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Geboren bin ich in Wels/Oberösterreich, aufgewachsen in einem mit Antiquitäten vollgestopften Barockhaus wenige Schritte vom Rhein, mit der Kaiserswerther Burgruine als bevorzugtem Spielplatz. Geschichte war immer mein Lieblingsfach und das habe ich dann auch studiert, allerdings mit Kunstgeschichte als Hauptfach. Schon während der Schulzeit habe ich kleine Beiträge für eine Düsseldorfer Zeitung geschrieben und dann während der Semesterferien dort gearbeitet. Erst als Volontärin, später als Redakteurin.
Am liebsten hätte ich sechs Kinder gehabt, bekam aber leider nur vier, drei Töchter und einen Sohn. Ein fröhliches Leben mit Ihnen fand ich verlockender als Ehrgeiz und Stress, also gab ich Redaktion und Dissertation auf und beschränkte mich auf Heimarbeit: Neben Artikelserien über Kunst und Geschichte entstanden Bücher für Kinder und Erwachsene über historische Themen. Ohne meine Vier säße ich heute vielleicht als Kunsthistorikerin in einem Museum oder als Kunstkritikerin in einer Zeitung und wäre gar keine Autorin geworden.
Ich schreibe am liebsten über Ereignisse aus der Vergangenheit, die entweder tatsächlich passiert sind, oder die wenigstens so hätten passieren können, auch wenn ich mir einige Personen und Teile der Handlung ausdenke. Bei der Zeitung habe ich gelernt, dass man selbst knochentrockene Themen spannend aufbereiten muss.
Die ersten Kapitel von Gespenst in der Burgruine waren schon Jahre vor der Fertigstellung erfolgreiche Lektüre bei Schullesungen. Anschließend bekam ich immer Dutzende von Briefen, wie die Schatzsuche weiter gehen sollte und wie die Jungen aus der Burgruine entkommen könnten. Deshalb lese ich so gerne vor, weil man da am Besten testen kann, wie eine Geschichte ankommt.
Meine vier Kinder sind meine wichtigsten Leser. Sie sind immer mein erstes (und mein kritischstes!) Publikum und viele Geschichte wären ohne ihre Einwände und Einfälle anders verlaufen. Als sie noch nicht lesen konnten, habe ich ihnen die gerade geschriebenen Kapitel vorgelesen. Wenn sie vor Spannung kaum erwarten konnten, wie’s weiter ging, oder wenn sie später ungeduldig neben dem Computer standen und auf neue Seiten warteten, war das immer ein gutes Zeichen.
Mein Jüngster hat mich sogar davon überzeugt, dass der Bäckerjunge Chris in "Die Nacht, als die Titanic sank" nicht ertrinken dürfe. Und meine Dritte hat so lange geredet, bis die Studentin Erika in "Die letzte Fahrt der Hindenburg" nicht in den Flammen umgekommen
(Quelle: Loewe-Verlag.de/autoren; Stand 4.06.2012)
Vieles hat sie geschrieben in den vergangenen Jahrzehnten. 25 Bücher veröffentlichte Schriftstellerin Christa-Maria Zimmermann, in den meisten Fällen handelte es sich um Auftragsarbeiten. Wenn es den Verlagen darum ging, ein historisches Ereignis oder eine bestimmte Epoche in den Fokus zu rücken, war sie zur Stelle - und erfand historische Krimis für Erwachsene und Abenteuergeschichten für Kinder und Jugendliche. „Die letzte Fahrt der Hindenburg“ thematisierte sie ebenso wie die die Durchquerung der Arktis in „Gefangen im Packeis“. „Nach dem letzten Buch hatte ich das Gefühl, ich brauche mal eine Pause“, sagt die studierte Kunsthistorikerin: „Und ich wollte auch etwas selbst machen.“
Und das hat sie getan. Ihr neuestes Werk „Der Königsraub am Rhein“ spielt in Kaiserswerth und entstand aus einem historischen Stoff, mit dem die Autorin schon seit vielen Jahren vertraut ist. So hatte sie bereits einmal an einem historischen Buch über Kaiserswerth gearbeitet, wo sie auch heute lebt. Auch in der Schule hatte die in Düsseldorf aufgewachsene Autorin bereits vieles über den Königsraub am Rhein gehört: „Das hatte ich seit Jahren im Hinterkopf.“ Und so hätte das neue Buch im Grunde deutlich weniger vorbereitungsintensiv werden können, als es die stets akribisch recherchierende Schreiberin gewohnt ist. Doch dann konnte Zimmermann wieder einmal nicht aus ihrer Haut und vergrub sich in umfassende Nachforschungen zum Thema. „Ich bin untergegangen in Material“, erinnert sie sich. Vieles habe sie dann wieder in die Ecke gefeuert, weil allein daraus keine spannende Geschichte zu machen war - und dann kam die Idee zu dem Dreh mit dem Doppelgänger. „Das ist das einzige, was unhistorisch ist“, sagt sie, „das habe ich dazugedichtet“.
