INSTITUT FÜR GERMANISTIK

Düsseldorfer Autorinnen - Ellinor Wohlfeil

Das Bildrecht liegt bei der Autorin.

Vita

  • 1925 in Braunschweig geboren und aufgewachsen im Harz, in Bad Harzburg.
  • Seit 1950 lebt sie in Düsseldorf-Unterbach. Sie nahm privaten Schauspielunterricht und bestand 1951 die Bühnenreifeprüfung, die jedoch nur zu kürzeren Bühnenengagements führte. Aus ihrer Ehe gingen zwei Söhne hervor.
  • Ab 1966 als Aushilfslehrerin tätig im Zuge des Mikat-Programms. Es folgt ein PH-Studium; im Anschluss ist sie als ‚reguläre’ Grundschullehrerin bis 1985 tätig.
  • Nach der Frühpensionierung 1985 wirkt sie im neu gegründeten Seniorentheater mit und beginnt mit dem Schreibens; seit 1990 versteht sie sich als ‚freie Autorin’.
  • Sie ist Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband FDA; von 2005 - 2011 fungiert sie als dessen Schriftführerin.
  • Mitglied im Freundeskreis Düsseldorfer Buch ´75 e.V.
  • Ellinor Wohlfeil nimmt viele Lesungstermine in Büchereien, Schulen, Erwachsenbildungsstätten und Literatursalons in NRW wahr.

Auszeichnung

  • 2007 Für ihr Gesamtwerk erhält sie den Literaturpreis des Freundeskreises Düsseldorfer Buch ’75 e.V.

Homepage der Autorin

http://www.ellinor-wohlfeil.de

Publikationen

Prosa

  • Im Zwielicht der Zeit. Roman. Neuedition bei Verlag 3.0: Bedburg 2013
  • Verwässerte Zeugnisse. Roman. Neuedition bei Verlag 3.0: Bedburg 2013
  • Texte zu den Themen: ‚Lichter’, ‚Palmen’, ‚Flehend’, ‚Straßencafés’ und ‚Stadt’ für den Literaturautomaten im Düsseldorfer ZAKK, März 2010
  • Im Bann der Vergangenheit. Roman. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2007 (2. Band der Familiensaga: 1945 – 1975). Beim Verlag seit 2011 auch als Elektronische Ressource verfügbar.
  • Im Zwielicht der Zeit. Roman. Norderstedt: Books on Demand GmbH 2006 (1. Band einer Familiensaga: 1912 - 1945). Beim Verlag seit 2011 auch als Elektronische Ressource verfügbar.
  • Verwässerte Zeugnisse. Roman. Mit Acrylgemälden von Ursula Kreuer. Hrsg. von Elisabeth Büning-Laube. Reihe: KunstLive 7. Düsseldorf: Edition XIM Virgines 2001. 2. Aufl. 2002 und 2004: Norderstedt : Books on Demand GmbH
  • Redaktion zus. mit Ludowika Eschrich, Ruth-Marion Flemming, Siegfried Jahnke: Freundeskreis Düsseldorfer Buch '75 e.V. Chronik 1975-2000; hrsg. vom Freundeskreis Düsseldorfer Buch '75 e. V. Düsseldorf: In: „Der Gießerjunge“, 2000
  • Ich bleibe solo: Erfahrungen mit dem Glück. Gelnhausen: TRIGA-Verlag, 1999

Beiträge in Anthologien

  • In: Mehrstimmig. Anthologie des Landesverbandes NRW im Freien Deutschen Autorenverband. Hrsg. von Detlef Gojowy. Simmern: Pandion, 2003
  • In: Farbbogen. Hrsg. von Elisabeth Büning-Laube. Düsseldorf: Edition XIM Virgines, 2003
  • In: Schmunzelbuch. Anthologie des Freundeskreises Düsseldorfer Buch ´75 e.V. Düsseldorf: Verlag der Buchfreunde, 2003
  • In: Zukunftsangst - Zukunftshoffnung. Anthologie des Freundeskreises Düsseldorfer Buch ´75 e.V. Düsseldorf: Verlag der Buchfreunde, 2000
  • In: Goethe mal ganz anders. Anthologie des Freundeskreises Düsseldorfer Buch ´75 e.V. Düsseldorf: Verlag der Buchfreunde, 1999
  • In: Frischgewaschen strahlt der Himmel. Dorsten. Heike Wenig Verlag, 1998
  • In: Kamingeflüster. Heike Wenig Verlag: Dorsten 1998
  • In: Pflücke die Sterne, Sultanim. Heike Wenig Verlag: Dorsten 1996
  • In: Wie ein entwurzelter Baum. Heike Wenig Verlag: Dorsten 1993
  • Gedichte in den Anthologien der Deutschen Nationalbibliothek und der Frankfurter Bibliothek.

