In den vergangenen Jahren haben sowohl die Universität Düsseldorf als auch ihr französischer Partner, die Université de Nantes, innovative Studiengänge herausgebildet, die auf die tief greifenden Veränderungen unserer Kultur und unserer Medienwelt reagieren, sie zu verstehen helfen und das Wissen vermitteln, um erfolgreiche berufliche Handlungsorientierungen zu entwerfen. Aufbauend auf selbst innovativ konzipierten, interdisziplinären BA-Studiengängen sind in beiden Partneruniversitäten Masterstudiengänge installiert worden, die der Vielfalt und Interdisziplinarität der medienkulturellen Gegenwart Rechnung tragen. Selbstverständlich stützen sich diese Studiengänge auf die jeweiligen nationalen und örtlichen Traditionen kulturwissenschaftlichen Lehrens und Forschens. Konzepte von Kultur, wie sie an der Universität wissenschaftlich reflektiert werden, und die kulturellen Praktiken der jeweiligen Gesellschaft sind enger verzahnt, als es im Zeitalter der europäischen Vereinigung und der Globalisierung vielleicht den Anschein hat. Die Zusammenführung der beiden Masterstudiengänge "Analyse des pratiques culturelles" und "Medienkulturanalyse" stellt deshalb eine besondere Aufgabe dar, die ein Stück des Studienprogramms selbst vorgibt.
Ein Begriff wie der der kulturellen Praktiken, wie ihn der Nanteser Partner für seinen Master "Analyse des pratiques culturelles" benutzt, erscheint im deutschen Kontext ungewöhnlich, da in Deutschland eine viel stärkere Kluft zwischen Praxisbereichen, die eher der so genannten Kulturpädagogik zugeordnet werden, und den eher philosophisch und theoretisch ausgerichteten Bereichen des universitären Studiums der Kulturwissenschaft existiert. Diese haben teilweise erst über die Besinnung auf die kulturelle Bedeutung von Medien und Medienformen zur Analyse der kulturellen Praktiken gefunden, was sich im Konzept des Düsseldorfer Masterstudienganges "Medienkulturanalyse" niedergeschlagen hat.


Umgedreht kann die französische Kulturwissenschaft sich auf eine Tradition historischen sowie empirischen sozialwissenschaftlichen Denkens über Kultur stützen, wie sie die deutsche Tradition nur randständig vorweisen kann.
Beide Traditionen in einem integrierten deutsch-französischen Master zusammen zu führen, stellt eine wissenschaftliche und didaktische Herausforderung dar. Unter den Gesichtspunkten der europäischen Einigung ist sie doppelt sinnvoll: Der integrierte Studiengang vermittelt einen Einblick in die Funktionszusammenhänge und Praktiken des kulturellen Feldes in beiden Ländern und ermöglicht so ein Verstehen der kulturellen Prozesse des jeweiligen Nachbarlandes. Der damit methodisch verbundene komparative und interkulturelle Zugang ermöglicht weit reichende Einsichten in allgemeine medienkulturelle Zusammenhänge. Eine fachsprachliche Kompetenz wird in beiden Sprachen auf hohem Niveau erworben. Schließlich qualifiziert der Studiengang eine Gruppe von jungen Menschen, in Kenntnis der Verfahrenskulturen beider Länder kompetent und kritisch in kulturellen und medialen Praxisbereichen zu handeln.
In seiner Forschungsorientierung qualifiziert der Studiengang für die Weiterführung der Forschung im Rahmen eines Promotionsstudiums.