

Emilie Preyer wurde am 6. Juni 1849 in Düsseldorf als Tochter des renommierten Stillleben-Malers Johann Wilhelm Preyer geboren. (1) Dieser hatte seine Ausbildung ab 1830 an der Düsseldorfer Kunstakademie erhalten, wo er seit 1836 zur Meisterklasse von Friedrich Wilhelm Schadow gehörte. (2) Emilies Kindheit und Jugend und die ihres zwei Jahre älteren Bruders Paul waren geprägt durch die anregende künstlerischer Atmosphäre des Preyer’schen Hauses in der Pfannenschoppenstraße Nr. 52. Mit 12 Jahren begann für sie 1861 der Zeichen- und Malunterricht bei ihrem Vater, der sich an dessen Stilllebenmotiven orientierte. 1866/67 wurde sie auch vom Historienmaler Heinrich Mücke und dem Landschaftsmaler Hans Gude unterrichtet. (3)
Als die ersten von ihr als Siebzehnjährige ausgestellten Bildnisse gelten die 1866 in den Permanenten Ausstellungen der Kunsthandlungen Bismeyer & Kraus und Eduard Schulte gezeigten Aquarelle mit Blumen und Früchtemotiven. (4) Von der lokalen Presse wurden sie als „Beweise ihres Fleißes und Talents“ bewertet. (5) Aus einem Tagebucheintrag des Vaters geht hervor, dass Emilie im selben Jahr begann, mit Ölfarben zu malen und ihr erstes Stillleben im Januar 1867 fertig stellte. (6) Aus diesem ersten Jahr der Ölmalerei sind vier Früchtestillleben überliefert, wie die beigefügte Werkliste belegt. 1868 war sie wieder in beiden Düsseldorfer Kunsthandlungen mit Früchte- und Blumenstücken vertreten, ebenfalls im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, wo sie seitdem regelmäßig ausstellen konnte.
Die Kunstkritik stand ihr seit Beginn ihrer Laufbahn wohlwollend gegenüber. Ihre technisch und stilistisch versierte Malweise galt der des Vaters ebenbürtig, man betonte aber darüber hinaus das eigene Profil der jungen Künstlerin. So hieß es im „Düsseldorfer Anzeiger“ am 16. Januar 1868: „hier […] aber zeigt sich schon eine Bestimmtheit und Selbstständigkeit, die uns erstaunen macht“.
1869 verkaufte sie zwanzigjährig zwei Stillleben an die „Kölner Dombau-Lotterie“ und drei Jahre später wurde ihr „Früchtestillleben mit einem mit Weißwein gefüllten Weinglas“ ganzseitig im „Deutschen Künstler-Album“ als Farblithografie abgedruckt. (7) Schon früh konnte sie die geschäftlichen Kontakte ihres Vaters nutzen und war so in den Kunstbetrieb integriert. Ihr Atelier befand sich neben dem ihres Vaters in dessen Haus in der Gartenstraße Nr. 33, das Johann Wilhelm Preyer 1871 kaufte.
Neben Ausstellungsbeteiligungen in ihrer Heimatstadt nahm sie verstärkt an Kunstausstellungen in Berlin, Dresden, Bremen und Breslau teil. 1885 wurde eines ihrer Stillleben vom Düsseldorfer Kunstverein für 900 Mark zum Verkauf angeboten. Ebenfalls um 1885 war Emilie Preyer mit einer Schmetterlingsdarstellung zusammen mit führenden Malern Europas an einem Fächer beteiligt. Der Fächer war ein Geschenk anlässlich der Geschäftsübertragung der Berliner Hof-Kunsthandlung Honrath & van Baerle vom Vater auf den Sohn. (8)
Studienreisen führten Emilie Preyer nach Dresden und Holland. Ihr künstlerischer Ruf festigte sich, auch international. Preyers Stil war geprägt durch harmonische Farbzusammenstellung und exakten Detailrealismus der Naturelemente, die sie vielfältig variierte. Sie bevorzugte für ihre Bilder kleine Formate wie beispielsweise 19 x 26 cm, malte aber auch großformatige Auftragsarbeiten. Die erzielten Preise ihrer Werke stiegen stetig an. Ein Grund für ihren und ihres Vaters internationalen Erfolg war sicher auch, dass andere deutsche Malerschulen und die der Nachbarländer nicht über Künstler von der maltechnischen Perfektion verfügten, wie die Preyers sie kultiviert hatten. (9)
Der Tod des Vaters am 20. Februar 1889 bedeutete einen großen Einschnitt für sie, da ihre Beziehung zu ihm sehr intensiv gewesen war. Zeitlich datierte Werke sind nur bis zum Jahr 1893 überliefert; ihr Gesamtwerk wird auf ca. 250 Gemälde geschätzt. (10)
Ihren 80. Geburtstag feierte sie 1929 zurückgezogen. Eine Würdigung von Alfred Schubert im „Unterhaltungsblatt“ der „Düsseldorfer Nachrichten“ vom 8. Juni widmete sich der Entwicklung der Künstlerin. Über ihren Wirkungskreis heißt es dort: „Viele Auktionskataloge der letzten vierzig Jahre geben geflissentlich Auskunft in wie manche deutsche Gemäldesammlung Emilies kleine Kunstwerke wanderten. Stets erzielen sie gute Preise; bis auf den heutigen Tag gilt dies.“(11) Sie blickte auf ein schaffensreiches und ausgefülltes Künstlerinnenleben zurück. Viele ihrer Gemälde fanden den Weg in Privatsammlungen im In- und Ausland, u a. in den USA. Dort sind einige ihrer Werke aber auch in Museen vertreten, wie etwa im Cleveland Museum of Art in Ohio, im New Yorker Metropolitan Museum oder in der Picture Gallery in Philadelphia.
Am 23. September 1930 starb Emilie Preyer nach kurzer Krankheit und wurde im Familiengrab auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof begraben . Mit ihr „ging ein Stück Altdüsseldorfer Künstlerkultur hinweg“, hieß es im Nachruf der „Düsseldorfer Nachrichten“ vom 24. September 1930. Zur Würdigung der Malerfamilie Preyer fand ein Jahr später im Historischen Museum in Düsseldorf eine Preyer-Gedächtnis-Ausstellung statt, bei der Vater, Tochter und Sohn mit Werken vertreten waren.
Ihre präzise gemalten Stillleben mit der besonderen Lichtgestaltung stehen noch heute in der Kunstwelt hoch im Kurs. 1988 bot beispielsweise die auf die Düsseldorfer Malerschule spezialisierte Düsseldorfer Galerie Paffrath ein Bild von ihr für 35 000 DM an. 2007 erzielte Christies für das Früchtestillleben Nr. 64 des Werkverzeichnisses 45 850 €. 2009 führte die Galerie Paffrath eine denkwürdige Johann Wilhelm und Emilie Preyer-Ausstellung durch, nachdem sie in Ausstellungen zur Düsseldorfer Malerschule immer wieder Gemälde von Emilie Preyer präsentiert hatte.
© Frauen-Kultur-Archiv Düsseldorf
(1) Datierung und Titel der Gemälde stammen aus: Siegfried Weiß, Hans Paffrath (Hgg.): Preyer. Johann Wilhelm 1803–1889 und Emilie 1849–1930. Mit den Werkverzeichnissen der Gemälde von Johann Wilhelm und Emilie Preyer, Düsseldorf 2009, S. 209–11