
Das Bildrecht liegt bei der Autorin.
Mundart ist ein altes Kulturgut, sie spiegelt die Mentalität einer bestimmten Region und ihrer Bewohner wider, intensiver und farbiger als es die Hochsprache vermag. Ein Stück Heimat in Worten lebendig werden lassen, so will Mundart verstanden werden. So hat auch „Joethes Schäng Wollefjang“ Mundart beurteilt „Jede Provinz liebt ihren Dialekt: er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.“
Meine Eltern teilten Goethes Ansichten nicht. Als ich Kind war, wurde bei uns zu Hause kein Platt gesprochen, obwohl mein Vater unseren Dialekt bestens beherrschte, wenn er wollte. Man befürchtete schlechte schulische Sprachleistungen. „Dat und wat sagen doch nur Straßenkinder!“ Mit dieser Meinung standen meine Eltern nicht allein. Häufig rümpfte man über Mundart, die so wenig fein war, die Nase, so wie noch heute viele Düsseldorfer, denn „mr deht sech hee jähn ene vörnähm-feine Deu aan.“
Schade, dass an der Düssel unser Dialekt nicht so selbstverständlich gesprochen wird wie in unserer benachbarten Domstadt! Dort spricht der einfache und auch der „gehobene“ Bürger stolz sein Kölsch. Neidisch blicke ich auch auf den süddeutschen und norddeutschen Raum, in dem Mundart zumindest teilweise bis heute gesprochen und gelebt wird.
Leider lässt sich das von Düsseldorf nicht behaupten. In einzelnen Stadtteilen ist unser Platt zwar nach wie vor zu Hause, vor allem bei der älteren Generation. Doch im Allgemeinen spricht man es im alltäglichen Umgang immer seltener.
Zwar erfreuen sich liebevolle Bestrebungen der Mundartpflege durch Veranstaltungen der Heimat- und Bürgervereine – insbesondere des Vereins Mundartfreunde mit seiner Hans-Müller-Schlösser-Akademie Scholl för Platt – sowie Lesungen, Stadt- und Museumsführungen, sogar Mundartmessen großer Beliebtheit. Häufiger im Alltag gesprochen wird unsere Mundart dadurch aber nicht. Der Verein der Mundartfreunde Düsseldorf nennt seine Monatszeitung Mer spreche Platt. Wird sie eines Tages heißen müssen Mer hannt Platt jesproche? Hoffentlich noch lange nicht!
Mein Herz hängt an „ons Düsseldorwer Platt“. Ich halte es verglichen mit der Standartsprache für eine weitaus bildhaftere und facettenreichere Ausdrucksform, die immer den Nagel auf den Kopf trifft und mit ihrem verschmitzten Augenzwinkern nie verletzend ist. Ich hatte das Glück, eine Großmutter zu haben, die nur Platt sprach. Bis heute habe ich sie im Ohr. Sie wurde in „Kieschwäth“ geboren, wohnte in Derendorf und war - das erkenne ich heute - ein rheinisches Original. Ohne ihren Einfluss wäre mir unser Dialekt nicht so vertraut geworden, und ich hätte keine Mundartbücher und keine Kolumnen in der Rheinischen Post schreiben können. Daher meldet sie sich auch so oft als „min Omma selech“ in meinen Texten zu Wort.
