Das Buch wurde von weiten Teilen der Presse unsachlich diffamiert. Für François Mauriac war mit diesem „Brechmittel“ die „Grenze der Verkommenheit“ erreicht. Beauvoir wurde als Männer zerreißende „bacchantische Priesterin“ tituliert, als „Suffragette“, als „Amazone, die eine Hälfte der Menschheit gegen die andere aufzubringen“ versucht. Albert Camus sprach von einer „Beleidigung des romanischsprachigen Mannes“. 1956 wurde das Werk vom Vatikan u.a. wegen der „unmoralischen Doktrinen, die die guten Sitten und die Heiligkeit der Familie mit Füßen treten“, so der L’Osservatore Romano, auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. “. In Spanien und der Sowjetunion wurde das Buch sofort auf die verbotene Liste gesetzt. Noch 20 Jahre später wurde es in Griechenland verboten. In Bulgarien und in der DDR konnte man es erst Ende der 80er Jahre kaufen. Diese äußerst polemischen und persönlichen Angriffe auf Simone de Beauvoir und ihr feministisches Engagement - die auch häufig in Form von Karikaturen ausgedrückt wurden - scheinen aus der heutigen (zumindest aus der europäischen) Perspektive schwer nachvollziehbar, angesichts einer Autorin, die ihren Standpunkt zur Gleichstellung wie folgt bestimmt: |