Pressestimmen

Zur Preisverleihung (2007):

Durch einstimmigen Beschluss des Vorstandes erhält eine Autorin diesen Preis, deren Prosaerzählungen und Romane sich durch einen heute selten gewordenen Stil und eine Sprache auszeichnen, die sich in so herausragender Weise von anderen, dem Zeitgeist geopferten Arbeiten abhebt. […] Alles, was Ellinor Wohlfeil geschrieben hat, ist so dicht und gekonnt geschildert, dass es außer Zweifel steht: Ellinor Wohlfeil wird einen bleibenden Platz in der deutschsprachigen Literatur über die Gegenwart hinaus einnehmen.

(Laudatio von Siegfried Jahnke, Redakteur des „Gießerjungen“, Literaturzeitschrift des Freundeskreises Düsseldorfer Buch '75 e.V., 14. November 2007)

Zu: Im Bann der Vergangenheit (2007):

[...] Anna, einer sogenannten Mischehe zwischen einem Juden und einer Christin entstammend, sucht nach den traumatischen Erlebnissen der Kindheit ihren Weg, den Weg zu beruflicher Erfüllung, aber auch zu menschlicher Geborgenheit. Beide Versuche scheitern. Mit bemerkenswerter Energie versucht Anna Schauspielerin zu werden. Sie macht Atem- und Sprechübungen, nimmt Schauspielunterricht, doch außer kleinen Rollen in Provinztheaters bekommt sie keine Auflage, die sie ausfüllen würde.

So läßt sie sich schließlich durch Verwandte und Bekannte in eine Ehe drängen, die sie letztlich nicht nur nicht glücklich macht, sondern im Lauf der Jahre zu immer stärker werdenden Depressionen führt. Schließlich erfüllt sich Annas Lebensplanung doch noch in überraschender Weise. Sie absolviert ein Pädagogikstudium und wird Lehrerin. Diese neue Herausforderung erfüllt sie und gibt ihrem Leben Sinn.

Zwei Gesichtspunkte machen dieses Buch, wie auch Ellinor Wohlfeils Prosa insgesamt, in hohem Maße lesenswert: Es ist einmal die für unsere Zeit erfreulich gepflegte Sprache und die straffe erzählerische Konzeption. Zum andern aber die ehrliche Schilderung des Lebensweges einer Halbjüdin, eine Schilderung, die sich so wohltuend abhebt von der Unzahl von Druckerzeugnissen, die sich mit der Judenverfolgung beschäftigen und lediglich auf Hörensagen beruhen oder in den trüben Gewässern der Kriegs-und Nachkriegspropaganda gründeln. [...]

(Siegfried Jahnke in: Der Gießerjunge, Oktober 2007)

[…] Ich werde jetzt wohl keinen Roman mehr schreiben“, zieht die Autorin in ihrem idyllischen Refugium in Unterbach eine Art Schlussstrich. „Wichtig war mir zu zeigen, wie Krieg und Nationalsozialismus in Lebensplanungen der Menschen eingegriffen und Lebenswege zerstört haben.“ […] Mit der Umsetzung ihres eigenen Schicksals in einen Roman ist es ihr gelungen, sich aus dem Bann der Vergangenheit zu befreien. „Mein Leben verläuft jetzt in ruhigen Bahnen“, sinnt Ellinor Wohlfeil. […]

(Heide Horn in: NZR, 1.09.2007)

Zu: Im Zwielicht der Zeit (2006):

[...] „Im Zwielicht der Zeit“ ist keine Familienchronik, wohl aber unverkennbar von autobiographischen Ereignissen geprägt. „Schreiben ist mein Lebensinhalt geworden“, erzählt die ehemalige Grundschullehrerin, die seit 1965 in Unterbach wohnt. „Angefangen habe ich damit nach dem Tod meines Mannes und meiner mit seiner Krankheit verbundenen Frühpensionierung.“ [...] Ich möchte mit meinem Roman zeigen, wie politische und gesellschaftliche Zwänge in das Schicksal einzelner Menschen eingreifen“, erzählt Ellinor Wohlfeil. Als Kind einer sogenannten Mischehe, ihr Vater war Jude, hat sie Gegenwart und die schrecklichen Folgen des Nationalsozialismus hautnah erlebt. Als sensible Zeitzeugin bringt sie dem Leser anschaulich und einfühlsam ein Stück Zeitgeschichte nahe. [...]