(Monika Voss: Vorwort zu: Erjenswat es emmer, Düsseldorf: Droste Verlag, 2011, S. 5-6)
Jedöns on Bohei: Wenn Frau Voss auf Platt liest
Eigentlich ist die Diagnose niederschmetternd: Das Düsseldorfer Platt hat wohl keine Zukunft, langsam stirbt diese Sprache, weil sie keiner mehr im täglichen Leben spricht. Diese Diagnose kommt von einer Frau, die es wissen muss: Monika Voss, Mundart-Autorin mit regelmäßiger Kolumne in der Rheinischen Post. Jetzt las sie aus ihrem Buch „Erjenswat es emmer“ in der Mayerschen Buchhandlung. Und das tat sie sehr professionell und mit diesem hintergründig-liebevollen Charme, der die wahren Düsseldorfer und ihre Sprache halt oft auszeichnet, Die rund 100 Zuhörer jedenfalls waren sofort gefangen davon, und die düstere Einschätzung des lebensbedrohlichen Zustandes des Düsseldorfer Platts präsentierte die Sprach-Medizinierin wiederum mit viel verschmitztem Humor, dass auch das gern bedachter Teil des Programms wurde. Zumal diese Lesestunde einmal mehr bewies, dass der Patient – auch wenn er bereits in der Klinik liegt – durchaus noch nicht tot und voller Lebenswillen ist. Denn in den Anekdoten, die die Autorin in dem Buch zusammengetragen und punktgenau (natürlich auf Platt!) beschrieben hat, finden sich ihre Zuhörer und Leser stets wieder, genießen Blick auf die Komik des täglichen Lebens, staunen über die Besonderheiten im Normalen. Fazit: Keine schenkelklopfende Klaumauk-Stunden sondern viel Spaß durch eine stilsichere, scharfzüngige und genau hinschauende Autorin.
(<ho> in: Rheinische Post, 3.11.2011)
Von den Sprachkenntnissen der Grundschüler der Max-Schule kann sich manch’ ein Einheimischer noch eine Scheibe abschneiden. Dort ist Düsseldorfer Platt so allgegenwärtig, dass 26 ehemalige Schüler zusammen mit Monika Voss im November ein Buch veröffentlichen: „Wat wore mer för Kenger“. Die Mundartautorin hat Heinrich Heines Gedicht „Mein Kind, wir waren Kinder!“ in den Rheinischen Dialekt übersetzt, und die Max-Schüler haben Bilder dazu gemalt. Über eine Doppelseite erstreckt sich jeweils ein Motiv, am unteren Bildrand stehen die entsprechenden Zeilen des Gedichtes auf Platt. Bei der Präsentation trug Nastasija, die zurzeit in der vierten Klasse ist, ein paar Auszüge vor. Auch sie beherrscht den Dialekt. „Manchmal erzähle ich spontan einen Witz auf Platt“, sagt die Neunjährige selbstbewusst. Ihre Kenntnisse hat sie in der Platt-AG von Schulpatin Monika Voss erworben. „Die Mundart ist ein altes Kulturgut, das erhalten werden muss“, erklärt Voss. Das glaubt auch Felix Droste. Der Geschäftsführer des Droste Verlages lässt deshalb das Buch kostenfrei drucken. Zunächst mit einer Auflage von 500 Exemplaren. Aber: „Falls die Nachfrage größer ist, gerne auch mehr“, verspricht der Verleger. Ab sofort kann man das Buch bestellen, es kostet 15 Euro. Die Einnahmen gehen an die Max-Schule.
(In: Rheinische Post, 25.09.2009)
Bezirkvertreter feiern – mit Heinrich Heine auf Platt
Es waren die jüngsten Besucher, die beim Empfang der Bezirksvertretung 1 im Maxhaus den meisten Applaus bekamen. Isabelle Hoffmann, Johanna Porten, Johannes Kinkel und Nastasija Hinkel, Schüler der Carlstädter Maxschule, präsentierten auf der Bühne ihre Version des Gedichts von Heinrich Heine „Mein Kind, wir waren Kinder“ – und zwar auf Düsseldorfer Platt. Stellvertretend für weitere Mitschüler las das Quartett aus dem Buch „Wat wore mer för Kenger“, das im Droste Verlag erschienen und das Ergebnis einer von der Mundartdichterin Monika Voss unterstützten Projektwoche an der Schule ist. Da waren auch die Zuhörer platt – vor Staunen. Es war ein gelungener Start in einen Abend der lockeren Dialoge. […]
