ALLGEMEINE SPRACHWISSENSCHAFT

Hauptseminar: Kontextualisierung (SoSe 02)

Unter Kontextualisierung versteht man die gemeinsame Schaffung und wechselseitige Anzeige des relevanten Kontexts für und während einer Kommunikation: die Teilnehmer an Der Kommunikation erzeugen fortlaufend, durch die Verwendung konventionalisierter 'Kontextualisierungshinweise', den Kontext, in dem ihre Gesprächsbeiträge zu interpretieren sind, z.B. bei einem Gespräch durch Blickverhalten, Tonfall, Gestik, vor allem aber auch auf der verbalen Ebene. Die Interpretation jeglicher Interaktion ist durch Kontextualisierung überhaupt erst möglich. Die Kontextualisierungstheorie ermöglicht eine sehr genaue Analyse der Kommunikation.

In den ersten Sitzungen wird der Ansatz der Kontextualisierungstheorie anhand des unten angegebenen Aufsatzes von Peter Auer erarbeitet und zur Analyse von Face-to-Face-Gesprächen verwendet. Als wesentlicher zweiter Schritt wird die Theorie auf mediale Kommunikation mit unterschiedlichen Medientypen übertragen (Textmedien, Text-Bild-Medien, AV-Medien wie Spielfilm und TV). Auch für mediale Produkte, z.B. Bücher, Spielfilme, Fernseh- oder Radiosendungen gilt: sie sind erst durch mannigfache Kontextualisierung interpretierbar. Neben der Kontextualisierungstheorie werden Überlegungen von Erving Goffman zur "Rahmenanalyse" und zum "Footing" (der differenzierten Produzenten- und Adressatenrolle) herangezogen. Ziel des Seminars ist eine grundlegende Auseinandersetzung damit, wie Kommunikation funktioniert, und eine genauere Bestimmung der Rolle, die dabei der Sprache zukommt.

Folgeveranstaltung: Im nächsten Wintersemester biete ich ein Hauptseminar "semantische Kontextualisierung" an, in dem speziell die sprachlichen Mittel der Kontextualisierung behandelt werden.

Literatur: Peter Auer, 1985, 'Kontextualisierung', in Studium Linguistik 19 (Zeitschrift, in der UB/FB vorhanden).