltete, gegründete Verlag war unter dem Namen "Hogarth Press" bekannt.
(Text: Kerstin Glasow)

Toni Morrison wird am 18. Februar 1931 in Lorain, Ohio als Chloe Anthony Wofford geboren. Ihren Vornamen ändert sie während ihrer Studienzeit auf der Howard Universität in die Kurzform von Anthony, da die Kommilitonen Schwierigkeiten mit der Aussprache ihres Rufnamens haben. Ihre Eltern waren Einwanderer aus dem Süden, die in den Norden zogen, um ihre Kinder in einer nicht-rassistischen Umgebung aufwachsen zu lassen. Doch es zeigt sich bald, dass die Immigranten, mit denen sie zusammenleben, ihre Integration in die amerikanische Gesellschaft durch die gemeinsame Ächtung der Schwarzen erkaufen. So wird schon in frühester Kindheit Morrisons Gespür für diskriminierende Belange geschärft.
Während ihrer Lehrtätigkeit auf einer der Universitäten lernt sie ihren Ehemann, Harold Morrison kennen, mit dem sie zwei Söhne bekommt, Harold Ford und Slade Kevin, die sie nach der Scheidung als alleinstehende, berufstätige und schriftstellerisch ambitionierte Mutter aufzieht. Zwischen 1964 und 1983 arbeitet sie im renommierten Verlag Random House in New York als Lektorin, eine Stellung, die sie nutzt, um sich für die Veröffentlichung afroamerikanischer Schriftsteller einzusetzen.
Ihr Debütroman "The Bluest Eye" (1969) ("Sehr blaue Augen"), an dem sie während und nach der schwierigen Scheidungsphase arbeitet, handelt von einem Mädchen, dessen Identifikation mit dem weißen Schönheitsideal - repräsentiert durch Spielzeugpuppen - in einer Katastrophe endet. Ihr drittes Werk, "Solomons Lied", das 1977 nach "Sula" (1973) publiziert wird, thematisiert die bewegte Zeit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und gilt als Morrisons endgültiger Durchbruch als Schriftstellerin. Nach "Tar Baby" (1981) erscheint 1987 ihr bisher bedeutendstes Buch "Beloved" ("Menschenkind"), für das sie 1988 den Pulitzerpreis erhält. 1998 wird der Roman von Jonathan Demme, dem Regisseur von "Das Schweigen der Lämmer" mit dem Hollywood-Schauspieler Danny Glover und der TV-Moderatorin Oprah Winfrey verfilmt, die sich frühzeitig die Rechte an einer Verfilmung gesichert hatte.
In "Menschenkind" zeigt sich sehr eindrucksvoll, wie es der Autorin gelingt, Phantastisches, Geisterglaube, Mystik und realistische Erzählung zu einer magischen Einheit zu verschmelzen.
1992 erscheint ihr Roman "Jazz", der die fiebrige Zeit des "Jazz Age" der zwanziger Jahre auferstehen läßt, gefolgt von ihrem umstrittensten und bisher letzten Werk "Paradies" (1998).
1993 wird Toni Morrison als erster afro-amerikanischer Frau der Literaturnobelpreis zuerkannt.
Seit 1987 unterrichtet die Autorin, neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit, im Fach "Kreatives Schreiben" an der Princeton Universität, New Jersey, wo sie einen Lehrstuhl inne hat.
(Text: Annette Nathanielsz)

Die heute vergessene "Dichterkönigin" veröffentlichte ihre Werke unter dem Namen CARMEN SYLVA. Als Elisabeth Prinzessin zu Wied-Neuwied wurde sie am 29.12.1843 in Neuwied am Rhein geboren. Ihr Vater, Fürst Hermann, setzte die liberale und musische Tradition des Fürstenhauses fort. Dichter, Gelehrte und Künstler waren bei ihm zu Gast. Er selbst veröffentlichte unter Pseudonym zwei vom Mesmerismus und Okkultismus beeinflußte philosophische Werke.
Die Kindheit der lebhaften und phantasiebegabten Prinzessin Elisabeth war überschattet von ihrer strengen Erziehung und den schweren Krankheiten ihrer Eltern und ihres jüngeren Bruders. Um ständig unter ärztlicher Kontrolle zu sein, wohnte die Familie 1851 bis 1853 in Bonn. Die Mutter führte dort einen Salon, in dem unter anderem Ernst Moritz Arndt und Clara Schumann verkehrten. Elisabeth erlebte in Bonn den Abglanz der Biedermeierzeit, eine Erfahrung, die ihr Leben prägen sollte.
Bei der Erziehung der Prinzessin wurde besonderer Wert auf Sprachen gelegt. Elisabeth lernte Englisch, Französisch, Latein, Griechisch, Ungarisch, Russisch. Ungewöhnlich waren neben dem üblichen Unterricht in Literatur- und Kunstgeschichte die hohen Anforderungen, die die Eltern in den naturwissenschaftlichen Fächern stellten. Das Lesen von Romanen war ihr verboten. Elisabeth mußte ihr Tagebuch heimlich führen. Die eigentlich fröhliche und lebhafte Prinzessin fühlte sich unverstanden und zog sich häufig in die Wälder um Monrepos, dem Sommersitz der Fürsten, zurück.
