

Küsters, Urban: Der verschlossene Garten: Hohelied-Auslegung und monastische Lebensform im 12. Jahrhundert, Studia Humaniora (Bd. 2), Düsseldorf 1985, 367 Seiten.
Es gilt als das schönste Prosadenkmal des deutschen Mittelalters: das "St. Trudperter Hohelied", eine volkssprachliche Auslegung des biblischen Hohenliedes, verfaßt von einem anonymen Geistlichen um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Es steht am Beginn der deutschen Mystik, jener Geistesströmung, die durch die Intensität ihrer religiösen Botschaft und ihre sprachschöpferische Leistung prägend wurde für die Gefühlskultur bis weit in die Neuzeit hinein.
Diese Studie sucht einen neuen Zugang zu dem in vieler Hinsicht singulären Text und stellt ihn in die geistes-, sozial- und kulturgeschichtliche Dimension der monastischen Lebensform im 12. Jahrhundert.
Aus dem Inhalt
I. | Das St. Trudperter Hohelied. Textgestalt, Kommunikationssphäre, Bildungszusammenhang [wir geistlichen mennisken. Auftakt und Zueignung - Lectio, sermo, collatio. Der Strukturrahmen klaustraler Kommunikation - Aedificatio, eruditio, sapientia. Das Gefüge monastischer Erziehungsformen - Volkssprachlichkeit, Bildungskontext, soziokultureller Hintergrund - spiegel der gotis prûte. Hohelied-Auslegung und speculum-Literatur] |
II. | Textsituierung, Wirkungsraum, Reformkreis [Überlieferungslage und Probleme der Lokalisierung und Datierung - Ordo Hirsaugiensis. Der Strukturwandel der monasti- schen Gemeinschaft in der Reform - Das St. Trudperter Hohelied und der St. Georgener Reformkreis] |
III. | Sozialgeschichtliches Funktionsfeld: Zur Konstitution und Institution religiöser Frauengemeinschaften im Umkreis der Klosterreform [Klosterreform, religiöse Laienbewegung, Frauenfrage - Typologie und Gradation der Organisationsformen weiblicher Religiosen - Binnenstrukturen der Frauenkonvente - Ständische Zusammensetzung und soziale Funktion - Frauenseelsorge und Reformliteratur] |
IV. | Textprogramm, Spiritualität, vita communis [Ideenwelt, Selbstdeutungsmuster, Geschichtsbild - Wertsystem und Handlungsethik - Frömmigkeitsstil und Gemeinschaftsbewußtsein - Bildersprache und Vorstellungswelt. Zur ästhetischen Sinngebung der vita communis] |
V. | Gottesminne, Individualität, monastische Lebensform [Individualität: Begriff, Problemstellung, historische Erscheinungsformen - Anima sponsa. Die Hermeneutik des Individuums - Gottesminne und Individualerfahrung - Selbsterfüllung und Gemeinschaftsbindung - Individualität auf Widerruf. Minnemystik und monastische Institution] - Texte und Quellen - Literatur - Siglen - Personen- und Sachregister. |
