

Zimmermann, Margarete: Vom Hausbuch zur Novelle: Didaktische und erzählende Prosa im Frankreich des späten Mittelalters, Studia Humaniora (Bd. 12), Düsseldorf 1989, 351 Seiten.
In dieser Untersuchung wird die erzählende und die didaktische Prosa der Jahre 1390 bis 1460 und damit ein Teil jener spätmittelalterlichen Literatur Frankreichs, die man lange Zeit als minderwertiges Produkt einer "End-" oder "Übergangsphase" betrachtet hat, dem Blick einer Leserin der späten achtziger Jahre unseres Jahrhunderts ausgesetzt. Bestimmen für diesen Versuch einer neuen interdisziplinären Lektüre ist das Interesse an Fragestellungen der Gattungs- Kunst- und Mentalitätsgeschichte sowie der historischen Anthropologie. In einer Verbindung von präzisen Werkanalysen mit übergreifenden Erklärungsmodellen geht es darum, einen Teil der mittelfranzösischen Literatur dem heutigen Leser wieder zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stehen drei anonyme Prosawerke: der Mènagier de Paris (um 1393), eine spätmittelalterliche Ökonomik, die zugleich eine bedeutende Exemplasammlung darstellt und interessante Aufschlüsse über das eheliche Leben und die Organisation eines bürgerlichen Haushaltes im 14. Jahrhundert enthält. Das zweite Werk sind die Quinze Joies de Mariage (um 1400), eine Sammlung von fünfzehn kürzeren Prosatexten über eheliche "Freuden", zugleich jedoch auch über die Problematik von Freiheit und Knechtschaft; Erich Auerbach bezeichnete sie als "höchst bedeutsames Dokument aus der Frühgeschichte des französischen Realismus". Mit dem dritten Werk, den Cent Nouvelles Nouvelles (um 1460), dessen Titel einen deutlichen Rückbezug auf Boccaccios Decameron enthält, haben wird es mit der ersten französischen Novellensammlung zu tun. Hier geht es um den Versuch, das Werk von seiner Einschätzung als Schwanksammlung mit libertinem Charakter zu befreien und auf diese Wei[s]e zu differenzoerteren Lektüren anzuregen.
Aus dem Inhalt:
I. | Zum Gegenstand der Arbeit und ihrer Methode |
II. | "Aage en tristour": Das Spät- mittelalter als Krisenzeit |
III. | Ein spätmittelalterliches Hausbuch: Le Menagier de Paris (um 1393) |
IV. | Les Quinze Joies de Mariage (um 1400): Eine Ehe-Satire mit politischem Hintergrund |
V. | Les Cent Nouvelles Nouvelles (um 1460) |
VI. | Einige Ergebnisse und Perspektiven künftiger Spätmittelalterforschung |
VII. | Anhang: Prolog der Ausgabe der Quinze Joies de Mariage von 1596 |
VIII. | Abkürzungsverzeichnis |
IX. | Bibliographie |
