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Margot Schroeders Poem „Testament der Augenblicke“ ist eine dichterische, verdichtete Vergegenwärtigung des Vergangenen, das im Kopf, im Fühlen und Denken der Betroffenen ein Leben lang gegenwärtig ist. Dabei wird die aktuelle Gegenwart keineswegs ausgespart, ist vielmehr im Hintergrund ständig anwesend mit ihren bedrängenden Eindrücken. Zitat: „ ... in den Fußgängerzonen kleben Modeschreie/an Kleiderständern fest/ mein Kopf führt Orte spazieren/ die es nicht gibt... Meine Haut ein Gewirr aus Falten und Dellen/ ohne Fluchtpunkt- ohne Ziel/ ein ampelloses Chaos aus Geschichte.“
Das ist die eine Ebene des langen, rhythmischen Gedichts: das alt gewordene Kind vor dem Spiegel, das die Welt nicht mehr versteht. – Und dagegen geschnitten, ganz unmittelbar präsent, das Kind das seine ersten Fragen stellt, Fragen, die nie beantwortet wurden: „Warum heißen Sirenen/Sirenen – Mama?“
(Horst Landau: Antenne Düsseldorf, 2011)
„Jetzt ein paar Tränen opfern / und die Liebesszene /zerrinnt in einem Chanson“ sinnt Margot Schroeder in ihren Gedichten und träufelt dabei durchaus ein wenig Ironie über das Papier. Die Zeilen gehören zu der Stadt der Sinne, zu Paris, natürlich. In ihrem neuen Band, „Ohne Türgriff in die Momente“ gibt die Autorin und Fotokünstlerin Orten und Metropolen Maß und Rhythmus.
Über zwanzig Texte hat Michael Serrer, Leiter des NRWLiteraturbüros, aus dem Fundus der fast 70-Jährigen ausgewählt. „In London war ich 1975“, erzählt Schroeder, aber das Gedicht habe ich erst später geschrieben. Mit ihrer Gabe, die Mikrokosmen der Momente aufzuspüren, saugt die gebürtige Hamburgerin Klänge und Gerüche auf. Nimmt mit fotografisch geschultem Blick die tristen Stillleben der Themsestadt ins Visier und kleidet diese in Lebenserfahrung: „All diese kleinen Traurigkeiten / Vorboten der Gelassenheit“.
Das nächste Ziel: Kairo
Es gibt keine Stadt, der Margot Schroeder den Vorzug geben würde, dazu seien alle zu unterschiedlich, meint sie. Aber: „Wenn ich am Flughafen oder am Bahnhof aussteige, dann weiß ich sofort, ob ich die Stadt mag oder nicht“.
Die Verse über New York spiegeln ihre Eindrücke von 1983 wieder. „Über den 11. September wollte ich gar nicht schreiben, aber dann hat der Sohn einer Freundin wegen des Attentats ein zorniges Gedicht herum gemailt, dass ich mich zu einer Antwort herausgefordert fühlte“, beschreibt Schroeder die Entstehung des weiteren New York -Textes.
Ihre Wahlheimat Düsseldorf fokussiert die Oberkasslerin mit Präzision. In der Beuysstadt fühlt sie sich als „Ohr in Wartesälen / und im Gedächnisfilz / bin ich ein Fettfleck / auf Schonbezügen.“ Anschließend erntet sie die „Heroischen Rosen“ von Paul Klee. Auch jetzt geht Margot Schroeder wieder auf Reisen. Kairo heißt ihr nächstes Ziel.
(Pamela Broszat in: NRZ, 2005)
[…] Der Musiker Frank Michaelis sucht per jazziger Improvisation nach ‚Zeitgeistern’ und findet sie in den Gedichten von Margot Schroeder. Diese las, unterstützt von Michaelis, kürzlich aus ihrem Gedichtband ‚Nulpen-Tulpen’ im Theater an der Luegallee. Ihr Vortrag, sie liest im Stehen, ist trocken und humorvoll: Die gehbürtige Hamburgerin fängt in ihren kurzen Nonsens-Gedichten die Blüten ein, die die Spaßgesellschaft treibt, und lässt sie sich selbst ad absurdum führen. [...] Die hintergründigen Gedichte Margot Schroeders und die schräge, lyrische Musik von Michaelis ergänzten sich wunderbar ...
(Rheinische Post, 25.3.2003)
[…] Seehundteams tragen Reklame auf den Flossen, der Weihnachtsmann wärmt seinen Po im Sonnenstudio und Cola-Dosen klagen über Blecharthrosen: Schräg und aberwitzig geht es zu in Margot Schroeders neuem Lyrikband mit dem programmatischen Titel „Nulpen - Tulpen“.
