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Lyrikerin geehrt
Konstanze Petermann lädt regelmäßig zu Düsseldorfs vermutlich einzigem Kunstsalon Intellektuelle, Literaten und Musiker in ihre Privatwohnung ein. Jetzt wurde ihr als Künstlerin Ehre zuteil. In Polen wurde ein Gedichtband von Konstanze Petersmann jetzt übersetzt. Ein Germanist hatte Gefallen an ihrer Lyrik gefunden.
[Der Band heißt: U brzegow niespokojnych zrodel und erschien in Wroclaw: Gora, 2012]
(In: Westdeutsche Zeitung, Düsseldorfer Kultur, 3.07.212)
Konstanze Petersmann lässt die Salonkultur aufleben
In ihre Wohnung in Düsseltal hat sie 20 befreundete Künstler, Dichter, Übersetzer und Musiker aus aller Welt eingeladen.
„Nur aus der Mitteilung, nur aus der Konversation des Menschen mit den Menschen entstehen die Ideen“, hat der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach einmal gesagt. Vielleicht kamen Mendelssohn-Bartholdy, Schumann und die Gebrüder Grimm deshalb regelmäßig zusammen, um Kontakt mit anderen Musikern und Literaten zu suchen. In sogenannten Salons, deren Blütezeit sich über das 18. und 19. Jahrhundert erstreckte. Jetzt lebt diese Kultur wieder auf – im Wohnzimmer der Düsseldorfer Lyrikerin Konstanze Petersmann.
In ihre Wohnung in Düsseltal hat sie 20 befreundete Künstler, Dichter, Übersetzer und Musiker aus aller Welt eingeladen. Nicht bloß zur unterhaltsamen Plauderei, sondern zum gezielten kreativen Austausch im intimen Rahmen. „Darin besteht ein Unterschied zu den traditionellen Salons“, erklärt Petersmann. „Bei mir gibt es ein festes Programm.“ Das setzt sich aus musikalischen Beiträgen, Vorträgen und Lesungen zusammen.
Verpflichtet sind die Gäste nicht. Jeder kann, niemand muss. Schließlich soll die Geselligkeit nicht durch eine zwanghafte, verkrampfte Atmosphäre beeinträchtigt werden. Oder zu einem künstlerischen Schaulaufen verkümmern. „Es geht nicht um Wetteifern, hier begegnen sich Jung und Alt, studierte und nicht studierte Menschen“, sagt Kunststudentin Cordula Steinhoff, die schon seit dem ersten Treffen vor fünf Jahren dabei ist.
Noch ein Aspekt, den Petersmanns Salon mit Namen „Kunstsinn“ von seinen historischen Vorgängern unterscheidet. Denn damals waren ein angesehenes Elternhaus oder besonders herausragendes Schaffen die Eintrittskarte zu den privaten Zusammenkünften.
Authentische Kulisse mit schweren Ledersesseln und vielen Büchern
Eintrittskarte ins Wohnzimmer an der Maurenbrecher Straße, das mit Ledersesseln und Holzregalen, deren Bretter sich unter ihrer Bücherlast biegen, eine authentische Kulisse bildet, sind dagegen die Liebe zur Kunst und das „gewisse Etwas“. „Meine Gäste faszinieren mich mit ihrer Arbeit einfach“, erklärt Petersmann.
Wie zum Beispiel Armin Koch, Mitarbeiter der Robert-Schumann-Forschungsstelle. Mit einem Vortrag über das Lebenswerk von Felix-Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann, den er mit Einspielungen auf CD gepickt hat, sorgt er das ein oder andere Mal für Staunen und Überraschung im Publikum.
Vier Stunden sitzt die Gruppe beisammen, eine Stunde länger als geplant. Doch das stört niemanden, kein Gast ist unter Zeitdruck gekommen. „Zu Zeiten Schumanns und Bartholdys war das Leben viel bedächtiger und ruhiger als heute“, findet Petersmann. Hier lebt diese Zeit ein Stück wieder auf.
(Wera Engelhardt in: Westdeutsche Zeitung, online, 9. Oktober 2011)
„Kunstsinn“ - Salonkultur in Düsseldorf
In „privater Öffentlichkeit“ lässt die Lyrikerin Konstanze Petersmann im Düsseldorfer Zooviertel die schon fast in Vergessenheit geratene Kunstform des „Salons“ wiederauferstehen. Mehrmals im Jahr lädt sie Autoren, Musiker, bildende Künstler und Intellektuelle zu ihren Salonnachmittagen ein. Bei Canapés und Cremant trifft man sich bei einem erlesenen Programm zum Dialog von „Nationen und Kulturen“, um es mit den Worten der Salonière zu sagen.
