Germanistisches Seminar II | Philosophische Fakultät | Frauen-Kultur-Archiv 

Leben und Werk

Konzeption & Text: Kerstin Glasow M.A.

Kindheit und Jugend

17.4.1766 

Anne-Louise-Germaine wurde als einziges Kind des Ehepaars Necker in Paris geboren. Ihr Vater Jacques Necker war einer der reichsten Bankiers von Europa und Finanzminister unter Ludwig XVI. Im Salon der Mutter saß Germaine schon im Alter von sechs Jahren im Kreis der Philosophen und der geistigen Väter der Revolution und debattierte mit Geistesgrößen der Zeit. In dieser Umgebung wurde ihr Verstand geschult, und sie entwickelte Freude an der Auseinandersetzung über politische und philosophische Themen.

1786

 


Der Vater verheiratete Germaine mit dem um 17 Jahre älteren schwedischen Botschafter in Paris, Baron Eric Magnus von Staël-Holstein. Bezüglich dieser Ehe gab sich die Zwanzigjährige keinerlei Illusionen hin: "Monsieur de Staël wird mich nicht unglücklich machen, aus dem einfachen Grund, weil er zu meinem Glück nichts beitragen kann." Als der Ehemann 1802 starb, hatte er keine Spuren in ihrem Leben hinterlassen; Liebe suchte sie bei anderen Männern, denen sie zu Einfluss verhalf.

Salon in der Rue de Bac

1786-1802

In ihrem Salon in der Rue de Bac versammelte Germaine de Staël durch ihre große Anziehungskraft, Intelligenz und Redegewandtheit die liberale Aristokratie und die Elite der Politiker von morgen.

1789-1802

In den Jahren während und nach der Französischen Revolution machte sich Germaine durch ihre Offenheit viele Feinde; ihr erbittertster Gegner wurde Napoleon Bonaparte. Während sie beim Ausbruch der Revolution noch die konstitutionelle Monarchie verteidigt hatte, sah Madame de Staël nach dem Ende der Schreckensherrschaft in der Republik nach amerikanischem Vorbild die einzige postrevolutionäre Staatsform.

In der Verbannung

1802

Napoleon verbannte Madame de Staël aus Paris. Sie zog zum Vater, bei dem ihre drei Kinder aufwuchsen, in die Schweiz. Ihr Salon in Coppet am Genfer See wurde zum Zentrum der intellektuellen Geselligkeit und des internationalen Kulturaustauschs. Gäste reisten von weither an, um die außergewöhnliche Frau kennenzulernen.

1803/4

Bei ihrer Reise nach Deutschland traf die "erste Frau Europas", wie sie von der zeitgenössischen Presse bezeichnet wurde, in Weimar mit Goethe, Schiller und Wieland zusammen. August Wilhelm Schlegel wurde der Hauslehrer ihrer Kinder und ihr literarischer Berater. Madame de Staël nutzte Schlegels Kenntnisse über Deutschland und die deutsche Literatur für ihr Buch De l'Allemagne, das im Anschluss an ihre Deutschlandreise entstand.

1810 

Napoleon vernichtete ihre literarische Existenz, indem er 10.000 Exemplare ihres im Erscheinen befindlichen Buches De l'Allemagne einstampfen ließ. In seinem Machtbereich, der sich über ganz Europa ausdehnte, erhielt Germaine de Staël keine Druckerlaubnis. Auch ihr privates Leben wurde mehr und mehr eingeschränkt: Reisen waren ihr verboten, Freunde wurden aus einflussreichen Stellungen entfernt und Besucher kontrolliert. August Wilhelm Schlegel wurde ausgewiesen. Die vierzehn Jahre dauernde fruchtbare Verbindung mit dem deutschen Gelehrten endete jedoch erst mit dem Tod Germaine de Staëls.

1812 

Flucht nach Schweden, England, Russland, Finnland. Die Erfahrungen in den fremden Ländern und die Erinnerungen an die Jahre in der Verbannung schilderte Germaine de Staël in ihrem Buch Zehn Jahre Exil.

1813

In England wurde De l'Allemagne zum ersten Mal veröffentlicht; erst Mitte 1814 konnte das Buch auch in Frankreich erscheinen.

Rückkehr nach Paris 

1814

Nachdem im April 1814 Napoleon abgedankt hatte, kehrte Germaine de Staël in das besetzte und zerstörte Paris zurück. In ihrem Salon in der Rue Royale gab sie wieder Empfänge.

14.7.1817 

Germaine de Staël starb im Alter von 51 Jahren nach einem Schlaganfall in Paris.

 

 

 

 

 

 

 

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last update: 09.08.2001
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