Das Buch basiert auf der Geschichte des jungen Heinrich IV., den der Kölner Erzbischof im Jahr 1062 in Kaiserswerth entführen ließ. In der Geschichte erfährt der elfjährige Domschüler Moritz von der Leyden von dem Plan und bringt ihn zusammen mit seinem Bruder Lambert und einem Freund in Sicherheit. Es entspinnt sich eine spannende Geschichte, die sich an Kinder ab zwölf Jahren richtet und ihnen in plastischen Beschreibungen auch einiges abverlangt. „Mama, du bist brutal“, habe ihre Tochter einmal zu ihr gesagt - ihre Kinder sind auch als Erwachsene noch ihre wichtigsten Testleser. In diesem Fall nahm sich Zimmermann die Kritik freilich nicht zu Herzen: „Man kann das Leben nicht schönreden“, sagt sie. Nach Lesungen begegne sie mitunter empörten Müttern, die sich die Bücher ebenfalls etwas sanfter wünschten: „Aber Kinder sind da erstaunlich cool.“
Worum sich das nächste Buch drehen wird, ist übrigens noch nicht klar. „Ich schwanke da noch zwischen verschiedenen Sachen“, berichtet die Autorin. So fühlt sie sich nach der umfassenden Recherche zum Königsraub sehr wohl im Themenbereich des Mittelalters, kann sich aber auch eine Geschichte im 19. Jahrhundert vorstellen. „An Ideen mangelt es jedenfalls nicht.“
(Nicole Lange in: Die Welt, 29.10.2010)
Die Autorin Christa-Maria Zimmermann studierte Geschichte und Kunstgeschichte. Inzwischen zählt sie zu den angesehensten deutschsprachigen AutorInnen von historischen Kinder- und Jugendromanen. Zum Columbus-Jahr 2006 veröffentlichte sie mit dem vorliegenden Abenteuerroman eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit dem Menschen Columbus und zeigt zudem anschaulich, wie die politische und die alltägliche Lebenssituation im 16. Jahrhundert ausgesehen hat.
Im März 1502 heuert der 13-jährige Pablo in Sevilla als Schiffsjunge auf einem der riesigen Segler an, die Admiral Columbus für seine vierte Entdeckungsreise rüstet, um endlich den Seeweg ins Indische Meer zu finden. Pablo hat nichts zu verlieren. Sein Vater ist in seiner einfachen Gastwirtschaft selbst sein bester Kunde, seine Mutter versucht das Geschäft mit eisernem Regiment zu erhalten. Als sein geliebter älterer Bruder von seiner letzten Seefahrt nicht wiederkehrt, da er von Piraten überfallen und entführt wird, setzt Pablo alles auf eine Karte. Er erhofft sich durch die abenteuerliche Reise Ruhm und Reichtum. Schließlich möchte er seinen Bruder aus den Fängen der Piraten freikaufen können.
Mit an Bord ist der gleichaltrige, reiche und vornehme Fernan, Columbus' eigener Sohn. Die beiden unterschiedlichen Jungen freunden sich an und sind schon bald auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Die Reise entpuppt sich nicht nur als abenteuerlich, sondern auch als äußerst gefährlich. Columbus' Vision von den sagenhaften Goldschätzen der Indianer treibt ihn ohne Rücksicht auf das Leben seiner Besatzung ständig vorwärts, durch entfesselte Stürme, von Versorgungsnot gebeutelt und von schicksalhaften Schiffbrüchen heimgesucht. Die lebensgefährliche Suche des besessenen Admirals stellt die Freundschaft der beiden Jungen auf die Probe und zeigt immer stärker, auf wen in der Mannschaft man sich tatsächlich verlassen kann.
Mitreißend und authentisch erzählt die Autorin von lebensbedrohlichen Abenteuern, vom Erwachsenwerden, von Freundschaft, Mut und menschlichen Werten. Eine Zeittafel, eine Karte mit den eingetragenen Routen und Fahrten des Christoph Columbus und das Nachwort liefern den geschichtlichen Bezug und runden den Roman ab. (Eine gekürzte Version des Abenteuerromans findet sich auf drei CDs, gelesen von Peter Lohmeyer, beim Random House Audio Verlag, mit der ISBN-Nr.: 3-86604-113-6.) Auf Grund der mitunter recht grausamen Szenen sollte das Buch erst ab ca. 14 Jahren gelesen werden.