„Im weitesten Sinne stellt der Salon eine zweckfreie, zwanglose Geselligkeit dar“, sagt Konstanze Petersmann. „Hier findet sich eine Gemeinschaft von Individualisten. Es ist ein Ort der Versöhnung und der Vermittlung, frei vom Konkurrenzkampf, der mitunter die Kommunikationsfähigkeit lähmen kann. Im besten Fall vermag er eine Gegenöffentlichkeit in privater Form zu etablierten Institutionen entwerfen.“
Begonnen hat alles bereits im antiken Athen: Hier begründete Aspasia von Milet einen Philosophischen Salon, in dem sie nicht nur Gastgeberin war, sondern auch geschätzte Rednerin. In ihrem Haus soll die geistige und politische Elite Attikas verkehrt haben - der Philosoph Sokrates, die Dramatiker Sophokles und Euripides, der Bildhauer Phidias oder der Staatsmann Perikles. Die Salonkultur kam im 18. Jahrhundert nach Deutschland und erreicht während der Zeit der Romantik ihren Höhepunkt. Gastgeberin der Salons im 18. und 19. Jahrhundert war stets eine wohlhabende und gebildete Dame, die Salonière. Sie lud an einem bestimmten Wochentag, einem „jour fixe“, in ihr Privathaus ein. Während die Männer von Adel ihren Aufgaben bei Hofe nachgingen, Kriege ausfochten oder zur Jagd ausritten, hatten die adeligen Damen hinreichend freie Zeit, um geistreiche Konversation zu pflegen und entsprechend gebildete Personen in ihren Räumlichkeiten zu empfangen. „In dieser Zeit war der Salon ein kultureller Freiraum, eine Intuition weiblicher Kultur und ein Ort der Emanzipation“, berichtet Petersmann. „Und Salonkultur war stets ein Stadtphänomen. Außerhalb dieses Rahmens konnte sie sich kaum entwickeln.“
Kennzeichen des Salons war die Internationalität: „Musik und bildende Kunst sind ja von Haus aus international“, stellt die Düsseldorfer Lyrikerin fest. „Der Dialog zwischen den Nationen und Kulturen wirkt als Motor anspruchsvoller Geselligkeit.“ Die berühmteste Salonière des 19. Jahrhunderts war die Gräfin Marie d’Agoult, lange Jahre mit dem Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt liiert, die den Salon zur Lebensaufgabe erklärte. Auch in Düsseldorf stand im 19. Jahrhundert die Salonkultur in Blüte: Die wohl bekannteste Gastgeberin war Elisa Gräfin Ahlefeldt. Auf dem ehemaligen Collenbachschen Gut in der Nähe des Dreiecks im heutigen Stadtteil Derendorf versammelte sie viele Künstler und Dichter, wie den Musiker Felix Mendelssohn-Bartholdi, den Historienmaler Carl Friedrich Lessing oder den Dramatiker Dietrich Grabbe um sich.
Eine besondere Atmosphäre im Stile der Salons
Konstanze Petersmann wurde 1942 in Danzig geboren. Nach dem Krieg kam sie nach Mitteldeutschland und wuchs in der DDR auf. Seit ihrer Ausreise im Jahr 1983 lebt sie mit ihrer Familie in Düsseldorf. Ab 1993 kam es zu ersten Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien in Frankfurt am Main, München, Düsseldorf, Siegen, Neuss, Skopje und Belgrad. 2010 erschien ihr bislang letzter Gedichtband „Zum Lichtstern der Zeit“. „Kunstsinn“ nennt sie ihren eigenen Salon. Ganz nach der Manier der Salonièren des 18. und 19. Jahrhunderts ist sie eine Gastgeberin, die ihre Gäste mit neuen Künstlern, Büchern oder Ideen bekannt macht. „Kunstsinn ist zur intellektuellen Plattform für Individualisten der unterschiedlichsten Kulturen, Nationalitäten und Konfessionen geworden“, sagt sie. „Es findet ein kulturelles Miteinander statt. Es werden die Wurzeln anderer Kulturen erfahrbar gemacht und die eigene kulturelle Identität vertieft. Es ist kein Event, hier steht das Menschsein, die Begegnung und das gegenseitige Vertiefen von Gedanken im Mittelpunkt. Es soll Muße und Zeit für das Gespräch da sein.“ Doch im eigentlichen Sinne öffentlich ist der Salon „Kunstsinn“ nicht. Die jeweils rund 20 Gäste werden eingeladen. Wie kommt man zu der Ehre, in den Salon gebeten zu werden? „Durch meine Aktivitäten im Bereich Literatur habe ich einen recht weiten Bekanntenkreis aus den Bereichen Literatur und bildender Kunst. Ich besuche sehr häufig Vernissagen und Galerien. So lerne ich überall Menschen kennen, und wenn ich meine, sie haben uns etwas zu sagen und die menschlichen Eigenschaften passen auch, dann versuche ich diese Menschen für meinen Salon zu gewinnen. Es sollten schon liebe und nette Menschen sein, mit echter Begeisterung für die Kunst“, lacht die Salonière.