(Heide Horn in: NRZ, Erkrath, 20.09.2006)

[...] Mutet die Autorin dem Leser zuviel nahe stehende Tote, zuviel Leid zu? Das Bild der vom Schicksal immer wieder zu Boden gerissenen Gertrud wirkt oft überzeichnet, vermittelt einen ständigen, schalen Geschmack der Verzweiflung. Immer wieder scheint sie das wirkliche Glück endlich erhascht zu haben, bis die Wirklichkeit sie zurückholt auf den harten Boden der Tatsachen. Dahinter scheint der Gedanke zu stehen, dass das Leben in seiner ganzen Härte keine Rücksicht darauf zu nehmen scheint, wer schon über die Maßen gelitten hat. Wie viel Schmerz ist einem Menschen zuzumuten, ehe er an seine Grenzen stößt? Wohlfeil stellt diese Frage unaufhörlich, gibt jedoch auch geschickt eine interessante Antwort darauf, indem sie allem Ungeschick den Lebenswillen ihrer selbstbewussten Heldin entgegensetzt. Sie ist das Gegenmodel zur Wirklichkeit, noch bis weit über ihre Hochzeit hinaus strahlt sie einem Engel gleich über die rauen Realitäten hinweg, bis schließlich auch düstere Seiten an ihr selbst zutrage treten, sie gewissermaßen beginnt, ihre moralische Unschuld zu verlieren. Die Person, die Wohlfeil dabei entwirft, ist reich an Facetten, sie stellt sich dem Leser als naive Schönheit ebenso vor wie als ehrgeizige junge Frau, sie ist ebenso mitfühlend und einfühlsam wie rücksichtslos und trotzig. [...]

Die Autorin scheut sich dabei nicht davor, dass Sympathiepunkte für ihre Heldin verloren gehen. In der Beziehung zwischen Gertrud und ihrem Vater wird ebenso deutlich wie in ihrer inneren Zerrissenheit, Treue und Mitleid für ihren jüdischen Mann zu empfinden und ihrem Gerechtigkeitssinn zu folgen, aber auch dem Verlagen nachzugeben ihm, dem ungeliebt Geheirateten, die Schuld für das Leid ihrer Familie zuzuschieben, bestärkt in der Hoffnung, dass ihre Kinder doch von einem arischen Mann stammen könnten. Solche Zerrissenheit erlebt der Leser schließlich auch in dem Verhältnis zwischen Gertrud und ihrer Tochter Anna, die Schauspielerin werden möchte. Gertrud verweigert ihr diesen Wunsch und wiederholt dadurch einen unverzeihlichen Fehler des eigenen Vaters, indem sie der Tochter gegenüber erklärt, dass ein Mädchen ohnehin heiraten und sich dann um eine Familie kümmern müsste. [...]

Dieser Roman erzählt mehr als die Geschichte eines Lebens, weicht aber von der wuchtigen Art des üblichen Jahrhundertromans ab. […] Als literarisches Werk folgt „Im Zwielicht der Zeit“ eher einer groß angelegten weiblichen Familiengeschichte, wie sie Marianne Fredriksson mit „Hannas Töchter“ vor einigen Jahren erfolgreich vorgelegt hat. In Ellinor Wohlfeils Buch aber laufen vielerlei Aspekte zusammen, es ist eine Familiengeschichte ebenso wie ein Stück deutscher Vergangenheitsbewältigung, ein Familienepos, dass philosophische ebenso wie spannend-unterhaltsame Züge trägt. Ruhigere Töne klingen an in Gertruds Tagebucheinträgen, die oft dabei helfen, ihr Verhalten nachzuvollziehen. [...]

Die Geschichte ist dabei liebevoll geschrieben, steht auch der Inhalt im Vordergrund, geht der eigentliche Lesegenuss nicht verloren. Die faszinierend-schönen Züge vergangener Zeiten verschwimmen nicht gänzlich. Wohlfeil lässt noch einmal den Glanz des Kaiserreiches und das bunte Treiben der Golden Twenties auferstehen, ehe das endlose Dunkel des Dritten Reiches hereinbricht. Am Schluss bleibt das Buch so facettenreich wie die Charaktere, die Wohlfeil auftreten lässt.

