Ricarda Huch

Rußland und die Liebe zur Freiheit: Michael Bakunin und die Anarchie (1923)

"Die Freiheit erfordert nicht nur Mut, sondern Regsamkeit, Wachsamkeit, Bereitschaft zum Handeln und zur Übernahme der Verantwortung. Knechtschaft ist bequem, Freiheit ist unbequem." (R.Huch, Michael Bakunin und die Anarchie, 1923)

Mit Rußland, "für das ich nun einmal eine so besondere Vorliebe habe" befaßt sich Ricarda Huch 1922/23, veranlaßt durch den Züricher Arzt Dr. Brupbacher, der ihr seine gesammelten Materialien zur Lebensgeschichte Bakunins überläßt. Der Revolutionär und Anarchist Michael Bakunin (1814-1876) fasziniert sie als starke Persönlichkeit, die sich gegen jede Form des Despotismus empörte. Als die Kernpunkte seiner politischen Überzeugung erscheinen "Kollektivität" und "Freiheit des Individuums". Huch deutet den kämpferischen Atheisten als eine "religiöse Natur", eine Interpretation, die Erich Mühsam, der die Bakunin-Biographie während seiner Festungshaft las, besonders begrüßte: "Daß Sie bei dem fanatischen Atheisten die heilige Religiosität als Grundcharakter erkennen, daß Sie das scheinbar Widerspruchsvolle in seinem Tun und Lassen überall aus der großen reichen Menschlichkeit zu erklären wissen, [...] dies hat mir das Bedürfnis Ihnen zu danken unabweisbar gemacht." (E. Mühsam an R. Huch, am 28.9.1924)