PROJEKT "DAS ASIENBILD IM ZEDLER"

Transkript zum Artikel "Agra, oder nach dem Erbauer, Ecbar Abad genannt, ist die Haupt-Stadt in Indien, dem grossen Mogul gehörig, welcher ehe Chah-Gehan wegen der unerträglichen Sommer-Hitze seinen Hof nach Gehanabat verlegte, daselbst residierte."

Band 1 (1733), Sp. 811.

Erstellungshinweise

„Ä“, „ö“, „ü“ sind in modernen Zeichen angegeben. Die Zeichensetzung inklusive Leerzeichen im Artikel ist unverändert, lediglich das doppelte Leerzeichen am Satzanfang ( „… Inseln lieget.  Die Inwohner…“) ist weggelassen. Im Original lateinisch statt Fraktur gesetzte Worte sind in Kapitälchen gesetzt, alle Kursivsetzungen wie im Original.

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Agra, oder nach dem Erbauer Ecbar Abad genannt,

ist die Haupt-Stadt in Indien, dem grossen Mogul

gehörig, welcher, ehe Cha Gehan wegen der uner 

-träglichen Sommerhitze seinen Hof nach Gehanabat 

verlegte, daselbst residirte. Sie liegt an dem lustigen 

Flusse Gemini unterm 104 Gr. 30 Min. Long. und

26 Gr. 50 Min. Latit. Ist sehr wohl gebauet, und mit ei

-ner starken Mauer von gehauenen rothen Steinen,

nebst einem Graben 100 Ellen breit umgeben, wie

auch von solcher Grösse, daß sie in einem Tage nicht / wohl zu umreiten und ihres gleichen nicht in ganz In / -dien ist. Ihre Gassen sind sehr lang, sintemal einige / wol eine viertel Meile lang, auch viele oben zugewöl / -bet seyn sollen. Es sind dieselben voller Gewölber, / Kram-Läden und Handercks-Buden. So befin / -den sich auch darinnen 15 grosse Mackt-Plätze, und / 13 Caravanseras, oder Herbergen, wie auch zwei schöne / hohe Thürme, / welche mit starken Gold-Plättern bele / -get sind, und noch einer, welcher von lauter Cameels / -köpffen zwischen Kalk sehr künstlich aufgeführet ist. / Um die Stadt herum sind überaus herrliche Luft-Gär / -ten, und an dem vordern Theil liegt das prächtige kö / -nigliche Schloß, welches drei Plätze nacheinander hat, / und auf allen Seiten mit hohen Palmen-Bäumen um / -setzet ist, wovon der erste und andere Hof-Platz mit / schönen Gallerien umgeben, in welchen sich Gemä / -cher vor die königlichen Officierer und Leib-Wachten / befinden, von dannen gehet man in den dritten Hof, /allwo die königlichen Zimmer sind; die Gallerien in / diesem innersten Platze sind sehr kostbar ausgeziert, / mit güldenen und lasur-blauen Laub-Werk erhoben, / und der Fuß-Boden ist allenthalben mit vortrefflichen / Tapeten beleget. Vor des Königs Lust-Haus an der / Wasser-Seite ist ein Gang, welcher anstatt eines / Vorgemachs dienet. Diesen, hatte man beschlossen / mit güldenen Wein-Stecken und Trauben aus Rubinen / uns Schmaragden, um die grüne und die rothe Farbe / der Weinbeeren recht natürlich vorzustellen, auszuzie / -ren, weil aber dieses mehr Geld und Reichtum erfor / -derte, als man aufbringen konnte, kam es nicht weiter, / als das zwei bis drei güldene Weinstöcke mit ihrem Laub / -Werck verfertiget wurden. Die Stadt ist sehr volck / -reich, worunter die Mahometaner die meisten seyn, / und treibet starcke Handlung. Fr. Bernier. Decript. de l’Inde. Catrou Hist. General du Mogol p. 97. Martinière. Tavernier. Reisebeschreibung 2c.

Autor

AMa