(Leseforum Bayern/ Buchbesprechung: www.leseforum.bayern.de)
Christa-Maria Zimmermann nimmt in ihrem Buch „Hundert Tage bis Lhasa“ ein ungewöhnliches historisches Thema auf, das sich von jenen historischen Romanen, die bislang mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis ausgezeichnet worden sind, in der Fokussierung von Geschichte, Religion, Kultur und Natur unterscheidet.
In einer dem Thema angemessenen und von hoher sprachlicher Qualität gekennzeichneten, ansprechenden Form gestaltet sie die Reise des 13-jährigen Waisenmädchens Pema nach Tibet als Annäherung an eine fremde Kultur, gleichzeitig aber auch als Rahmenhandlung der authentischen Tibetreise der Französin Alexandra David-Néel, die als erste Frau und erste Europäerin überhaupt in die verbotene Stadt Lhasa reiste und ihre Erlebnisse als Forscherin bekannt machte. In der Gestalt des Mädchens Pema gelingt Christa-Maria Zimmermann durch eine doppelte Brechung der Perspektive die unvoreingenommene Wahrnehmung und Aneignung der fremden Kultur Tibets, ohne dass eigene Sichtweisen und Einstellungen verloren gehen: Pema blickt mit den Augen der Chinesin auf das Land und die Menschen Tibets, gleichzeitig ist sie das Medium für die Annäherung des Lesers mit seinen an der europäischen Kultur und Geschichte orientierten Vorstellungen. Der Autorin gelingt es, den Spannungsbogen der Geschichte mit erzählerischer Stringenz über alle Stationen der Reise bis nach Lhasa und dort unter Entwicklung einer zarten Liebesgeschichte um Pema und Dschigme aufrecht zu erhalten.
„Hundert Tage bis Lhasa“ ist unterhaltsam und informativ. Das Buch entspricht den Kriterien des Friedrich-Gerstäcker-Preises für Jugendliteratur in hervorragender Weise und soll durch diese Auszeichnung für die jugendliche Leserzielgruppe besonders herausgehoben werden.
(Begründung der Preisjury zur Verleihung des Friedrich-Gerstäcker-Preises für Jugendliteratur der Stadt Braunschweig, 2005. Mitteilung des Dezernats für Kultur und Wissenschaft)
Die grause Nacht, als die Titanic sank
Jugendroman und Zeitgemälde der Autorin Christa-Maria Zimmermann aus Düsseldorf
Titanic der Film, Titanic der Ohrwurm; es ist, als seien wir dabei gewesen. Aber wir waren nicht dabei. Vielleicht war alles anders. Zum Beispiel wie in Christa-Maria Zimmermanns Jugendroman „Die Nacht, als die Titanic sank“ (Loewe-Verlag, Bindlach, ca. 300 Seiten, 24,80 Mark). Unter den Passagieren ist auch der junge Engländer Alfred Russel auf dem Weg zu seinem Bruder in den USA. Alfred wird auf der Titanic 16 Jahre alt. Kurz nach der Geburtstagsfeier heißt es:
Die Luft war nicht nur frisch, sondern eiskalt, der Wind heulte leise, und Alfred war froh über seinen dicken Mantel. Er betrachtete das ruhige Schiff. Noch nie hatte er die Titanic so menschenleer erlebt.
Alfred legte den Kopf in den Nacken. In der Nähe der Decksbeleuchtungen glitzerten schmale, bunte Schnüre wie Lichtergirlanden, aber das mußte eine Augentäuschung sein, man würde doch wohl mitten in der Nacht keine Festbeleuchtung einschalten?
