Geschichtenergänzungsverfahren zur Bindung bei 5-8 Jährigen (GEV-B)
Das GEV-B beruht in Inhalt und Durchführung auf dem Geschichtenergänzungsverfahren von Bretherton et al. (2001). Die Auswertung stammt von Gloger-Tippelt & König.
Den Kindern werden die Anfänge bindungsrelevanter Geschichten mit kleinen Spielfiguren vorgespielt. Die Hauptfigur der Geschichten, eine Kinderfigur, die das gleiche Geschlecht wie das zu untersuchende Kind hat, dient als Identifikationsfigur. Das Bindungsthema wird durch bindungsspezifische Inhalte der Geschichtenanfänge aktiviert.
Die Auswertung (Gloger-Tippelt & König, 2002/2006) führt zur Klassifikation der vier Bindungsgruppen und einem 5fach abgestuften Bindungssicherheitswert.
Eine Validierung des GEV-B erfolgte im Längsschnitt (Gloger-Tippelt, Gomille, König & Vetter, 2002) und zeitgleich über die Fremde Situation für das Vorschulalter nach Cassidy & Marvin (1992) und über das Child-Attachment-Interview (Target, Fonagy & Shmueli-Goetz, 2003).
Training zum GEV-B
Wie alle Bindungsverfahren erfordert das GEV-B gründliche Übung in Durchführung und Auswertung. Zur Erlangung der Qualifikation zur reliablen Auswertung für Forschungszwecke führen wir Trainings in Gruppen von mindestens 5 und maximal 12 TeilnehmerInnen durch. Das Training gliedert sich in drei Abschnitte.
- Durchführung des GEV- B
- Vortrag mit Demonstration von Beispielen.
- Erprobung der Durchführung Individuelle Rückmeldung zur Durchführung eines Übungsfalles.
- Auswertung des GEV-B
- Erarbeitung der Auswertung nach dem Manual mit Videobeispielen. Kodierungs- und Klassifikationsübungen.
- Reliabilität
- Für mindestens 10 Übungsfälle werden individuell Rückmeldungen gegeben. Zum Erreichen der Reliabilität müssen danach von 20 Fällen 17 richtig klassifiziert werden.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite bindungsdiagnostik.de.
Literatur
- Bretherton, I., Suess, G.J. Golby, B. & Oppenheim, D. (2001). "Attachment Story Completion Task" (ASCT). Methode zur Erfassung der Bindungsqualität im Kindergartenalter durch Geschichtenergänzungen im Puppenspiel. In G. J. Suess, H. Scheuerer-Englisch & W.K. Pfeifer (Hg). Bindungstheorie und Familiendynamik (83-124). Gießen: Psychosozial-Verlag.
- Gloger-Tippelt, G. & König, L. (2002/2006). Geschichtenergänzungsverfahren zur Bindung (GEV-B). 6. Fassung. Unveröffentlichtes Manuskript, Universität Düsseldorf.
- Gloger-Tippelt, G., Gomille, B., König, L. & Vetter, J. (2002): Attachment representations in six-year olds: Related longitudinally to the quality of attachment in infancy and mothers' attachment representations. Attachment & Human Development, 4 (3), S. 318-339.
- Target, M., Fonagy, P., Shmueli-Goetz, Y. (2003). Attachment representations in school-age children: the development of the child attachment interview (CAI). Journal of Child Psychotherapy, 29: 171-186.

