All literature must be read as a symbolic meditation on the destiny of community. (Fredric Jameson)
Popularität der Literatur

BILDER
POP: Zwischen Homer, Phantom der Oper und Internet Fan-Fiction
Anglistik-Tagung zur „Popularität der Literatur“
Tagungsbericht von Eric Baudner
Wenn sich Literatur- und Kulturwissenschaftler mit dem Phänomen Pop beschäftigen, so kann das auf Außenstehende durchaus befremdlich wirken. Da fallen Begriffe wie „Systemtheorie“, „Ästhetisierungsstrategien“ und „konstitutive Selbstwidersprüche“. Bei der vom Lehrstuhl für Neuere Anglistik (Prof. Lüdeke) veranstalteten Tagung zum Thema „Die Popularität der Literatur“, die vom 7.-10. Januar 2010 im Düsseldorfer Malkasten stattfand, sollte es aber auch um wesentlich alltäglichere Fragen gehen: Was ist überhaupt populär und wie kann man Popularität nutzen? Wer hat daran teil, wer nicht? Was muss man tun, um Trends, Produkte oder Personen populär zu machen? Muss die sogenannte Hochkultur Angst haben vor der Popkultur? Und wie viel Pop verträgt die Gesellschaft überhaupt?
Zu diesem Zweck waren trotz Dauerfrost und angekündigtem Jahrhundert-Schneesturm fast 20 vortragende Literatur- und Kulturwissenschaftler aus ganz Deutschland angereist, um mit Kollegen und Studenten Popkultur von der Antike bis zum 21. Jahrhundert zu diskutieren. Dementsprechend vielfältig war auch das Themenspektrum der Vorträge. Ausgehend von einem Vortrag des Bielefelder Soziologen André Kieserling zur face-to-face-Interaktion in populärer Kultur wurde in den folgenden Tagen von der Homer-Rezeption in modernen Comics über die besondere Funktionsweise von Popmusik bis zu Internet Fan-Fiction nahezu jedes erdenkliche Thema präsentiert und hitzig debattiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Meinungen darüber, was Pop überhaupt ist, unterschiedlicher nicht sein könnten. Gleichwohl konnten sich die Experten darauf einigen, dass Populäres mehr als nur ‚bekannt‘ sein muss. Seine gesellschaftliche und ästhetische Funktion erhält es aus der Zwischenstellung zwischen Massen- und Hochkultur.
Ähnlich vielfältig präsentierte sich auch die Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel Pop verträgt die Gesellschaft?“, die am Samstag Abend unter Beteiligung von Hans-Otto Hügel, Christian Kortmann, Dirk Matejovski und Henning Patzner stattfand. Die Leitfrage des Abends lockte viele Düsseldorfer in den Malkasten, so dass der auch sonst schon gut besuchte Theatersaal bei dieser Gelegenheit bis auf den letzten Platz besetzt war. Die Debatte über Youtube-Videos, Werbeclips und den ganz alltäglichen Umgang mit Popkultur zeigte, dass die universitäre Beschäftigung mit dem Phänomen von der „wirklichen“ Welt gar nicht so weit entfernt ist. Auch nach dieser Diskussion herrschte keine letztgültige Klarheit darüber, ob Pop nun eigentlich etwas Gutes oder Schlechtes oder schlicht unhintergehbar ist. Aber dass die Gesellschaft jede Menge Pop und vor allem die Debatte darüber gut verträgt, darauf konnten sich am Ende alle einigen.
Die Popularität der Literatur - Ästhetik, Kommunikation, Interaktion und gesellschaftliche Praxis
im Malkasten Düsseldorf, 7.-10. Januar 2010
Popularität und Popularisierung bilden schwer hintergehbare, gesellschaftsübergreifende Phänomene der neuzeitlichen Alltagspraxis und Welterfahrung. Dies erklärt die Ambivalenz, mit der sie in der bisherigen Forschung behandelt wurden: von Adornos/Horkheimers Kulturindustrie-These über die Versuche der Renobilitierung durch die Birminghamer CCCS bis zu ihrer Erklärung als Komplement zur funktionalen Ausdifferenzierung der Gesellschaft in der zeitgenössischen Systemtheorie.
Populärkultur bildet einen intensiven Forschungsgegenstand der Sozial- und Kulturwissenschaften. Demgegenüber haben die Text-, Sprach- wie auch die Bildwissenschaften auf die damit verbundenen Herausforderungen vergleichsweise verhalten reagiert. Um den hieraus entstandenen Forschungsperspektiven Rechnung zu tragen, möchte die Tagung drei Schwerpunkte setzen.
Das Symposium Die Popularität der Literatur – Ästhetik, Kommunikation, Interaktion und gesellschaftliche Praxis wird durch die Dr. Günther- und Imme-Wille-Stiftung gefördert.
Anmeldung und Organisation

Katja Kremendahl M.A.
K. Kremendahl M.A.
Wiss. Mitarbeiterin
Gebäude 23.32, Raum 04.25
Tel: +49 211 81-13275
Fax: +49 211 81-11443
Veranstaltet von

Univ.-Prof. Dr. Roger Lüdeke
Univ.-Prof. Dr. R. Lüdeke
Lehrstuhlinhaber – Anglistik IV
Gebäude 23.32, Raum 04.23
Tel: +49 211 81-12964
Fax: +49 211 81-11443
Plakat/Website

Thomas Gurke M.A.
T. Gurke M.A.
Wiss. Mitarbeiter – Erasmus Koordinator
Gebäude 23.32, Raum 04.25
Tel: +49 211 81-13275
Fax: +49 211 81-11443


