Thematisches Seminar: Semantische Kontextualisierung 1 (WS 02/03)
Der Begriff der Kontextualisierung ist in der pragmatischen Interaktionsanalyse entstanden. Er wurde geschaffen, um ein sehr grundlegendes Phänomen zu erfassen: die Tatsache, dass mit einander Kommunizierende den Kontext, in dem allein eine Interpretation konkreter Äußerungen möglich ist, interaktiv schaffen und gestalten müssen. Sie müssen z.B. einander deutlich machen, dass sie überhaupt miteinander kommunizieren, in welchen Rahmen ihre Äußerungen einzuordnen sind, worauf sie konkret referieren usw. Dazu dienen die unterschiedlichsten 'Kontextualisierungshinweise': Hinweise wie Blickverhalten, Stimmgestaltung, Benutzung konventioneller Ausdrucksweisen, thematischer Schlüsselwörter oder auch sprachlicher Mittel wie Konjunktionen (aber, daher etc.) oder so unscheinbare Hinweise wie bestimmte Artikel. Alle diese Mittel dienen dazu, den relevanten Kontext für die Interpretation herzustellen oder anzuzeigen und damit die konkrete Interpretation in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Bei näherem Hinsehen ist die Sprache reich an Ausdrücken und Ausdrucksweisen, deren semantische Bedeutung genau in einer solchen Kontextualisierungsfunktion liegt, z.B. wird durch die Verwendung des Pronomens ich kontextualisiert, dass der relevante Kontext für die Bestimmung der Referenz dieses Ausdrucks die aktuelle Redesituation ist, deren SprecherIn als Referent anzusetzen ist. Unter dem gemeinsamen Gesichtspunkt ihrer Kontextualisierungsfunktion werden folgende Themenbereiche zusammengefasst: Deixis (Personen-, Raum-, Zeit-, soziale Deixis); Anaphorik; Definitheit; Präsuppositionen. Daraus ergibt sich ein Überblick über das für natürliche Sprache grundlegende Phänomen der Indexikalität.
Folgeveranstaltung: Im nächsten Semester (SoSe 2003) biete ich ein Hauptseminar "Semantische Kontextualisierung 2" an, in dem ausgewählten Themen, z.B. Definitheit, vertieft werden sollen.
Literatur: Peter Auer, 1985, 'Kontextualisierung', in Studium Linguistik 19 (Zeitschrift, in der UB/FB vorhanden).
