Ricarda Huch

Im Spannungsfeld von Geschichte und Politik: 1916 - 1947


Der 1. Weltkrieg:
Barbarentum gegen die europäische Kultur

Ricarda Huch blieb auch während des 1. Weltkriegs historisch ausgerichtet, engagierte sich nicht politisch. Sie erwartete, daß der Krieg nicht lange dauern werde. Ihre Haltung aber war eindeutig. Die patriotische Begeisterung und die Versuche der Legitimierung des Krieges verurteilte sie. Sehr fragwürdig erschien ihr, "z.B. daß schon jeder ein Schurke ist außer den Deutschen und der zu ihnen hält, und daß alle Gott anrufen und überzeugt sind, er wird die verfluchten Feinde vertilgen usw. Die Hetze der Spione berührt mich auch so schrecklich. Schon jetzt leben die häßlichsten populären Instinkte auf - unter der Maske patriotischer Begeisterung." (Brief an Marie Baum, 9.8.1914)

Sie protestierte gegen die "deutschen Barbaren", die die Kathedrale von Reims, ein unersetzliches europäisches Kulturgut, bombardierten. Die Kriegsjahre 1916 – 1918 lebte sie nicht in Deutschland sondern in der Schweiz. Ihre Einstellung zur Niederlage Deutschlands: "wenn etwas Lebendiges, Großes untergeht - selbst wenn sein Leben und seine Größe weit zurückliegen-, sollte man Ehrfurcht vor dem Tragischen empfinden."