(Andreas Züll in: Freier Deutscher Autorenverband aktuell, September 2006)

Zu: Verwässerte Zeugnisse (2001):

Die Düsseldorfer Autorin Ellinor Wohlfeil schildert in der Erzählung „Verwässerte Zeugnisse“ die Jahre der nationalsozialistischen Machtergreifung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges - aber nicht wie in einem Geschichtsbuch, sondern aus der Sicht eines damals zehnjährigen Mädchens. Ruth, die Protagonistin des Buches, ist ein „Mädchen vom Land“. Ruhig, beschaulich und frei von jedweden Sorgen lebt sie in dem idyllischen Städtchen Harzburg, besucht dort die Schule und alles geht seinen gewohnten Gang. Bis zum Jahre 1933, ab diesem Zeitpunkt ändert sich Ruths Leben schlagartig: Sie wird mit ihrer ‚nicht-arischen’ Herkunft konfrontiert. Das, was vorher nie ein Thema und schon gar kein Problem war, bestimmt von nun an ihr Leben. „Das Gefühl des Ausgestoßen-, des Gezeichnet-Seins, als ob ich irgendeinen Makel an mir hätte“, wird zu ihrem Lebensmittelpunkt. Ruth wird klar, dass nichts mehr so sein wird, wie es vorher einmal war. Als „Halbjüdin“, ihr Vater ist Jude, bekommt sie mit aller Härte die Macht der Nationalsozialisten zu spüren […]

Ellinor Wohlfeil hat in ihrer Erzählung „Verwässerte Zeugnisse“ einen Zeitraum von 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Perspektive eines jungen Mädchens erzählt. Dieses Mädchen ist Ellinor Wohlfeil – ein junges Mädchen, welches innere und äußere Verletzungen erlitt und viel zu schnell erwachsen werden musste. Die Autorin verzichtet auf detaillierte Beschreibungen der Kriegsgräuel und deren Schauplätze. Und trotzdem ist die Bedrohung spürbar. Eine Bedrohung, die ständig und überall lauert, der man nicht entrinnen kann und die - was noch viel schlimmer scheint - nicht greifbar ist. All das empfindet auch die Protagonistin so, trotzdem stellt sich beim Lesen der Geschichte keine Hoffnungslosigkeit oder Resignation ein. Im Gegenteil, mit Ruths gelungener Flucht aus dem sowjetisch besetzten Teil Deutschlands wird deutlich, dass es möglich ist, nicht nur territoriale Grenzen zu überwinden. [Zur 2. Auflage 2002]

(Henriette Brückmann in: Düsseldorfer Hefte, Januar 2003)

[...] berichtet in ihrem Buch „Verwässerte Zeugnisse“ über das wenig bekannte Leben ‚halbjüdischer’ Kinder im Nazi-Deutschland. Eine Geschichte, die noch nicht Geschichte ist, denn immer noch, so schreibt Herausgeberin Elisabeth Büning-Laube, werden Menschen wegen ihrer Rasse, Hautfarbe oder Religion verfolgt.

Ellinor Wohlfeil schildert Kindheit und Jugend, Jahre schmerzhafter Einschränkungen. Denn die „Rassegesetze“ der Nationalsozialisten verboten den sogenannten Halbjuden die Freie Schul- und Berufswahl. Das intelligente Mädchen, das im Buch Ruth heißt, darf nicht auf eine Oberschule gehen. Und natürlich darf es nicht Jungmädel werden - die Organisationsvorstufe zum ‚Bund deutscher Mädel’ -, darf also auch die Uniform nicht tragen, ist als Ausgeschlossene erkennbar. Das war damals viel schlimmer als heute ohne Markenklamotten in die Klasse zu kommen.

Ständig misstrauisch beobachtet, ständig in Gefahr, die Freiheit zu verlieren, erlebt die junge Ruth das Kriegsende im zerstörten Berlin. Sie räumt Trümmer, schlägt sich auf der Suche nach ihrer Familie nach Magdeburg durch, schwimmt schließlich durch die Elbe in den Westen. Schließlich Heirat und zwei Kinder in Düsseldorf.

