Hauptseminar: Semantik und Kognition (WS 99/00)
In der Kognitiven Semantik wird untersucht, wie sprachliche Bedeutung mit der menschlichen Kognition (Denken, Wahrnehmung und Wissensorganisation) zusammenhängt. Einige der in der "Einführung in die Semantik" kurz angetippten Themen sollen hier ausführlicher behandelt werden:
- Prototypentheorie: Warum stellt man sich unter einem "Vogel" zunächst einmal keinen Pinguin vor? Wie sind die Kategorien strukturiert, die wir mit Wortbedeutungen verbinden?
- Basiskategorien: Warum ist in linguistischen Beispielsätzen vorzugsweise von "Männern", "Frauen", "Büchern", "Tischen", "lieben", "küssen" und "töten" die Rede? Mehr zur Ebene der bevorzugten Kategorisierung.
- Taxonomien: Was unterscheidet einen Anorak von einem Blazer? Wie sind die Kategoriensysteme für bestimmte Objektfelder strukturiert?
- Metonymie: Warum ist die "Uni" mal ein unwirtlicher Betonklotz, mal eine undurchsichtige Macht? Zu den kognitiven Grundlagen systematischer Bedeutungsvielfalt.
- Metaphern: Warum "explodiert" man oder "springt im Sechseck", wenn man sich ärgert? Zur Übertragung kognitiver Strukturen in andere Bereiche.
Empfohlene Literatur:
- Friedrich Ungerer,Hans-Jörg Schmid: Introduction to Cognitive Lingustics
- Georges Kleiber: Prototypensemantik
- John Taylor: Linguistic categorization
Als vorbereitende Lektüre empfehle ich
- Sebastian Löbner (2002): Understanding semantics. Ch.9 Meaning and cognition
- sowie das sehr gut lesbare Kapitel "Sprache und Denken" in Dieter E. Zimmer: So kommt der Mensch zur Sprache (FB 30 spr v 340.z72, UB spr e 650.z72).