Nein, das war Eis. Alle Feuchtigkeit auf der Oberfläche des Schiffes war gefroren, und wo das Licht hinfiel, schimmerte es in allen Farben, bis hoch hinauf in die Masten, wo die Nachtwache jetzt in ihrem Ausguck saß. Brrr, was mußte es da oben kalt sein! Da hatten es die anderen besser, die tief unten noch wach waren, die Maschinisten und die Ingenieure an den Maschinen und die Heizer an den großen Kesseln…
Plötzlich ertönte durch das leise Rauschen des Windes ein helles Läuten, und noch einmal, und noch einmal. Alfred sah sich verwundert um. Es hatte geklungen, als ob es von oben gekommen wäre. Er legte den Kopf in den Nacken und horchte. War das nicht eine Stimme gewesen? Ein paar Wortfetzen wehten an ihm vorbei. Es klang wie: „… direkt voraus!“
Auf einmal hörte Alfred ein anderes Geräusch, ein Scharren und Schaben oder, nein, es war eher, als ob ein langes Stück Stoff zerreißen würde. Gleichzeitig traf ihn ein Schwall eiskalter Luft, und dann sah er ein riesiges Segelschiff direkt neben der Bordwand auftauchen, so nah, daß seine Segel über die Reling der Titanic drängten, und während sich Alfred unwillkürlich zusammenkauerte und an der Bank festklammerte, überzeugt, daß jetzt der Fliegende Holländer nach ihm greifen und ihn mit sich reißen würde, erkannte er, daß das Segelschiff ein gewaltiger Eisberg war, naß und glitschig, im vorbeihuschenden Licht der Titanic blau und lila und grünweiß schilllernd. Das reißende, schnarrende Geräusch verwandelte sich in ein Knirschen und Poltern und Splittern – und dann war es vorbei.
Die Heizer im Kesselraum
Zur gleichen Zeit im Kesselraum 6. Die Heizer schuften. Einer ruft: „Es soll eine Eisbergwarnung gekommen sein, und wir biegen südlich aus.“ „Eisberge? Da hat wohl der Ausguck zu tief ins Glas geschaut. Und zwar in eines mit Eiswürfeln.“ „Du weißt genau, daß Alkohol für die Besatzung verboten ist. Und all das teure Gesöff on the rocks, das ist nur für die noblen Herren. Leute wie wir trinken bloß Bier und nicht mal das kriegen wir hier.“
Wenig später: Ein Stoß erschütterte den Kesselraum, alle kippten von ihren Sitzgelegenheiten. Sekunden später brach Wasser durch einen Riß in der Seitenwand und strudelte um Röhren und Ventile. Diese Platten waren dicker als ein Männerarm, geschmiedet aus dem härtesten Stahl, verbunden von tausenden von faustgroßen Schrauben zu einer Wand, die dem Druck des ganzen Ozeans standhielt! Und jetzt klafften sie auseinander, als ob ein Messer durch Papier geschnitten hätte. Da! Da setzten sich die elektrischen Schotten in Bewegung. „Nichts wie raus!“
„Die Männer stürzten zu den Schotten. Sie konnten gerade noch in Raum 5 springen, ehe sie zuschnappten. Einer hatte einen Riesensatz gemacht, kam mit dem Fuß auf einer Schaufel auf, knickte ab – und dann rutschte das Bein unter ihm weg, als ob es nicht mehr zu seinem Körper gehörte. „Verdammt“, stöhnte er, „oh, verdammt“. Da sah er, daß in der Außenwand vom Kesselraum 5 ebenfalls ein Riss klaffte. Ein dicker Wasserstrahl schoß herein… Vor seinen Augen bogen sich die Platten des Schotts und wölbten sich nach vorn, als ob sie aus Kuchenteig wären. Eine Wand aus grünem Wasser stürzte in den Raum, eine Mauer wie aus blasigem, trübem, massivem Glas. Die Mauer schlug um, begrub die Männer unter sich.“
Schilderungen dramatischer Augenblicke wie diese gibt es viele in Zimmermanns Roman. Sie bilden das Gerüst für ein Zeitgemälde, in dem Arm und Reich, Offenheit und Vorurteile, Sektierertum und Menschlichkeit ihren Platz haben. Die Autorin, die in Düsseldorf lebt und durch genau recherchierte historische Romane und Kurzgeschichten bekannt wurde, ist eine penible Suchernatur.
Sie will wissen, wie es damals war, im Elend und Alkoholismus der englischen Industriestädte und in der Zeitvergessenheit norwegischer Dörfer, aber auch bei der europäischen und US-amerikanischen Schickeria vor dem Ersten Weltkrieg. Und so werden wir angerührt, vielleicht sogar zu Tränen gerührt – nicht durch das schreckliche Geschehen, durch die Überlebenskämpfe im eisigen Wasser und auf den sinkenden Planken, sondern durch das Verknüpfen von Schicksalen, das Zerreißen von Bindungen, wie sie so hätten sein können. Ein Roman eben. Aber einer, in dem uns das Leben begegnet.
(Gerda Kaltwasser in: Rheinische Post, 16. April 1998)