Beauvoirs Beschreibung des Alters hat heute weder an Aktualität noch an Brisanz verloren, da die strukturellen Probleme der zunehmenden Überalterung der europäischen Gesellschaft keineswegs als gelöst zu betrachten sind, da vielmehr Ausgrenzung und Benachteiligung der Alten zu- und nicht abnimmt. „Die Gesellschaft zwingt der überwiegenden Mehrheit der Alten einen so erbärmlichen Lebensstandard auf, daß der Ausdruck ‚arm und alt’ fast ein Pleonasmus ist. [...] Daß ein Mensch während der letzten 15 oder 20 Jahre seines Lebens nur noch Ausschuß ist, offenbart das Scheitern unserer Zivilisation.“ „Rücksichtslos von der Kategorie der aktiven Menschen in die der inaktiven gestoßen und als alt eingestuft zu werden, eine bestürzende Verringerung der Mittel und des Lebensstandards hinnehmen zu müssen, das ist für die meisten Menschen ein Ereignis mit ernsten psychologischen und moralischen Folgen.“ (Simone de Beauvoir, Das Alter) |