Das Treffen im Hause Petersmann dauert mindestens drei Stunden. In einem facettenreichen Programm präsentieren Künstler, Autoren oder Geisteswissenschaftler die unterschiedlichsten Beiträge. „Vorträge zu Kunst, Philosophie, Naturwissenschaften, gesellschaftlichen und ethischen Themen ermöglichen ungewohnte Blicke auf scheinbar Vertrautes und bahnen Wege zu bislang Unbekanntem“, verspricht Petersmann. Beim jüngsten Salon waren es unter anderem die Musikwissenschaftler Armin Koch, die Malerin Friedericke Mächel oder die Musikerin und Komponistin Inge Mariam Tikale. Die Deutsch-Georgische Dichterin Irene Imnadze trug Liebesgedichte auf Deutsch und Georgisch vor und der Architekt und Autor Jochen Boskamp führte mit Fotografien auf die Spuren des Franz von Assisi. Doch was heißt Salonkultur im 21. Jahrhundert? Passt das noch in eine von Globalisierung und virtuellen Netzwerken geprägte Zeit? Petersmann: „Gerade heute darf der Bedarf an persönlichen Gesprächsmöglichkeiten nicht unterschätzt werden oder gar in Vergessenheit geraten. Auch wenn sich die gesellschaftlichen Strukturen im Vergleich zu den vergangenen Jahrhunderten gewaltig verändert haben, suchen die Menschen wieder echte persönliche Beziehungen, menschliche Nähe und spirituelle Tiefe. Und zwar mit Inhalten, die die Banalität des Alltags überwinden und einer einseitig rationalen Bildungskultur aus dem Wege gehen. Kurz: Es sind Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“
(Klaus Hackert in: ventura 4/2011)
Lyrik aus Düsseldorf
Es sind wunderbare Bilder und Phänomene aus der Natur, mit denen die Düsseldorfer Lyrikerin Konstanze Petersmann die Zeit erlebbar zu machen versucht. So beschreibt sie in ihrem neuen Lyrikband „Zum Lichtstern der Zeit“ den Gang durch Alleen als einen langen, schwermütigen Gang. Und Nebel werden zu „Schattenreichen des Vergessens“.
„Im Schatten der Worte/ entziffern wir/ den Laut der Zeit“, sagt die 1944 in Leipzig geborene Schriftstellerin, die viele Jahre als Krankenschwester arbeitete, bevor sie Literatur und Lyrik studierte und sich als Autorin versuchte.
In ihrem dritten Lyrikband gelingt es Konstanze Petersmann, die seit 1993 in Anthologien und Zeitschriften Texte veröffentlicht, erneut, faszinierende Metaphern zu finden und Chiffren zu entwickeln, um das anschaulich zu machen, was nicht zu sehen, sondern nur zu erleben ist.
(In: Rheinische Post, 17.12.2010)
Salonkultur im 21. Jahrhundert in Düsseldorf
Genau 200 Jahre nachdem Johanna Schopenhauer 1806 in Weimar ihren bürgerlichen Salon eröffnete, lässt Konstanze Petersmann mit ihrem Salon KUNST-SINN die fast vergessene Kulturform des Salons in ihrem privaten Refugium in Düsseldorf wieder aufscheinen. Was in der Blütezeit der Salons um das 17. und 18. Jahrhundert erlebt wurde, wiederholt sich mit modernen Mitteln im noblen Zooviertel in ‚privater Öffentlichkeit’ und zweckfreier Atmosphäre. Die Schriftstellerin, geübt im Genre Literatur/Lyrik mit Publikationen eigener Gedichte, geht hier einer weiteren Kunstgattung nach. In der internationalen Literatur wird die ‚zweckfreie Geselligkeit’ auch als Kunstwerk bezeichnet, in dem „Spezialisierung und Fragmentierung“ - nach dem Philosophen Friedrich Schleiermacher - überwunden werden und somit den Menschen wieder zu sich selbst kommen lassen.