(In: Rheinische Post, 19.11.2009)
Mundart jetzt auch als Hörbuch
Jetzt gibt es auf Platt „wat op die Öhrkes“. Monika Voss, Heimatschriftstellerin, die sich seit Jahren für die Mundart einsetzt, hat im Droste Verlag ihr erstes Hörbuch herausgebracht: „Düssel Dönekes vom om mem Monika Voss“. Zwei Jahre war das Projekt in Arbeit. Gestern wurde die CD im Schuhmacher an der Oststraße vorgestellt. Neben Texten sind darauf auch teils sehr muntere, teils besinnliche Düsseldorfer Lieder vom Duo Barbara Oxenfort und Heike Beckmann (Oxbeck) zu hören, die vier Mundartstücke vertonten. Aufmerksamer Zuhörer war u.a. Mario Tranti, Baas der Düsseldorfer Mundartfreunde. Monika Voss, studierte Pädagogin: „Für viele, besonders wenn sie in der Mundart nicht zu Hause sind, ist es ziemlich mühsam, Düsseldorfer Platt zu lesen. Mundart - wie der Namen schon sagt - muss gesprochen werden, sich über das Ohr erschließen. Dann fällt auch das Lesen leichter.“ Damit beantwortete sie auch die in letzter Zeit immer wieder gestellte Frage: Stirbt unsere Mundart aus? „So lange sie noch gesprochen, gesungen und gehört wird, em Läwe nit.“ Mit Witz und Ironie schildert die Autorin den Alltag in Düsseldorf, beschreibt kleine Schwächen ihrer Mitbürger so treffend, dass man sofort ausrufen möchte „So esset“. Dabei trifft sie punktgenau den richtigen Ton. In ihren Verzällches wie „Don ich fahre odder du“, „Wat ene Brassel“ oder „Em Kopp deht et aanfange“ nimmt sie alltägliche Situationen zum Anlass, die Eigenarten und Schwächen der Düsseldorfer liebevoll nachzuzeichnen. Das Hörvergnügen für alle, die ihre Heimatstadt lieben, hat eine Laufzeit von 50 Minuten und kostet 15 Euro.
(In: Rheinische Post, Stadtpost, 3.06.2009)
Düssel-Dönekes für die Öhrkes
Jetzt gibt es die Geschichten von Monika Voss auf Düsseldorfer Platt auch als Hörbuch - und zum Mitsingen.
Bücher mit Geschichten auf Düsseldorfer Platt hat Monika Voss schon eine ganze Reihe geschrieben. Nachlesen ist das eine - wie Mundart wirklich klingt, kann man jetzt auch hören. „Düssel-Dönekes“ heißt das Hörbuch, das die Autorin am Dienstagabend in der Hausbrauerei Schumacher präsentierte. 15 kleine Geschichten, mal humorvoll, mal anrührend, erzählt die Autorin auf Platt.
Dazu kommen vier Texte, die von Ex-Venetia Barbara Oxenfort und ihrer Pianistin Heike Beckmann vertont und zur Präsentation der CD live vorgetragen wurden. „Das hat uns Riesenspaß gemacht. Mit ‚Fröhjumminastik’ haben wir jetzt auch das erste Lied, bei dem das Publikum so richtig mitmachen kann“, freute sich Barbara Oxenfort. Ihr wurde das Düsseldorfer Platt praktisch in die Wiege gelegt, gehört ihr Vater Engelbert doch schon seit Jahrzehnten zu den begeisterten Förderern der Düsseldorfer Mundart.
„Aus meinen Büchern, von denen einige schon vergriffen sind, habe ich meine Lieblingstexte ausgewählt, die das Leben an der Düssel lebendig werden lassen“, sagt Monika Voss über ihr Werk. Für viele sei es - gerade wenn sie in der Mundart nicht zu Hause sind - etwas mühsam, Düsseldorfer Platt zu lesen: „Mundart muss, wie der Name schon sagt, gesprochen werden.“ Sie hofft, dass vor allem junge Menschen durch das Hörbuch nun auf den Geschmack kommen.
Angst, dass die Mundart irgendwann aussterben könnte, hat die studierte Pädagogin nicht: „So lange sie gesprochen, gesungen und gehört wird - em Läwe nit.“ Die Düssel-Dönekes sind im Droste-Verlag erschienen, haben eine Laufzeit von rund 50 Minuten und kosten 15 Euro.
