INSTITUT FÜR GERMANISTIK

Düsseldorfer Autorinnen - Saskia Fischer

Bildrecht liegt bei der Autorin

Vita

  • 1971 in Schlema/Erzgebirge (Sachsen) geboren
  • 1986 Übersiedlung aus der DDR in die BRD; Besuch eines Gymnasiums in Übach-Palenberg, Kreis Heinsberg, NRW
  • 1992-95 Studium der Germanistik u. Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Bochum
  • 1995 Abbruch des Studiums wegen Uneffizienz und drohender Schließung des Instituts; Veröffentlichung erster literarischer Werke als freie Schriftstellerin in Düsseldorf. Mitarbeiterin des Literaturbüros Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und des Westfälischen Literaturbüros in Unna. Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und im Rundfunk
  • 2001 Geburt ihres Sohnes 
  • Seit 2005 lebt und arbeitet sie in Berlin, u. a. als Redaktionsassistentin für einen Nachrichtensender.

Auszeichnungen

2011 Zuerkennung des Verdi-Literaturpreises Berlin-Brandenburg
2010 Arbeitsstipendium des Berliner Senats
2010 Literaturpreis Kammweg - Erzgebirge/Mittelsachsen / Preisträgerin beim Kammweg-Literaturpreis des Kulturraumes Erzgebirge-Mittelsachsen
2005 Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen Colloquium Berlin
2001 Arbeitsstipendium der Stiftung Kunst und Kultur NRW. Autorin des Monats Juni 2001
2000 Reisestipendium des Auswärtigen Amts für den Aufenthalt im Schriftstellerzentrum „Centre of Three Waves“, Rhodos
1999 den Förderpreis für Literatur des Landes Nordrhein-Westfalen
1998 Residenzgast „Winterpoesie" im Hochsauerland
1997 Literaturförderpreis der Stadt Düsseldorf
1997 Aufenthaltsstipendium der Stadt Düsseldorf im Künstlerdorf Schöppingen
1996 Düsseldorfer Dichterpreis

Publikationen

Lyrik

  • Scharmützelwetter. Gedichte, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2008
  • In: Small Talk im Holozän, hrsg. v. Jürgen Engler. Berlin: Schwartzkopff Buchwerke, 2005
  • In: Lyrik von jetzt. 74 Stimmen, hrsg. v. Jan Wagner u. Björn Kuhligk. Köln: Dumont Buchverlag, 2003
  • Das Klirren in Innern. Literarischer März 13. Lyrik unserer Zeit, hrsg. v. Fritz Deppert, Christian Döring, Hanne F. Juritz. Frankfurt/M.: Brandes & Apsel Verlag, 2003
  • Wenn ich Himmel wär. Gedichte. Düsseldorf: Grupello-Verlag, 1998

Prosa

  • Ostergewitter. Roman. Berlin: Suhrkamp, 2012
  • Schwefelhölzchen. Eine Erzählung, in: Der 24. Dezember. Neue Weihnachtsgeschichten, hrsg. v. Susanne Gretter. Berlin: Suhrkamp, 2011
  • Heilige Wege. Random House Audio 2003
  • Beitrag in: John Linthicum zugewandt. Eine Erinnerung, hrsg. von Alla Pfeffer. Düsseldorf: Grupello, 2003 
  • Sieben Schritte Leben. Düsseldorf: Grupello-Verlag, 2001
  • Wie man sich begegnet, so liebt man, in: Straßenbilder: Düsseldorfer Schriftstellerinnen und Schriftsteller über ihr Quartier, hrsg. von Alla Pfeffer. Düsseldorf: Grupello-Verlag, 1998, S. 105-108.
  • Latest News. Düsseldorf: Grupello-Verlag, 1995

Pressestimmen

Zu: Scharmützelwetter. Gedichte (2008):

[...] Mit reichlich Ironie bezieht die 1971 geborene Lyrikerin die potemkinschen Dörfer der Sprache, flaniert ungeniert auf Gemeinplätzen zwischen wörtlicher und übertragener Bedeutung und erweckt so die Pappfassaden zu neuem Leben [...]