Internationalität war stets ein wesentliches Strukturelement aller Salonkultur: Lektüre, Musik und bildende Kunst sind von Haus aus per se international. Der Dialog zwischen den Nationen und Kulturen wirkt als Motor anspruchsvoller Salongeselligkeit. Salonièren wie Johanna Schopenhauer im Kreis der Klassik in Weimar und Rahel Varnhagen als berühmteste Salonière in Berlin waren Persönlichkeiten und Vorbilder, die Konstanze Petersmann nachhaltig beeindruckt haben. Beide besaßen große menschliche Tiefe, die für die Salonatmosphäre prägend war. Die berühmteste Salonière des 19. Jahrhunderts war Marie d’Agoult in Paris. Sie definierte den Salon zur Lebensaufgabe. Ihr höchstes Ziel waren Reife und Ruhm ihres Alters. Darauf verwandte sie ihre ganze Intelligenz.
In Düsseldorf wirkte Elisa Gräfin von Ahnefeldt im 19. Jahrhundert auf elegante und liebenswürdige Art. Sie förderte junge Talente wie Theodor Körner und war Vertraute des Dichters und Düsseldorfer Theaterdirektors Karl Immermann. An seiner Seite stand sie im Mittelpunkt eines literarischen Zirkels. Ihr Anwesen befand sich auf dem ehemaligen Collenbachschen Gut (Stadtteil Derendorf). Hier versammelte sie viele Künstler und Dichter, wie den Historienmaler Carl Friedrich Lessing, Theodor Hildebrandt und Carl Ferdinand Sohn (die an der damals schon berühmten Kunstakademie lehrten), Musiker und Komponisten, wie Felix Mendelssohn-Bartholdy und Norbert Burgmüller sowie den Dramatiker Dietrich Grabbe, bevor sie nach Berlin ging und dort einen Salon führte.
Salonkultur im 21. Jahrhundert? Das scheint auf den ersten Blick eine große Herausforderung zu sein. Doch auch wenn sich die gesellschaftlichen Strukturen inzwischen gewaltig verändert haben, suchen die Menschen nach wie vor echte Beziehungen im gegenseitigen Austausch, gepaart mit menschlicher Nähe und spiritueller Tiefe, mit Inhalten, welche die Banalität des Alltags überwinden und einer einseitig rationalen Bildungskultur aus dem Wege gehen.
Es ist Konstanze Petersmann gelungen, den Salongedanken neu zu beleben und ein breites Spektrum kreativer Menschen regelmäßig um sich zu versammeln. In ihrem Salon KUNSTSINN werden jeweils in einem dreistündigen facettenreichen Programm literarische, kunsthistorische und kulturphilosophische Beiträge von Künstlern und Autoren präsentiert, die sensibel aufeinander abgestimmt sind. Hinzu kommt bildende Kunst und Musik. In einem solchen intimen, nicht anonymen Kreis können Gedanken angeregt und auch vertieft werden, kann somit eine Art Gegenöffentlichkeit zu Institutionen entworfen werden. Dies wissen auch die Vortragenden zu schätzen, die gerne die aufgeschlossene Salonatmosphäre nutzen, um ihre Gedankenwelt in einem Kreis von interessierten Gästen auszutauschen.
Da in diesem Kreis Kultur nicht institutionalisiert wird, besteht keine Gefahr eines vorgezeichneten Weges, weil ganz nach der eigenen „Magie“ und der eigenen Intention frei gehandelt werden darf. Die Vermittlung des Unterschiedlichen, Gegensätzlichen gehört zur ästhetischen Praxis des Salons. Die ‚familiäre’ Struktur über die Person der Salonière führt zum gemeinsamen Miteinander in einem Kreis von Individualisten verschiedener Kulturen, Nationalitäten und Konfessionen, wobei die Wurzeln anderer Kulturen erfahrbar gemacht werden und die Identität der eigenen Kultur vertieft wird.
Salonkultur im 21. Jahrhundert - der ernste Versuch, mit Autoren, Künstlern, Musikern, Geisteswissenschaftlern, Gästen und Kulturbotschaftern beider Geschlechter eine besondere Atmosphäre im Stil des Salons mit kosmopolitischer Grandezza zu schaffen und gleichzeitig die Stadtkultur, auch über die Grenzen hinweg, zu bereichern.