(Dieter Sieckmeyer in: Westdeutsche Zeitung, 4.06.2009)
Die Sprache des Düsseldorfers
Der Düsseldorfer an sich ist locker und offen, sieht das Leben meist humorvoll und kann sich schon mal Ironie nicht verkneifen. Zu seinem Charakter passt die Düsseldorfer Mundart mit ihren besonderen Ausdrücken und Redewendungen sehr viel besser als das Hochdeutsch. Wer’s nicht glaubt, kann sich bei der Lektüre des neuen Buchs von Monika Voss bekehren lassen.
‚Vom Hölzke op et Stöckske’ (so der Titel des Buches im Droste-Verlag, 13,95 Euro) kommt darin die Düsseldorferin mit ihrer ausgeprägten Zuneigung zur Heimatstadt, erzählt augenzwinkernd vom Essen - der Ähzezupp wie von de Mamm oder von der Telekatess Sparjel - von sportlichen Erfahrungen bei der Fröhjümmnastick, von Festen und Feiern oder von den Beziehungen zwischen Frollütt on Mannslütt, die beispielsweise besonders gut sind, wenn sie sich ene leckere Schmus make.
Die kleinen, kunstvoll komponierten Geschichten, auch die Verse bis hin zu Limericks kommen offensichtlich gut an, denn die „bisher erschienenen Mundartbücher von Monika Voss sind schon vergriffen“, sagte Verleger Felix Droste. Und die Mundart-Elite Düsseldorfs, die sich zur Vorstellung des Buches und zur ersten Vorlese-Kostprobe im Schlossturm eingefunden hatten, wusste auch den Grund: „Monika Voss übersetzt das Hochdeutsche nicht ins Platt, sondern erzählt in Düsseldorfer Mundart mit ihren besonderen Redewendungen und Satzbau“, sagte Heinrich Spohr, Baas der Alde Düsseldorfer.
Deshalb seien die Geschichten erfrischend und lebendig. Worauf die Autorin gestand, dass sie nach dem Mundart-Unterricht bei Kindern in der Maxschule in ihr Hochdeutsch schon mal Mundart einfließen lässt. Und sie benutzt gerne ein Bonmot auf Mundart, wie „dat hätt noch emmer joot jejange“.
Kein Wunder, denn Mundart gilt im Gegensatz zu früher nicht mehr als unfein und ist nicht mehr verpönt, stellte Heinz Jürgens, Leiter der Heinz-Müller-Schlösser-Akademie für Mundart fest. Aber nur wenige würden Mundart noch beherrschen, müssten sie wieder lernen. Das lesen der Geschichten von Monika Voss hilft dabei.
(In: Rheinische Post, Stadtgespräch, 24.10.2008)
Selbstverständlich war ihm das Rheinische vertraut, auch wenn sich der Dichter Heinrich Heine in seinem »Memoiren«-Fragment stolz darauf beruft, wie ihn von früh an die hannoversche und damit beste Aussprache des Hochdeutschen vonseiten seines Vaters geprägt habe und wie sehr ihn das Rheinische, zumal aus Köln und wenn es in Richtung Holland gehe, doch eher, um es gelinde auszudrücken, wenig anspräche! Verstehen konnte er das Idiom seiner Heimat zweifellos dennoch und die damit einhergehende Liebenswürdigkeit wie Schnoddrigkeit mochte ihm durchaus viel besser gefallen, als er dann öffentlich zugab. Er war eben doch des freien Rheins noch weit freierer Sohn, was er 1844 im Vorwort zu seinem Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ eigens bekennt. Und wenn es um den Niederrhein und Düsseldorf ging, war fast ein Jahrzehnt zuvor im Skandalroman seiner Zeit mit dem Titel »Wally, die Zweiflerin« von Karl Gutzkow aus dem Jahre 1835 Heines Geburtsstadt nach Goethes Tod gleich, wenn auch vorsichtig, zum neuen Weimar ausgerufen worden. Denn hier hielten, wenigstens ansatzweise, Literatur, Kunst und Musik in einem kurzen Intermezzo, das als Gesamtkunstwerk begriffen werden konnte, wundersam zusammen. Er lebte nach manchen deutschen Ortswechseln bereits in Paris und sollte dort auch bis zu seinem Tod im Jahre 1856 bleiben.