Insgesamt 54 Nonsensgedichte sind in dem Buch versammelt, das jetzt im Verlag S. Koenigs erschienen ist. Ebenfalls zwischen die Buchdeckel gepresst: Augenzwinkernde Illustrationen der Düsseldorfer Cartoonistin Birte Strohmeyer. Ob in ihren Romanen, Kinderbüchern oder aber in ihren Gedichten: Politisches Engagement prägt das literarische Schaffen Margot Schroeders. Mit anarchistischem Witz und spitzer Feder schreibt die 64-jährige Autorin gegen soziale Ungerechtigkeiten an. Die Kritik ist dabei immer auch mit Utopie gepaart: In Schroeders Texten lässt es sich leben, - da es immer auch Menschen gibt, warmherzig beschriebene Figuren, denen zu trauen ist, die ein Beispiel sind für ein solidarisches Zusammenleben, für den aufrechten Gang. Das ästhetische Prinzip ihrer bisherigen Lyrik: der Jazz. Improvisationen, schnelle Wendungen, abgekürzte Geschichten, nur angedeutete Stimmungen.
Mit „Nulpen - Tulpen“ setzt Margot Schroeder nun auf einen neuen Stil: den Rap. Auf Lesungen hat sie ihre Texte schon getestet, - sie teilweise in rhythmischem Sprechgesang vorgetragen: schnell, getrieben und auf hypnotisierende Weise monoton. In Orientierung an den „Rap“ wird drauf los gereimt. Überdreht und verspielt wird der eigene Wortschatz durcheilt und auf seine Reimtauglichkeit durchgecheckt: „Ein Geldsack hat sich vorgenommen nicht als Griesgram zu verkommen. Auf einer Therapeutenliege treibt er qualvoll Selbstintrige.“
Mit Nonsens-Reimen rückt Schroeder einer Welt zu Leibe, auf die sich letztlich gar kein Reim mehr machen lässt: Orientierungslos trudeln die Subjekte in ihren Gedichten durch die bunte Warenwelt der Schnäppchenangebote, junge Frauen trimmen sich mit Magersucht auf linientreue Modelbäuche und einsame Herzen verlieren sich im Internet. Traurig ist Schroeders Blick auf die Welt, - lustig ihr neuer Lyrikband.
(Arndt Stermann in: Neue Ruhr Zeitung, 16.01.2002)
[…] Tratschtante Martha verliebt sich in Holzbein-Erwin, Transvestit Paul schwebt als Paula in duftigen Kleidern durchs Haus, Punker Tim schleppt seine Mutter mit zu Technoparties, die strenge Agnes schickt heimlich Nonsens-Verse ins Internet - und die altersverwirrte Lilly? Sie ist aus dem Altenheim geflohen und sucht Unterschlupf im ‚Eulenhaus’ und seinen leicht ‚ver- rückten’ Bewohnern, auch Schnee-Eulen genannt. Lilly verlangt einen ‚Oktobertee’ und auf die Frage, was das denn sei, antwortet sie: ‚Wein, für mich ist das gereifter Wein.’
[...] Menschen unterschiedlichen Alters, alle ein bisschen schrullig, oder, wie es die Autorin doppeldeutig ausdrückt, ‚leicht ver- rückt’, leben im ‚Eulenhaus’. Die zehn gleichberechtigten Hauptpersonen helfen sich, den Alltag zu bewältigen. Doch das ist alles andere als spießbürgerlich. ‚Sie schwimmen gegen den Strom’ erklärt die Autorin, ‚geben sich eigenwillig, verschroben, ja drollig’. Doch bleibt dem Leser oft das Lachen im Hals stecken. Zum Beispiel, wenn ‚Flüchtling Lilly’, abgenabelt von den Versorgungsschläuchen der Altenheim-Station, auf kindliche Weise noch einmal die Freiheit genießt.
(Heide-Ines Willner in: Rheinische Post, 20.8.1998)
Man muss sie, je mehr man sich eingelesen und eingelassen hat, einfach liebhaben, diese Ansammlung von versponnenen Spinnern und spinnerten Versponnenen, mit denen Margot Schroeder ein Hamburger Haus literarisch bevölkert hat. Zumal es sich um ganz gewöhnliche Leute handelt, also um Angeschlagene, Zermürbte, Abgestoßene, Alte und JUnge, denen nur eines gemeinsam ist, in einer Hausgemeinschaft ihre Verschiedenartigkeit ohne Ellenbogen leben zu wollen.
Da ist die leichttratschige, leichtknatschige, spießigputzfimmlige Martha, die den eher lebenslustig gestandenen Holzbein-Erwin liebt, der - was für ein Bild! - ständig an neuen Ersatzholzbeinen schreinert und schnitzt und mit dem sie eine kompliziert-schöne Liebesgeschichte hat.
Da ist Agnes, eine ehemalige Lehrerin, die tagsüber etepetete und linialkorrekt die sozialen Angelegenheiten der Hausgemeinschaft regelt und organisiert und nächt heimlich Nonsensgedichte ins Internet stellt.