(Gerda Kaltwasser in: Rheinische Post, 16.2.2002)

Die Autorin […] beschreibt hier das Schicksal eines halb-jüdischen Kindes […] zur Zeit der Nazizeit. Die Ich-Erzählerin Ruth, geächtet und ausgestoßen aus der Gemeinschaft im nationalsozialistischen Alltag, berichtet von traumatischen Erlebnissen und Konflikten aus Kindertagen und Jugendzeit. In Photoalben blätternd, in alten vergilbten Briefen, erzählt sie einer im Dunkeln bleibenden Zuhörerin ihre bewegende Geschichte. In gutbürgerlichen Verhältnissen behütet aufgewachsen, neben der Mutter von Säuglingsschwester und Kinderfrau umsorgt, fehlte es der kleinen Ruth zunächst an nichts. Die Familie war begütert und hatte Grundbesitz. Das Kind genoß die beste Erziehung und sah schon früh viel von der Welt. Dann – mit Schulbeginn – die barbarische Wende im Leben des Mädchens: ein Sturz ins Extreme, ein alltägliches, stetes Spießrutenlaufen, Niederträchtigkeiten, Gemeinheiten von Mitschülern und Lehrkörper. Gezeichnet, abgelehnt - allen verzweifelten Bemühungen und guten Leistungen zum Trotz. Ruth versteht nicht, begreift nicht. Leere, Trostlosigkeit wachsen. Und die Angst. Nicht nur vor der Gestapo. [... ]

Im Überblick ein sehr ernstes, ein oft beklemmendes Thema fürwahr, indes keineswegs heroisiert, sondern auf stille, beeindruckende Weise wiedergegeben. Erinnerungen an eine längst verlorene Jugend, geschrieben ohne Bitterkeit, wenn auch voller Wehmut. Allerdings wurde diese Geschichte, wie es im Vorwort heißt, aus einem weiteren Grund geschrieben. Das Schicksal des Mädchens Ruth ereignet sich so oder ähnlich heute in aller Welt, überall dort, wo Menschen ihrer Rasse oder ihrer Nationalität, ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe wegen verfolgt werden. Die Autorin möchte mit ihrem Buch zum Respektieren des Andersseins aufrufen.

(R-M-F in: Der Gießerjunge, November/Dezember 2001)

Zu: Ich bleibe solo (1999):

[...] In einfacher, klarer und unverstellter Sprache sowie unter Nennung wichtiger Details wie Namen und Geldbeträge schildert Ellinor Wohlfeil, wie sie sich nach früher Witwenschaft und zweijähriger Trauerzeit durch Zureden ihrer Kinder auf den Weg macht, um den Mann für den dritten Lebensabschnitt zu finden. Der Leser und Zuhörer begleitet sie gerne auf ihrem Weg durch die Welt, zu Menschen mit Wünschen und Sehnsüchten, die sie auf Studienreisen, an der Volkshochschule, im Sauerländischen Gebirgsverein, beim kommerziellen Partnerinstitut und bei der „Freizeitgemeinschaft Frohsinn und Gemütlichkeit” trifft. Viele der freundlichen Leute, die ihre Dienste anbieten, treibt indes die schiere Geldgier. Der ersehnte „Tanz in den Mai” der genannten Freizeitgemeinschaft erweist sich als schamlose Abzocke. Doch der Lebensmut der kultivierten Ich-Erzählerin gewinnt stets die Oberhand [...].

(In: Kreisstadtecho 9.02.2000 )

[…] Und so betrachtet sie die vielen Vorkommnissen, ihre negativen wie wunderlichen oder lustigen Begegnungen und Erlebnisse mit einer großen Portion Optimismus und stiller Heiterkeit. Am Schluß steht sie freilich vor der unausbleiblichen Frage: Hat sich die ganze Sache überhaupt gelohnt? War sie erfolgreich oder nicht? Hatte sie einfach nur Pech bei ihrer Suche? Oder hat sie auf irgendeine Art letztlich doch Glück gehabt? Trotz teilweise äußerst ärgerlicher Erfahrungen – insbesondere mit Partnervermittlungseinrichtungen – behält sie ihren Humor und gibt sich selber die weise Antwort: Es gibt keine Misserfolge, es lediglich Lernerfolge! Die Suche ist beendet. Auf witzige und charmante Weise lässt uns die Autorin teilnehmen an schönen wie an oft wirklich kuriosen Situationen bis hin zu der Erkenntnis: Ich bleibe lieber solo! Recht hat sie und ein lesenswertes, interessantes Buch geschrieben, das gleichzeitig nachdenklich werden läßt und herzlich lachen macht.

(R-M-F in: Der Gießerjunge, Januar/Februar 2000)