Heine im Düsseldorfer Originalton! Das ist ein Wagnis, aber es kann gelingen, vor allem, wenn die Auswahl derart souverän Gedichte und Prosa zu einem ebenso eigenständigen wie farbigen Lebensbericht zusammenfügt und auf diese Weise ein neues Ganzes schafft. Das Gemütliche oder Harmlose behält seine hintersinnige Abgründigkeit, die auf Schritt und Tritt im Dialekt zu findende Verkleinerungsform erreicht auf elegante Weise eine humoristische Glaubwürdigkeit. Gerade in der Lyrik ist manches Mal eher von Übertragungen, ja Neuschöpfungen und Erfindungen zu sprechen und nicht von getreuen Übersetzungen. Dafür liegen einfach zu große Welten zwischen dem Hochdeutschen und der in Düsseldorf gesprochenen Sprache. Aber den aus der Altstadt stammenden weltberühmten Schriftsteller kann man dennoch zwischen den Zeilen und unter allen so bequem, ja vertraut klingenden Worten wieder finden – und er wird einem gefallen. Monika Voss sei Dank! Sie hat den komplizierten Seelenfalten nachgespürt und nicht nur den richtigen, sondern passenden Ausdruck sagen lassen, was gemeint war. Selbst wenn der Dichter einem vorher schon, im Unterschied zu vielen anderen, so wenig entrückt erschien, so spontan und nachbarschaftlich nah, in der Düsseldorfer Verwandlung ist er erst recht derart zu vernehmen, als ginge er auch lange nach seinem Tode noch neben uns her und erschlösse uns die Stadt, die Umgebung, das Rheinland und schenke uns dadurch am Ende sogar einen großen Teil der uns zugehörigen Welt.
(Joseph A. Kruse als Geleit in: Monika Voss: Kennste noch dat alde Leed. Düsseldorf: Droste Verlag 2006, S. 5-6.)
Geschichten für Leser mit Herz für Platt
Wenn Monika Voss über den Markt geht, oder an der Kasse im Supermarkt steht, ist sie immer mit einem Ohr bei den Menschen, die noch so neben ihr stehen und gehen. Zu schön sind manchmal die Geschichten, die sie hört, zu unterhaltsam die sich entwickelnde Situationskomik. Das ärgert zwar ihren Mann wenn er mit dabei ist, ihre Leser jedoch freuen sich, denn die Geschichten, die Monika Voss schreibt, sind von der Straße, Geschichten aus dem alltäglichen Leben. Düsseldorfer Geschichten und das Schöne daran: Sie sind auf Platt geschrieben. „Vill Jedöns öm nix“ heißt ihr neues Buch, das jetzt im Droste Verlag neu herausgekommen ist.
Die Düsseldorfer tun sich etwas schwer mit dem Düsseldorfer Platt. Zwar ist gerade bei den Älteren das Platt noch in aller Munde, aber nur die wenigsten von der jüngeren Generation versteht das Platt auch. „Platt wird immer nur mit Kirmes, Kneipe und Karneval in Verbindung gebracht, dabei ist Platt ein Stück Sprachkultur“, sagt Monika Voss.
Die in Düsseldorf geborene Autorin durfte in ihrer Kindheit kein Platt sprechen. „Das war nicht schick und galt eher als Sprache für Ungebildete.“ Inzwischen ist Monika Voss seit 1965 Lehrerin in einer Düsseldorfer Grundschule und hat sich selbst das Platt wieder beigebracht. Neben ihrer Kolumne in der Rheinischen Post leitet sie eine Arbeitsgruppe für Mundart an ihrer Schule, an der die Schüler mit viel Spaß mitmachen. Zwei Bücher hat sie bereits in Platt geschrieben und auch den einzigen Düsseldorfer Asterix & Obelix-Comik mundartgerecht übersetzt.
„Vill Jedöns öm nix“ heißt nun das neue Buch und wieder hat sich Monika Voss viel Muße genommen und Geschichten mit Herz und Humor geschrieben. Prosa, Gedichte und kleine Geschichten auf 200 Seiten, illustriert von Zeynep, lassen den Leser das alltägliche Leben mit einem Augenzwinkern erleben. Es sind Geschichten über „Wat et nit all jöwt“, „Alle Johr widder“, über den "Könsler en de Kösch" oder die Geschichte „För de Beauty“.