Nach ihrer Konfirmation folgte eine Zeit des Reisens. Sie verbrachte ein Jahr in Paris, mehrere Monate am preußischen Hof in Berlin und in Neapel, In St. Petersburg erfuhr sie vom Tod ihres Vaters. 1867 war sie in Paris und 1868 in Schweden. Nach Monrepos zurückgekehrt, plante sie eine Zukunft als Lehrerin. 1869 lernte sie bei einem Brahmskonzert Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, den damaligen Fürsten Carol und späteren König Carol von Rumänien, kennen. Sie heirateten im gleichen Jahr. Das Paar war durch Freundschaft und Achtung, nicht durch Liebe miteinander verbunden.
Elisabeth nahm ihre Aufgabe als Landesmutter ernst. Der Verbesserung des Schul- und Erziehungswesens widmete sie ihre ganze Kraft. Zusammen mit Fürst Carol versuchte sie das damals orientalisch geprägte Land politisch und kulturell an Mittel- und Westeuropa anzuschließen. Für den selbstlosen Einsatz der Fürstin während des Russisch-Türkischen Krieges erhielt sie den Katharinenorden.
Der Tod ihrer Tochter, der Prinzessin Marie, bedeutete für Elisabeth einen großen Verlust, aber auch einen Umschwung in ihrem geistigen Leben. Sie begann an ihr Talent zu glauben und sah sich als Dichterin. Ihre ersten Veröffentlichen waren Übersetzungen von den Gedichten des Rumänen Vasile Alecsandri.
Ab 1981 wurde Königin Elisabeth unter dem Pseudonym CARMEN SYLVA, welches sie sich selbst gegeben hatte, durch ihr literarisches Schaffen bekannt. Die Erklärung für dieses Pseudonym lieferte die Königin in lyrischer Form:
Carmen das Lied und Sylva der Wald.
Von selbst gesungen das Waldlied schallt.
Und wenn ich nicht am Wald geboren wär',
dann säng ich die Lieder schon selbst nicht mehr.
Den Vögeln hab ich sie abgelauscht;
Der Wald hat sie mir zugerauscht,
Vom Herzen tat ich den Schlag dazu,
Mich singen der Wald und das Lied zur Ruh!
1981, zur Zeit ihrer ersten Veröffentlichungen begann die Zusammenarbeit mit MITE KREMNITZ: Carmen Sylva hatte die deutsche Frau eines deutschen Arztes in Bukarest kennengelernt. Mite Kremnitz wurde offizielle Vorleserin der impulsiven Königin. Die gemeinsamen Werke der beiden ungleichen Frauen erschienen unter dem Pseudonym Dito und Idem. Mite Kremnitz stand neuen Literaturauffassungen wie dem Realismus und dem Naturalismus aufgeschlossen gegenüber, Carmen Sylva dagegen verachtete moderne Strömungen in der Literatur und Kunst. Diese Unstimmigkeit und ihre okkultistischen Neigungen führten zum Bruch zwischen den Frauen.
Ein Großteil der Werke Carmen Sylvas erschien zwischen 1881 bis 1892: Gedichtbände, Novellen, Märchen, Romane Essays und Aphorismen. Carmen Sylva machte die rumänische Literatur in Europa bekannt. Ihr Ruhm als "Dichterkönigin" begründete sich vor allem durch ihre aufwendig gestalteten Gedichtbände. Ein Teil der dem Volkslied angelehnten Lyrik wurde von August Bungert vertont. So zum Beispiel der 1884 entstandene Liederzyklus Mein Rhein, den sie in Bukarest aus einem Gefühl des Heimwehs heraus verfaßte.
Carmen Sylva war nicht zuletzt auf Grund ihre Position sehr unkritisch gegenüber sich selbst und anderen. Die Qualität ihrer Werke ließ nach, ihre Neigung zum Okkultismus und ihre unkritische Haltung hatte zur Folge, dass sie sich in eine politische Affäre um ihre Hofdame Helene Vacarescu und den Thronfolger Franz Ferdinand verstrickte, Als Folge dieser Ereignisse wurde sie unter dem Vorwand eines "Nervenleidens" ins Ausland geschickt. Orte der Verbannung (1890-1893) waren Venedig, der Lago Maggiore und das Heim der Mutter in Monrepos. 1893 reiste König Carol nach Monrepos. 1894 kehrten sie nach Bukarest zurück und feierten unter der Anteilnahme des ganzen Volkes ihre silberne Hochzeit.
Die Königin widmete sich vermehrt sozialen, wirtschaftlichen und karitativen Aufgaben. So schuf sie u.a. eine Heimarbeiterindustrie im textilen Bereich. Hierzu führte sie erfolgreich die Seidenraupenzucht in Rumänien ein. Carmen Sylva schuf Bildungseinrichtungen für Frauen und Mädchen und förderte in Bukarest das Frauenstudium. Obwohl sie der Frauenbewegung und den Suffragetten ablehnend gegenüberstand, sah sie für Frauen die Notwendigkeit finanzieller Unabhängigkeit durch eigenes Einkommen. Carmen Sylva war als Künstlerin überspannt und weltfremd, als Königin Elisabeth war sie tatkräftig, unkonventionell und erfolgreich. In einer Zeit der nationalen Pompes und kriegerischer politischer Auseinandersetzungen, setzte sie sich für Frieden zwischen den Völkern und die republikanische Staatsform ein. Dabei vernachlässigte sie nicht ihre literarischen Aktivitäten. Seelengespräche, Geflüsterte Worte und Mein Penatenwinkel enthalten biographische Aufzeichnungen und Kindheitserinnerungen.
Carmen Sylva drohte zu erblinden, sie verbrachte die meiste Zeit im Rollstuhl. Sie starb 1916, zwei Jahre nach dem Tod von König Carol.
(Text: Karin Dreier)