

Laudage, Johannes (Hrsg.): Frömmigkeitsformen in Mittelalter und Renaissance. Festgabe für Josef Semmler zum 75. Geburtstag, Studia Humaniora (Bd. 37), Düsseldorf 2003, 352 Seiten.
Frömmigkeitsformen in Mittelalter und Renaissance – ein Thema, das man bisher meist den Kirchenhistorikern überlassen hat. Dieses Buch wählt einen anderen Zugang. Gestützt auf einen kulturhistorischen Ansatz, versuchen namhafte Historiker und Theologen, Germanisten und Romanisten, Anglisten und Kunsthistoriker vor allem das Fremdartige der vor-modernen Frömmigkeit aufzuspüren, ihre Andersartigkeit gegenüber heutigem religiösem Brauchtum herauszuarbeiten, aber zugleich eine Langzeitperspektive aufzuzeigen, die das Epochenspezifische besser verstehen lässt. Insgesamt 15 Einzelvorträge vereinen sich hier zu einer brisanten Mischung. Das Spektrum reicht von den Anfängen des christlichen Heiligenkults bis zum Totentanz-Motiv in Mozarts “Don Giovanni” und reflektiert den aktuellen Forschungsstand in kritischer und verständlicher Form. Durch den Vortragsstil erfährt der Leser, von welchen Normen die frühneuzeitliche Frömmigkeit vor allem bestimmt wurde. An anderer Stelle wird das Armutsideal im frühen franziskanischen Kirchenbau behandelt. Weitere Beiträge diskutieren die Bedeutung von Stadtpatronen, die spätmittelalterliche Volksfrömmigkeit und das Marienandachtsbild der Renaissance. Auch das Ablasswesen, das Phänomen der Mystik, die Hostienverehrung und die Religiosität von Mönchen, Laien und Kanonikern erscheinen in neuem Licht.
Aus dem Inhalt
Vorwort | pp. 7-8. |
Martin Ohst | Beobachtungen zu den Anfangen des christlichen Heiligenkultus, pp. 9-28. |
Josef Semmler | Spiritualität und Frömmigkeit in Klöstern des |
Johannes Laudage | Norm und Geschichte. Mittelalterliche Kanoniker und ihre Lebensregeln, pp. 48-95. |
Marie-Luise Heckmann | Die christliche Wohltätigkeit im Mittelalter, pp. 96-133. |
Andrea von Hülsen-Esch | Stadtpatrone im 12. Jahrhundert, pp. 134-153. |
Barbara Haupt | Laienfrömmigkeit und Heidenkrieg um 1200, pp. 154-179. |
Rudolf Hiestand | crucem secreto accepit. Kreuzzugsgelübde zwischen Frömmigkeit und Politik, pp. 180-206. |
Jürgen Wiener | Kritik an Elias von Cortona und Kritik von Elias von Cortona: Armutsideal und Architektur in den frühen franziskanischen Quellen, pp. 207-246. |
Wilhelm G. Busse | Corpus Christi im mittelalterlichen England, pp. 247-262. |
Heinz Finger | Fromme Spontaneität und geistliche Ordnung. Spätmittelalterliche Volks frömmigkeit in der Erzdiözese Köln, pp. 263-282. |
Hans Körner | Das Schmerzenskind. Die Passion in den Marienandachtsbildern Fra Filippo Lippis und Sandro Botticellis, pp. 283-310. |
Hansgeorg Molitor | Das regulierte Verhältnis zu Gott. Frömmigkeit in der Frühen Neuzeit, pp. 311-331 |
Vittoria Borsò | Religiöse Mystik als subjektive Erzählung: Santa Teresa de Jesús, pp. 332-360. |
Hubertus Schulte Herbrüggen | Unterschiedliche Frömmigkeitsformen zwischen Mittelalter und Renaissance. Das Gebetbuch Kaiser Maximilians I. und Thomas More's Prayer Book, pp. 361-390. |
Albert Gerhards | Ein Reformprojekt am Vorabend der Reformation: Der Libellus ad Leonem X, pp. 391-408. |
Gert Kaiser | Mozart spielt mit dem Totentanz. Essay zum "Don Giovanni", p. 409. |