Da wird das Weib zum Luder, das Verknalltsein zu Hezz verlore, der Schmerz zum Ping. „Mundart drückt das Lebensgefühl einer Region aus, und die Dinge sind mit Platt oft viel bildhafter auszudrücken“, so Voss. Da wird der Schönheitswahnsinn auf die Schippe genommen, der Trend vom Joggen weg zum Walken oder das Alter. „Vill Jedöns öm nix“ ist ein köstliches Lesevergnügen, für alle, die hintergründigen Humor lieben und ein Herz für Düsseldorfer Platt haben.
(Birgit Kranzusch in: www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten, 23.09.2004)
In Mundart lässt sich vieles treffender und menschlicher sagen. Das neue Buch von Monika Voss „Vill Jedöns öm nix“ beweist das. Flotte Geschichten und kurzweilige Reime über den bunten Alltag.
„Et jöwt nix, wat mr nit op Platt usdröcke kann.“ Die Behauptung kommt Monika Voss flott über die Lippen. Denn die gebürtige Düsseldorferin kann natürlich „ons Heematsproch“ fließend sprechen und „Dönekes“ zum Besten geben, bei denen sich die Lippen des normalen Hochdeutschen verknoten würden.
Aber die Aussprache allein macht nicht das Liebenswerte des Düsseldorfer Platts aus. Denn nicht alle hochdeutschen Formulierungen sind eins zu eins ins Platt zu übersetzen. Oft sind Umschreibungen nötig, die aber gerade den besonderen Reiz ausmachen. Eine Kostprobe aus dem neuesten Buch von Monika Voss: bei einem Gebet beispielsweise wird aus dem hochtrabend klingenden „Herrgott, vergib mir meine Schuld“ ganz einfach „Vatter em Hemmel, dröck ens e Öjelche zo, wenn ech jet Fieses jedonn han sollt.“ Das trifft die Gefühlslage eines kleinen Sünders sehr viel besser.
Monika Voss denkt im Grunde in Düsseldorfer Mundart und ist deshalb ist eine Meisterin darin, die Charakterzüge eines Menschen oder das Hintergründige von alltäglichen Erlebnissen plastisch, bunt und tiefsinnig darzustellen, wie RP-Leser durch ihre Kolumne „Onger ons jesaht“ wissen. Und in der Mundart schimmert dann stets der Humor durch, der Dinge nicht so wichtig erscheinen lässt.
Genau beobachtet beispielsweise das „Bohei am Büffet“, das die Gäste wie ein Heuschreckenschwarm leer putzen. Oder die Qualen, der Schönheit (auf neudeutsch Beauty, op platt Bjutti) wegen Chirurgen zu konsultieren oder die Qual von hochhackige Schuhen auf sich zu nehmen. Oder die Geschichten vom Mann, der kochen will, vom Ertragen des Schmerzes oder vom Altern. Wie gewandt Monika Voss mit der Mundart umgehen kann, zeigen ihre Verse, die ebenso vergnüglich wie die Verzällchen sind.
Langen Beifall gab’s, als Monika Voss eine Reihe von Geschichten bei der Vorstellung ihres dritten Mundart-Buches „Vill Jedöns um nix“ im Hetjens-Museum vorlas. Mit Bedacht war es zur Vorstellung ausgesucht worden, weil Monika Voss dort „regelmäßig Führungen durch die Keramik-Ausstellung op platt macht“, erklärte Gastgeberin Karin Sporkhorst.
Zu pädagogisch wird es bei den Führungen nicht, obwohl die Lehrerin Monika Voss gut mit Kindern umgehen kann und ihre Power-Pänz von der Grundschule fürs Platt begeistern kann, wie Verleger Manfred Droste selbst erlebt hat. Er gab den Gästen bei der Vorstellung auch gleich ein lehrreiches Rezept fürs Lesen der Dönekes: Nicht alles auf einmal verschlingen, sondern jeden Tag ein Verzällchen - als tägliche Dosis guter Laune.
