Frauengeschichte in Düsseldorfer Straßennamen

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Ingeborg Bachmann-Straße

  • Verlauf: Carlo-Schmid-Str. bis Hans-Christoph-Seebohm-Str. in Hellerhof

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin, 1926-1973

Die österreichische Schriftstellerin wurde am 25.6.1926 in Klagenfurt geboren. Nach Abschluss eines Philosophiestudiums mit den Nebenfächern Germanistik und Psychologie sowie ihrer erfolgreich verteidigten Dissertation über "Die kritische Existentialphilosophie Martin Heideggers", erschien 1953 ihr erster Gedichtband "Die gestundete Zeit", der von der Kritik als große literarische Neuentdeckung gefeiert wurde. "Das lyrische Jahr 1953/54 hat alle Aussicht, in die Literaturgeschichte einzugehen [...] . Es hat uns einen neuen Stern am deutschen Poetenhimmel beschert", so der euphorische Kommentar der Süddeutschen Zeitung über Ingeborg Bachmann. Auch ihr zweiter Gedichtzyklus "Anrufung des Großen Bären" erfuhr eine ebenso wohlwollende Aufnahme seitens der Kritik. Erst 1961 wandte sich die Lyrikerin auch der Prosa zu; ihre Erzählung "Undine geht" erwies sich dabei als ein früher feministischer Beitrag deutscher Nachkriegsliteratur. Ob in ihrer Lyrik, in Essays, Hörspielen, Prosa oder Libretti - stets widmete sie sich der Schöpfung einer neuen, "wahren" Sprache jenseits phrasenhafter, ästhetischer Worthülsen, ein Bemühen, für das sie ihren persönlichen Stil des "Zerschreibens" entwickelte.

"Ich möchte auch nicht, weder in diesem Buch noch in späteren Büchern, etwas über den Krieg schreiben. [...] Über den Krieg kann jeder etwas schreiben, und der Krieg ist immer schrecklich. Aber über den Frieden etwas zu schreiben, über das, was wir Frieden nennen, denn das ist der Krieg [...] . Der Krieg, der wirkliche Krieg, ist nur die Explosion dieses Krieges, der der Frieden ist."

Gemäß dieser Äußerung über ihren "Malina"-Roman (1971) setzte sich Ingeborg Bachmann nicht nur mit den Spuren der nur allzu gern beiseite gedrängten kriegerischen Vergangenheit ihrer deutschsprachigen Heimat auseinander, sondern thematisierte auch immer wieder den ganz alltäglichen Faschismus in der Sprache, zwischen Ich und Du sowie zwischen den Geschlechtern. So wurde die Schilderung sublimer gesellschaftlicher Herrschaftsmechanismen sowie die Darstellung weiblicher Subjektivität innerhalb einer dominierenden androzentrischen Kultur zu exponierten Gegenständen ihres Œuvres. Werke wie "Der Fall Franza" (1964) oder "Malina" (1971) setzen dabei die Grausamkeit banaler Gewalt des Alltags in Szene.

Nach Beendigung ihrer sechsjährigen Beziehung zum Schweizer Schriftsteller Max Frisch sowie diversen Aufenthalten in Zürich, Berlin und München wurde 1965 Italien ihre neue Wahlheimat. Am 17. Oktober 1973 starb Ingeborg Bachmann mit 47 Jahren an den Folgen eines Brandunfalls in ihrer Wohnung in Rom. Ihr Tod ist bis heute ungeklärt.

Text: Annette Nathanielsz