(Nadja Wünsche in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. September 2009)

Zeilen wie Bajonette

Unter Scharmützel versteht man im militärischen Sinn gemeinhin kleinere hinterhältige Gefechte, bei denen – im Gegensatz etwa zu richtigen Schlachten – keine Regeln eingehalten werden, die Kämpfe vielmehr wild und ohne klare Frontlinien in alle Richtungen ausstrahlen. Und so befinden sich auch die lakonischen, manchmal fast pragmatisch dokumentierenden Gedichte von Saskia Fischer in angriffiger Laune, wenn sie unter dem Titel «Scharmützelwetter» von kleinen Verletzungen und tiefen Wunden, von höllisch brennenden Strohfeuern und vom gefährlichen Parfum der Rivalin erzählen. Als Waffen stehen der in Berlin lebenden 38-jährigen Autorin scharfe Zeilen zur Verfügung, die wie Bajonette einzelne Beobachtungen aufspiessen und noch im zappelnden Todeskampf körperwarm präsentieren. «Sie riss den Blüten nicht die Blätter / den Fliegen lieber die Flügel aus», konstatiert etwa der erste Text mit dem Titel «Einem ägyptischen Dienstmädchen» kalt und nüchtern, bevor er dann vor uns – mit einer fernen Erinnerung an Gottfried Benn – den seltsamen Mageninhalt des verstorbenen Dienstmädchens ausbreitet. 

(In: Neue Zürcher Zeitung, 12. Februar 2009)

Feinsinnige Kompositionen mit individuellem Sound
[…] Die emotionale Grundstimmung ihrer 54 Gedichte in fünf Teilabschnitten ist Unversöhntheit - es sind keine Rückzugsgefechte mit Bitte um Schonung, sondern nadelspitze Attacken gegen die Einschläferungsrituale der Desillusionierung, sinnlicher Aufruhr gegen die "Unterwürfigkeitsüberdosis" einer Erduldermoral.
Dabei merkt man Fischer das Vergnügen an, mit ihrem intellektuellen Sprachspiel die semantischen Erwartungshaltungen des Lesers zu verunsichern; Subjekte, Objekte, Adverbien und gelegentlich verstümmelte Prädikate wechseln unkonventionell, jedem Deutschlehrer zum Graus, die Satzbau-Gefechtsstellungen, verursachen Querschläger und Mehrfach-Konnotationen in den Nominalitätsbezügen und überlappenden Assoziationen. Trotz einer hohen Dichte an Wortneuschöpfungen verschwimmen diese nicht in Beliebigkeit, sondern bewirken durch ihre metaphorische Stimmigkeit eine kohärente Sinnführung und also Treffergenauigkeit im Gedankenfeld des Lesers.
Fischers Sprache bezaubert bei all dieser feinsinnigen Kompositionsarbeit mit einem lockeren, sehr melodiösen und groovigen Ton - aber bitte nicht eintüten ins Zeitgeist-Genre unterkomplexer Pop-Lyrik, denn mit spannungserzeugenden Alterationen, kontrapunktierter Sinn-Stimmführung und bluesiger Intonation erzeugt Fischers einen ganz individuellen Sound mit höchster Klangdichte: hier zeigt sich die Lyrik als der Jazz der Literatur.

(Werner Friebel in: literaturkritik.de, Nr. 11, November 2008) 

Zu: Wenn ich Himmel wär (1998):

[…] Als neue und erfrischende Stimme in der Lyrik ist Saskia Fischer schon längst kein Geheimtipp mehr. Ja, wenn sie Himmel wäre, sähe wohl einiges anders aus: Verwandlungen und Trugbilder ließe die Welt von einer anderen Perspektive aus schauen, wenn nicht aus der höheren, so aus der näheren – Lupe, Fernrohr oder Spiegel. Und über den Wassern schwebte dann der phantasievolle Geist einer jungen Frau, die „zu emanzipiert ist, um die emanzipatorische Flagge schwingen zu müssen. 

(Neues Rheinland, 1998)