(Michael Brockerhoff in: Rheinische Post, 09.2004)
Altbier als Zaubertrank
Die unbeugsamen „Rheinländer“ Asterix und Obelix haben im Dorf an der Düssel ein neues Zuhause gefunden
Die gallischen Helden Asterix und Obelix haben jetzt auch die „Düsseldorwer Aldestadt“ erobert: Sie entdecken das Altbier als „Fläschke mit dem Kawuppdisch“ und machen sich in Novesia auf die Suche nach dem „Köschemetz us Jold“. Erstmals ist ein Band der erfolgreichen Comicserie auf Düsseldorfer Platt erschienen. Gestern wurde die Premiere vom „Gallier an de Düssel“ im gut gefüllten „Uerige“ gefeiert.
Die Jury, die neben anderen mit Heinrich Spohr, dem Chef der Heimat- und Brauchtumsvereine und dem Vorsitzenden der Düsseldorfer Mundartfreunde, sowie dem Ur-Altstädter Engelbert Oxenfort besetzt war, wählte in einem Wettbewerb Monika Voss zur besten Übersetzerin. Die 58-jährige Grundschullehrerin ist seit Jahren bei den Düsseldorfer Mundartfreunden aktiv, und hat die hochdeutsche Vorlage „Die goldene Sichel“ in sieben Wochen ins Platt übersetzt. Dabei ist die Expertin in Sachen Dialekt ganz ohne Wörterbuch ausgekommen. „Die Sprechblasen waren mir fast zu klein. Besonders die römisch-rheinischen Ausdrücke lagen mir am Herzen“, sagt sie. „Schade nur, dass mein alter Lateinlehrer das nicht mehr mitbekommt“, ergänzt sie schmunzelnd. Ihre eigene Schulkarriere könnte sie vielleicht auch bald an den Nagel hängen, so gut kommt ihr „Verzällche“ vom Asterix beim Publikum im „Uerige“ an.
Mit den Kabarettisten Karl Apweiler und Heinrich Hambitzer liest sie die „Goldene Sichel“ in verteilten Rollen vor. Wobei auch gleich klar ist, wer wer ist: Denn Apweiler liest den wackeren Asterix und Hambitzer spricht mit blau-weiß gestreifter Hose und Helm den gewichtigen Freund, der als Kind in den Zaubertrank gefallen ist.
„Bei den Texten war es nicht nur wichtig, genau zu übersetzen, sondern vor allem den hintergründigen Humor zu treffen“, sagt Spohr. So wird im „Köschemetz“ der Zaubertrank zum Altbier, der nimmersatte Obelix isst mit viel „Kohldamp“ seine Wildschweine und auch der Hoppeditz sowie der Schlossturm spielen in dem 46-seitigen Heft eine große Rolle. Dass auch mal die „Vip-Launsch“ in Düsseldorf auf die Schippe genommen wird, findet Klaus Mühlsteffen, der die Asterix-Serie in Mundart 1995 ins Leben gerufen hat, gut. Insgesamt ist der Comic in 24 verschiedenen Dialekten erschienen. Die „Goldene Sichel“ ist bislang in einer Auflage von 15 000 Stück erschienen und gibt’s für 19,80 Mark im Buchhandel.
(Ellen Schröder in: Westdeutsche Zeitung, 17.02.2001)
Monika Voss: Irgendwie löpt dat schon. Eine Lehrerin erzählt Histörchen aus dem Alltag
„Met jroß Jedöns on vill Bohei jeht so e Johr janz flöck vörbei.“ Viel Bohei um sich macht Monika Voss nicht. Die Lehrerin spricht fließend Düsseldorfer Platt. Gerade ist ihr zweites Büchlein erschienen. „Onger ons jesaht“. 175 Seiten voller Gedichte, Glossen und Histörchen aus dem Alltag.