Da ist der spiegel- und kleiderverliebte Transvestit Paul-Paula, der gute Geist und die gute Fee des Hauses zugleich, das von der Vergeblichkeit sozialberuflichen Strebens mürbe Sozialarbeiterehepaar, das dennoch nicht aufgibt, die von der Abkassiergesellschaft abgestoßene, bluestraurige Lisa, der, im Rahmen dieser lebenswürdigen Gemeinschaft, respektvollere Erfahrungen zu stoßen.[...]
Margot Schroeder versteht es, mit Anteilnahme und Distanz, mit Mitleid, Ironie und Humor, aus ihren Personen (nicht nur) literarische Lebendigkeit herauszuschreiben. Wo sie auf den ersten Alltagsblick farblos erscheinen mögen, entdeckt die Autorin die Buntheit. Margot Schroeder beschönigt ihre Figuren nicht, sie verrät sie aber auch nicht. Diese Kunst der Balance sorgt für die Spannung und die Lust, das Buch in einem Zug und bis zum traurigbitteren, anrührend bewegenden Ende lesen zu wollen.
Und was der titelgebende „Oktobertee“ ist und sein soll? Ein bekanntes beflügelndes und berauschendes Getränk, das, in seinen Maßen genossen, zur Lebensfreude beiträgt. Wie Margot Schroeders kleiner, schön-großer Roman.
(Peter Maiwald in: Nürnberger Nachrichten, 1998)
[…] Besonders eingängig sind Margot Schroeders Gedichte nicht, auf jeden Fall dann nicht, wenn sie nur flüchtig gelesen werden. Und gerade diese Flüchtigkeit und Schnelligkeit, die sich ihre Gedichte verbitten, macht die Wahl-Düsseldorferin zum Thema ihres Lyrikbands ‚Haltlose Tage’. Schnelllebigkeit, rasche Eindrücke. Oberflächlichkeit stellt sei dar, prangert sie an, entlarvt sie als gesellschaftsbestimmend. Margot Schroeder fordert Konzentration für Eilendes, Rasendes, nicht zu Haltendes. Sie macht die Zeit, die eigentlich gar nicht mehr verfügbar ist, zum bestimmenden Element; sie schreibt von ‚Haltlosen Tagen’.
[..] Die 1937 in Hamburg geborene Margot Schroeder gibt ihren Gedichten durch Wortwahl und metrische Form ein ungeheueres Tempo. Außer dem Punkt benutzt sie keine Satzzeichen, regelt Rhythmus und Atmung durch eine vertikale Schreibweise, die oft nur untereinanderstehende Wörter zulässt. Auf diese Weise bombardiert sie den Leser mit zeichenhaften Eindrücken. Für Bruchteile von Sekunden entfalten sich Bilder, um dann sofort vom nächsten verdrängt zu werden. Spontan die Gedankenkette auf einer Zufahrt im Gedicht ‚Freie Fahrt’: ‚Dosenbier / an die Brust genommen / hinter den Zeilen / Küsse die spucken / Schnittblumen aus / Drei Lilien...’ […]
(Ester Schulhoff in: Rheinische Post, 5.8.1993)
[…] Margot Schroeders Gedichte beeindrucken durch Vitalität und metaphorische, am Surrealismus geschulte Kühnheit. Eine Poetin, der es, wie spielerisch, gelingt, die üblichen Formulierungskischees zu durchbrechen. Fern von Sentimentalität weiß sie Gefühl und Vision im prägnanten Ausdruck zu verankern. Meist ist Schroeder, in knappen Formaten, wuchtig-expressiv. Aber bisweilen bringt sie auch zartere elegante Gesten hervor. Über „Postmodere“ schreibt sie, in emblematischer Kürze, Verse von delikater Anzüglichkeit: „Das bisschen/ Rest/ Risiko/ geht/ im kleinen Schwarzen/ zum Abschlussball.“ Über „Gorleben“, zweifellos, ließe sich ein Haufen polemischer Manifeste verfassen. Schroeder geht das Sujet indirekt und poetisch an. Die erste Strophe lautet: „Jetzt Liebe machen/ noch kommen die Bussarde live/ über die Mäuse/ die Wachtürme ringsrum/ ernähren sich trefflich/ mit Weite/ und anziehend riecht es nach Wald.“
Gedichttitel wie „Eruption“, „Ekstase“, „Raserei“ verraten einiges von der Gemütsverfassung der Autorin: Sie liebt das Extreme (manchmal ist sie auch ein wenig verrückt). Ihre poetische Extraklasse besteht darin, dass sie den heftigen Impuls nicht im Rhetorischen verpuffen, sondern in Wort und Bild überzeugend Gestalt werden lässt. Schroeder - eine starke Frau!
(Franz Norbert Mennemeier in: Neues Rheinland, H. 3/1994. S. 25)