(In: DJournal, Düsseldorf, 2/2010)
Künstlerischer Dialog von Nationen und Kulturen
Die Düsseldorfer Lyrikerin Konstanze Petersmann hat mit „Kunstsinn“ den historischen Salon neu belebt
Der berühmteste seiner Art war in Paris. Dort trafen sich Chopin, die Dichter Heine und Mickiewicz, der Maler Delacroix und andere Prominente ihrer Zeit, und die Atmosphäre hätte fruchtbarer kaum sein können. Man frönte der „zweckfreien Geselligkeit“, plauderte, diskutierte, inspirierte sich gegenseitig, und vor dem Hintergrund dieses lockeren geistigen Austauschs entstand so manches Kunstwerk. So komponierte Chopin für den Pariser Salon seine berühmten Walzer für Klavier - Musikstücke, die heute zu den Perlen der Klavierliteratur zählen, und ähnlich inspirierend wirkten auch die anderen Salons, die seit dem 16. Jahrhundert an den verschiedensten Orten Europas zum Gedankenaustausch einluden. (Das Wort Salon stammt aus dem Italienischen und bezeichnete einen großen Saal, bevor es ins Französische übernommen wurde und dann als französisches Fremdwort in anderen Sprachen heimisch wurde. 1664 taucht das Wort Salon in Frankreich erstmals auf und meint damit den Empfangssaal eines Schlosses.) Von seiner geistigen Grundhaltung ist der Salon international ausgerichtet: internationale Lektüre, internationale Gäste, Musik und Bildende Kunst aus ganz Europa und darüber hinaus - dies alles bildete den Grundstein zu einem künstlerischen Dialog zwischen Nationen und Kulturen, der bis heute seinesgleichen sucht.
Heute ist die Salonkultur so gut wie ausgestorben. In Düsseldorf allerdings wird sie erfolgreich wiederbelebt: Seit nunmehr drei Jahren lädt die Düsseldorfer Lyrikerin Konstanze Petersmann Intellektuelle, Künstlerinnen und Künstler zum Austausch in privater Öffentlichkeit ein, veranstaltet Salonnachmittage mit erlesenem Programm - vom kulturphilosophischen Vortrag über Dichterlesungen bis hin zur Reflexion über Bildende Kunst. „Kunstsinn“ nennt sie denn auch ihren eigenen Salon, der zur intellektuellen Plattform für Individualisten verschiedener Kulturen, Nationalitäten und Konfessionen geworden ist. „Es findet ein kulturelles Miteinander statt, wobei die Wurzeln anderer Kulturen erfahrbar gemacht werden und die Identität der eigenen Kultur vertieft wird“, sagt Konstanze Petersmann im Gespräch mit den Düsseldorfer Heften. Dennoch will ihr „Salon“ mehr sein als eine gelungene Wiederauflage vergangener Zeiten. „Mein Anliegen ist es, diesen Weg im 21. Jahrhundert zu gehen, da er von einem Fluidum unbeschrittener Zeit geprägt ist. Auch wenn sich heutzutage die gesellschaftlichen Strukturen im Vergleich zu den vergangenen Jahrhunderten gewaltig verändert haben, suchen aber dennoch die Menschen wieder im gegenseitigen Austausch echte Beziehungen, gepaart mit menschlicher Nähe und spiritueller Tiefe, mit Inhalten, welche die Banalität des Alltags überwinden und einer einseitig rationalen Bildungskultur aus dem Wege gehen.“
In einem facettenreichen dreistündigen Programm präsentieren sich an den Salonnachmittagen Autoren und Künstler mit ihren Beiträgen. Das Spezifische am „Salon“ ist freilich, dass er nicht im eigentlichen Sinn öffentlich ist. Gäste werden in aller Regel eingeladen. Hierzu gehörten bisher u. a. die Kaarster Galeristin Dr. Brigitte Splettstößer oder die chinesische Künstlerin Le Quan Chuong sowie der Autor Dr. Horst Landau mit seiner Frau Karin Lohr-Landau.
(Cyrill Stoletzky in: Düsseldorfer Hefte, 53. Jg., September 2008)
Zum Beitrag in „ohne Titel“ (2002):
[…] liegt der Schwerpunkt bei Konstanze Petersmann auf dem Zeitgeschehen. Die Düsseldorferin stellt unter anderem lyrische Texte vor, die sich in bildhafter, teils fast chiffrierter Sprache mit dem Thema auseinandersetzen.
(Deniz Karius in: Rheinische Post, 16. April 2003)