Die Frau mit dem mitreißenden Lachen, dem kurzen grauen Haar und den strahlend blauen Augen war schon als kleines Mädchen fasziniert von der rheinischen Frohnatur und Mundart ihrer Großmutter aus Kaiserswerth. „Aber damals war es eigentlich verpönt, Platt zu sprechen.“ Erst vor zehn Jahren fing die Grundschullehrerin an, für ihre Schüler an der Paul-Klee-Grundschule, Gerresheimer Straße, Gedichte zu erfinden: Über den Wechsel der Jahreszeiten ebenso wie über St. Martin und Weihnachten. Ein paar Jahre später gründete sie die erfolgreiche Kinder-Mundartgruppe „Power Pänz“.
„Mundart ist bildhafter als Hochdeutsch und trifft oft den Nagel auf den Kopf, ohne verletzend zu sein“, begeistert sie sich. Anstatt von einem „stumpfen Messer“ zu sprechen, habe ihre Oma immer gesagt: „Op dem Metz künnste bas noh Kölle riede“. Und sagte man etwa: „Leck’ mich doch dä Zocker vom Kooke“, könne sich niemand beleidigt fühlen. „Das ist immer etwas verschmitzt, aber nie bösartig“. Wie die Rheinländer selbst, die „zum Glück“ nicht alles so ernstnehmen würden und sich nicht unterkriegen ließen: „Immer nach dem Motto: Irgendwie löpt dat schon.“
(KK in: Neue Rhein-Zeitung, 1999)
Mundart ist so jung wie unser Altbier. Monika Voss: Dönekes zom Schmonzele
Leserinnen und Leser der Rheinischen Post kennen sie längst, die Düsseldorfer Lehrerin und Mundartschreiberin Monika Voss. Die Power Pänz an ihrer Schule sind so bekannt wie ihre Texte beliebt sind beim alljährlichen Mundart-Lesewettbewerb Düsseldorfer Schulen. Jetzt ist im Droste Verlag die Sammlung „Düsseldorfer Dönekes zom Schmökere on Schmonzele“ erschienen (26 Mark), aus der sie in der Droste Buchhandlung in den Schadow Arkaden vor vergnügtem Publikum las.
Unvorstellbar, daß Ende der 40er Jahre, nach dem Krieg, in Düsseldorfer Tageszeitungen der Krieg um die richtige Schreibweise von Düsseldorfer Platt tobte. Hans Müller-Schlösser auf der einen, Paul Gehlen auf der anderen Seite waren unversöhnliche Gegner. Erst sehr viel später haben vereinsregisterlich eingetragene Mundartfreunde damit Schluß gemacht, Theo Lücker zunächst, auch Fred Fiedler und andere.
Inzwischen gibt es eine Mundart-Akademie, in der über solchen Streit nur gelacht wird. Also kann Monika Voss, die nach eigenem Bekunden Düsseldorfer Platt in Kaiserswerther Prägung gelernt hat, munter drauflos erzählen und -reimen. Sie tut das souverän, gleich weit entfernt von betulichen Mäuzkes wie von platter Tiefgründelei, mit Humor, mit Ironie und sogar mit Selbstironie. Davon überzeugte ihre Lesung. Und auch davon, daß Mundart nicht alt oder veraltet ist, so wenig wie unser Altbier (Bier alter Brauart), das ja in Wahrheit ein junges Bier ist. Auch davon gab es Kostproben.
Die (Mundart-)Lehrerin Monika Voss ist denn auch ganz modern, sonst würde sie ihre (P)rasselbande an der Schule nicht Power Pänz nennen. Sie scheut auch vor den Events an der Düssel nicht zurück, zu denen sie die Jazzrally am Rhing zählt, aber auch de Böcherbummel op ons Kö. Dem Tünnemann der Rheinischen Post widmet sie einen Brief und dem Harry Heine im Heine-Gedenkjahr eine Loreley.
Christiane Lüking von der Droste Buchhandlung ist aus Norddeutschland einen sehr viel selbstverständlicheren Umgang mit dem heimischen Platt gewöhnt als wir. Aber sie konnte dem Düsseldorfer multikulturellen Selbstverständnis spezielle Streicheleinheiten verpassen. Die Illustrationen im Buch stammen nämlich von der in Essen lebenden Türkin Zeynep Yüksel. Und türkische Kinder zählen seit Jahren zu den Preisträgern im Mundartwettbewerb.
(Gerda Kaltwasser in: Rheinische Post, 1997)